Jenseits der Stille
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4,5
Veröffentlicht am 19. Juli 2026
Ein sehr bewegender, emotionaler Film, ein Film über die schmerzhafte, aber notwendige Befreiung von den Eltern und in gewisser Weise dann auch ein Coming-of-Age Drama. Aber es geht auch um ganz existenzielle Fragen, nämlich, wie funktioniert unsere Kommunikation und wie kann ich zu mir selbst finden, ohne die Menschen zu verletzen, die ich liebe? Es geht ums Erwachsenwerden, aber auch um Loyalität gegenüber der Familie

Regisseurin Caroline Link führt uns an diese Thematiken auf eine sehr clevere Art heran, nämlich, indem sie uns mitnimmt in die Welt der Gehörlosen, die wohl den meisten Zuschauern eher fremd sein wird. Dabei wirkt die Interaktion zwischen der kleinen Lara (grandios: Tatjana Trieb!) und ihren Eltern im ersten Teil jederzeit authentisch und sehr organisch, was daran liegt, dass ihre Eltern, gespielt von Howie Seago und Emmanuelle Laborit, tatsächlich gehörlos sind. Tatjana Trieb, zum Zeitpunkt des Drehs 10 Jahre alt, hat hingegen speziell für ihre Rolle in diesem Film die Gebärdensprache (und übrigens auch das Klarinettenspiel!) erlernt. Sie trägt die erste Hälfte mühelos alleine, ihr Schauspiel ist fantastisch, die enorme Last, die auf ihr liegt, für ihre Eltern immer „dolmetschen zu müssen“ wird von ihr sehr berührend und vor allem glaubhaft transportiert.

Nach einer Weile springt der Film dann ein paar Jahre in die Zukunft, Lara ist jetzt (gerade) erwachsen und versucht sich, von ihren Eltern loszulösen, was vor allem mit ihrem Vater ja schon in jüngeren Jahren zu einem großen Konflikt geführt hat. Er hat schlichtweg Angst, seine Tochter an eine Welt zu verlieren, die er nicht kennt und die ihm für immer verschlossen bleiben wird. Sie wiederum möchte endlich ihr eigenes Leben haben, will ihren Vater aber nicht verletzen. So gibt es für dieses Dilemma eigentlich keine echte Antwort, was den Konflikt ja nur umso schmerzhafter macht. Und auch hier ist die Schauspielerin, jetzt Sylvie Testud, überragend. Und wenn man dann noch bedenkt, dass sie für ihre Rolle ebenfalls die Gebärdensprache, aber auch ihren deutschen Text, erlernt hat (sie ist Französin). Interessanterweise hat sie nicht die deutsche Sprache erlernt, sondern allein ihren Text rein phonetisch auswendig gelernt. Im Film fällt einem gar nicht auf, dass sie keine Muttersprachlerin ist – wenn man es weiß, kann man manchmal einen ganz dezenten Akzent heraushören.

Und dann: Die letzte Szene, wenn sie zu ihrem Vater sagt: „Ich habe dich geliebt, seit ich auf der Welt bin. Du wirst mich niemals verlieren“, hat mir (selbst Vater von zwei Töchtern) das Herz gebrochen! So schön!

FAZIT: Ein emotionales und sehr bewegendes Drama, das anhand einer Familie mit gehörlosen Eltern und einer nicht-gehörlosen Tochter, ganz grundlegende Fragen über Kommunikation, den Wert der Familie, übers Erwachsenwerden und allgemein über die eigene Identität aufwirft. Fantastisch gespielt und meisterhaft inszeniert. Unbedingt anschauen!
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