Operation Avalanche
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4,0
Veröffentlicht am 19. Januar 2026
Der Film ist natürlich eine Offenbarung für alle Verschwörungstheoretiker und Flat-Earther (was man teilweise an einigen Kommentaren hier erkennen kann), ist aber natürlich in jeder Beziehung fiktiv – außer der Namen wichtiger Persönlichkeiten natürlich. Nett fand ich, dass mehrfach der Name des NASA-Chefs James Webb gedroppt wird, nach dem ja inzwischen unser wichtigstes Deep-Space-Teleskop benannt ist. “Operation Avalanche” ist eine haarsträubend abgedrehte Satire, die herrlich intelligent mit dem unbedingten Wunsch der damaligen USA, den Wettlauf zum Mond gegen die UdSSR zu gewinnen, spielt. Nachdem Kennedy noch angekündigt hatte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und zurück zu schicken, sind die USA enorm unter Zugzwang geraten. Insofern ist die Idee, die Mondlandung zu faken, gar nicht so weit hergeholt, wer weiß, vielleicht hatte man tatsächlich sowas überlegt...?

Das 60ies Flair wird hervorragend eingefangen, die Settings sind glaubhaft und wirken realistisch, man hat wirklich das Gefühl, hier in den 60er Jahren zu sein. Der Soundtrack besteht fast nur aus Songs von Creedence Clearwater Revival, was natürlich an sich schon sehr cool ist, aber auch toll in die Szenerie passt. Eine Ausnahme bildet die sehr lässige Szene, als Matt den NASA-Funktionären seinen Plan für die gefakete Mondlandung vorstellt. Dazu ertönt der Donauwalzer, was natürlich ein ShoutOut an Stanley Kubricks “2001 - Odyssee im Weltraum” ist, zumal man sich kurz zuvor an Kubricks Ideen bereichert hatte. Außerdem ist das auch noch ein cooler Verweis auf William Karels Film “Kubrick, Nixon und der Mann im Mond”, eine Mockumentary, in der es darum geht, Stanley Kubrick habe im Auftrag der NASA die Mondlandung fürs Fernsehen vorgetäuscht. Hier bietet der Film also für Kenner einige lustige und aufregende Querverweise.

Handwerklich ist der Film durchaus gut gemacht, die Schauspieler sind natürlich jetzt nicht überragend, für ein solches Found-Footage-Setting passt das aber sehr gut. Die Dramaturgie ist spannend, der ganze Film ist als Thriller inszeniert, das funktioniert alles sehr gut. Gedreht wurde mit einem Mix aus analoger 16mm-Filmtechnik und digitaler Technologie, die im Nachhinein auf 60er Jahre getrimmt wurde, gedreht. Das Material wirkt authentisch und erzeugt eine coole zeitgenössische Atmosphäre. Die Aufnahmen auf dem Gelände des Lyndon B. Johnson Space Centers sind übrigens nicht gefaked, sondern echt, die Filmemacher haben sich mit einer List den Zugang dorthin erschlichen.

FAZIT: Aufregend inszenierter satirischer Film im Found Footage-Stil, der eine sehr beliebte Verschwörungstheorie aufgreift und dabei intelligente Querverweise auf Stanley Kubrick und natürlich auch auf “Kubrick, Nixon und der Mann im Mond” liefert. Von mir gibt’s hier eine klare Empfehlung – wenn man mit dem Found Footage-Konzept zurechtkommt.
Michael S.
Michael S.

301 Follower 415 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 27. Februar 2017
Nachdem das Thema in diversen pseudowissenschaftlichen Werken bereits mit großem Pathos durchgekaut wurde ist es regelrecht erfrischend, wie wenig ernst Johnson und Co. den angeblichen Hoax nehmen und ihre gefälschte Dokumentation gleichzeitig mit stilvollen Remineszenzen an die Filmtechnik dieser Epoche ausstatten. Selten haben grobes Filmkorn und passende Ausstattung so hervorragend harmoniert wie in den stilecht aufgenommen Dokumentar- und Spielszenen, für die sich das Filmteam unter dem Vorwand eine echte Dokumentation zu drehen auch in den historischen NASA-Räumlichkeiten in Houston umgesehen hat.

Den "absolut fesselnden Thriller" den das Cover verheißt sucht man allerdings zumindest am Anfang vergeblich. Nach einer etwas zu ausführlichen Einleitung und der Erklärung aller Motive und Situationen nimmt die Handlung mit den ersten Testaufnahmen zur gefälschten Mondlandung endlich Fahrt auf. Zu den Höhepunkten gehört ein Besuch am Set von Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" in den Londoner Shepperton Studios und eine in einem einzigen Take aufgenommene Verfolgungsjagd mit feindlichen Agenten, Schießerei inbegriffen.

Von einigen Längen abgesehen weiß Johnsons Film aber durchaus zu unterhalten. Gerade Liebhaber klassischer Tricktechnik und analoger Filmaufnahmen dürften ihren Gefallen an den manchmal regelrecht verzweifelten Bemühungen von Johnsons Crew haben, eine möglichst authentische Mondlandung nahzustellen. Im Hinblick auf die "alternativen Fakten" der Trump-Regierung gewinnt der Film auch inhaltlich wieder etwas Brisanz, obwohl er vorher entstand. Bekannte Thrillerelemente wie zwielichtige Vorgesetzte, abgehörte Telefone und Beobachter mit schwarzen Hüten treiben die Handlung zusätzlich voran, während man im Bonusmaterial erfährt, was Johnson wirklich über die Vortäuschung Mondlandung denkt und wieviel davon tatsächlich technisch möglich gewesen wäre.
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