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Rüdiger Wolff
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1,5
Veröffentlicht am 8. Juni 2014
Interessantes Projekt – aber schwach umgesetzt
Der Gedanke, zwölf Jahre lang einen Jungen in seinem Heranwachsen filmisch zu begleiten, ist zweifellos sehr interessant und bisher noch nicht realisiert worden. Aber dieser Film hält leider nicht, was er verspricht. Die einzelnen Sequenzen sind eigentlich nur aneinandergereihte Ereignisse aus dem Leben dieses Jungen, der heranwächst, und dies und das erlebt. Ein durchgängiges Drehbuch wird zwar versucht, aber die Umsetzung – besonders die szenische und schauspielerische (abgesehen von dem Jungen, Ellar Coltrane, der sich sehr bemüht hat; Ethan Hawke hat meistens viel gequasselt und leeres Stroh gedroschen) – sind weitgehend nicht überzeugend. Es genügt eben nicht, alle 5 – 6 Monate mal ein paar Minuten die Kamera zu aktivieren und dann alles zu einem Streifen zusammenzukleben, wenn die Szenen oft so dilettantisch gedreht worden sind. Entweder hätte sich Mr. Linklater die Mühe machen sollen, die Szenen sorgfältiger zu drehen oder er hätte einen reinen Dokumentarfilm über Szenen aus dem Leben des Jungen gedreht, und aus dem Off einige Kommentare dazu gegeben. Aber so, wie er es versucht hat, ist er m.E. gescheitert – die Aufgabe war zu groß – und das alles noch über 163 Min.! Auch hier gilt: Weniger wäre mehr gewesen. Das überaus positive Echo in der Presse etc. ist mir unverständlich. Fazit: Insgesamt ein ermüdender, langweiliger Film, der lediglich dann interessant wird, wenn man sieht, wie der Junge heranwächst und sich dabei verändert. Die konstruierten Szenen aus dem amerikanische Alltag sind meistens nur Klischees, und die sind unerträglich.
Richard Linklater ist einfach einer der begabtesten Filmemacher unserer Zeit. Was er hier mit "Boyhood" aufs Parkett legt ist allererste Sahne. Die lange Produktionszeit hat sich mehr als gelohnt und das Ergebnis ist ein gefühlvolles, höchst emotionales und vor allem unverwechselbares Kinoerlebnis. Allein die Idee über mehrer Jahre hinweg ein und den selben Schauspieler für einen Film zu verwenden und dabei die Entwicklung dieses Jungen einzufangen ist grandios. "Boyhood" ist so nah am Leben wie kein anderer Film und führt den Zuschauer in das eigentlich so normale Leben eines heranwachsenden Jungen, dass aber doch irgendwie ganz besonders ist. Dazu ein wunderschöner Soundtrack von "Coldplay" über "Family of the Year" bis hin zu "Arcade Fire". Definitiv einer der besten Filme der letzten Jahre!