Mit dem positivem soll man ja immer starten: Ambulance bietet eine ausgezeichnete, handwerklich sehr gut gemachte Action, die man so schon lange nicht mehr auf der Leinwand gesehen hat. Allein die Szene mit den Hubschraubern am LA River blieb mir sehr im Gedächtnis und hat großen Spaß gemacht (wobei man hier erstaunlich leicht erkennt, dass es nicht Jake Gyllenhaal, sondern sein Stuntdouble ist, der sich aus dem Krankenwagen lehnt und rumballert). Bei einer guten Soundanlage im Saal lohnt es sich hier umso mehr, dass Kinoticket erworben zu haben. Auch Eiza Gonzales' Rolle war für einen Michael Bay Film erstaunlich wenig sexistisch dargestellt und für mich die beste Figur im Film. Mehr will ich zu den Figuren aus spoilergründen aber nicht schreiben. Gerade über Gyllenhaals Figur kann man noch lange diskutieren.
Leider hört es an dieser Stelle aber auch schon wieder auf mit den positiven Aspekten.
Mit 136 Minuten Laufzeit könnte man meinen, der Film nimmt sich ausreichend Zeit, um seine Figuren ordentlich zu zeichnen, ihnen Background zu geben. Aber Pustekuchen, man erfährt lediglich die Basics und hört diverse Andeutungen. Da haben wir Yahya Mateens Figur, ein (ehemaliger?) Marine, der versucht einen Haufen Kohle für die lebensnotwendige Operation seiner Frau zu besorgen. Da passt es ganz gut, dass sein (Stief?)-Bruder (Gyllenhaal) ein professioneller Bankräuber ist, der zufällig genau heute 32 Millionen Dollar in einer Bank erbeuten will und noch einen freien Platz im Team hat.
Wie der Trailer schon verrät, geht die Nummer natürlich schief und man flüchtet mit dem namensgebenden Rettungswagen, in welchen sich Gonzales dummerweise noch aufhält. Das waren dann auch schon die ersten 20 Minuten, bleiben noch 116 weitere übrig. Was man hier sieht sind Drohnenfahrten mit 180° Drehungen an gefühlt jeder größeren Häuserwand; 100 Wege, wie man auf dümmste Weise ein Polizeiauto schrottet; ein subtiler Kommentar zur Polizeiarbeit in den USA, eine scheinbar endlose Verfolgungsjagd und Dialoge, die dem Zuschauer ausschließlich in einer Lautstärke von 120dB vermittelt werden. Dazu kommen fragwürdige Entscheidungen der Protagonisten, bei denen ich das Bedürfnis nicht los wurde, wie in einem Horrorfilm die Hauptfigur auf der Leinwand anzuschreien, um ihr zu sagen, dass es im Moment vielleicht keine gute Idee ist, die Gruppe zu verlassen, um in den dunklen Keller zu gehen (Hier ist vor allem die Exit-Strategie von Gyllenhaals Figur gemeint). Dazu kommt, dass man bei einer halbwegs glaubwürdigen Polizeistrategie den Film mindestens 45 Minuten hätte kürzen können. Das man sich selbst einem Zeitdruck auferlegt, weil ja gleich die Rush Hour beginnt und die Straßen nicht einfach weiträumig absperrt (zugegeben, das wird dann irgendwann auch mal gemacht), das wissen auch nur die Autoren.
Und trotzdem...trotzdem ist Ambulance der beste Film, den Michael Bay in den letzten Jahren gemacht hat. An seine früheren Werke (Bad Boys, The Rock, Armageddon) kommt er nicht ran, aber besser als die letzten Transformers Filme oder Pain & Gain ist er allemal. Wenn man nur auf die Bilder und Explosionen setzt, dann wird man nicht enttäuscht. Alle anderen sollten sich lieber nochmal Heat anschauen.