Die hilfreichsten KritikenNeueste KritikenUser mit den meisten KritikenUser mit den meisten Followern
Filtern nach:
Alle
No Use For A Name
14 Follower
1.704 Kritiken
User folgen
3,0
Veröffentlicht am 8. September 2026
„Das Geheimnis von Marrowbone“ ist an sich kein schlechter Film, vor allem das Setting ist durchaus gelungen. Das Haus wird als unheimlich und schauerlich inszeniert, auch das Familiendrama wird spannend etabliert. Es gibt irgendein komisches Geheimnis, dass die vier Kinder umgibt, wir wissen aber nicht, welches, das wird zu Beginn nie so richtig ausgesprochen. Dabei nimmt sich der Film sehr viel Zeit, diese Situation zu zeigen und wird dabei leider auch schnell redundant. Die ständige Angst vor dem „Geist“ nutzt sich schnell ab, die Handlung tritt da lange Zeit auf der Stelle. Dennoch kann die erste Hälft vor allem aufgrund der tollen Jungschauspieler durchaus überzeugen.
Im letzten Drittel präsentiert uns Regisseur Sergio G. Sánchez dann aber einen Storytwist, der den ganzen Film nochmal komplett auf links dreht, aber leider am Ende viel zu konstruiert und kaum glaubwürdig wirkt. Das wirft ein insgesamt trübes Licht auf den Film davor. Und dann wird uns am Schluss nochmal eine Entscheidung der Charaktere präsentiert, die – gelinde gesagt – haarsträubend ist und mich eigentlich total verärgert zurückgelassen hat. Mannmannmann… was soll das??
((ACHTUNG SPOILER!!)) Das Drehbuch will uns irgendwie verkaufen, dass Jack sich seine drei Geschwister irgendwie nur zusammenhalluziniert hat, während die eigentlich längst tot sind. Dabei geht der Regisseur einen – aus psychiatrischer Sicht – sehr inkonsequenten Weg, indem er uns Jacks Krankheit als eine Mischung aus dissoziativer Identitätsstörung (DIS) und psychotischer Störung andrehen will. Er scheint, die Verhaltensweisen und die Stimmen seiner Geschwister zu übernehmen und Erinnerungslücken zu haben, wenn eine andere Teilpersönlichkeit die Steuerung übernommen hat. Das könnte bei einer DIS durchaus so sein. Allerdings externalisiert er die Geschwister komplett, er sieht sie als Personen im Raum stehen und interagiert mit ihnen. Das passiert ja bei einer DIS in der Regel nicht, die Persönlichkeiten sind internalisiert. Hier haben wir wohl eher echte Halluzinationen und Wahnideen, was eben auf eine psychotische Störung hindeutet, allerdings sind diese dann auch meist bedrohlich und bizarr, selten so funktional und organisiert, wie hier. Also lange Rede, kurzer Sinn, so eine Störung, wie Jack sie hier haben soll, gibt’s schlichtweg nicht. Eine wilde Mischung mit ein bisschen DIS, je nach Situation aber auch mehr Psychose, das ist schlichtweg völliger Unsinn.
So, es kommt aber noch schlimmer: Da gibt es dann wohl irgendeinen Arzt, der Medikamente verordnet hat, nur wogegen genau? Antipsychotika (das ist vielleicht das Naheliegendste) könnten gegen Wahn und Halluzinationen helfen, wären aber bei einer DIS kontraindiziert. Gleichwohl gehört jemand mit einer DIS ganz sicher in eine langfristig ausgelegte Psychotherapie, da helfen keine Medikamente! Also fragen wir uns schonmal: Was soll das? Wer will hier was mit welchen Medikamenten heilen? Und dann kommt’s aber ganz dicke: Da will uns der Regisseur doch tatsächlich die Entscheidung, dass Allie den schwer traumatisierten Jack wie einen entlaufenen Hund behalten will, als romantische Heilung verkaufen. Sie lässt ihn also lieber in seiner wahnhaft verdrehten Welt, in der er mit seinen Geschwistern spricht und das soll dann ein Happy End sein? Liebe Leute, Jesus, Maria und Josef! Was ist das denn bitte für ein Schwachsinn?? Das ist doch vielmehr unterlassene Hilfeleistung und verdreht doch die Tatsachen komplett bei einem psychisch schwerkrankenn Menschen! Der Junge braucht Hilfe (wie auch immer diese geartet sein soll), aber doch keine Flucht in seinen Wahn! Das nimmt der eigentlich tragischen Geschichte nochmal so komplett den emotionalen Impact! Herrje, was hab ich mich geärgert über diesen dramaturgischen Schwachsinn! ((SPOILER ENDE))
FAZIT: Ein atmosphärisches und stark gespieltes erstes Drittel wird gefolgt von einem eher langweiligen, inhaltlich redundanten zweiten Drittel, in dem die Handlung nur auf der Stelle tritt. Das letzte Drittel wartet dann noch mit einigem hanebüchenen Unfug auf und liefert vor allem einen Schluss, der in seiner Absurdität eigentlich schon perfide ist. Somit kommt in der Gesamtschau ein leider insgesamt nicht so wirklich sehenswerter Film bei raus. Daher gibt’s von mir – auch für Gruselhaus-Fans – keine Empfehlung hier.
Jack ist nach dem Tod seiner Mutter für seine drei jüngeren Geschwister verantwortlich. Das Problem, er ist noch keine 21. Würde jemand erfahren, dass die Kinder allein in dem großen Anwesen leben, wären sie sofort getrennt. Doch ein gieriger Anwalt, unausgesprochene Traumata und eine düstere, fast greifbare Aura lassen die Situation langsam eskalieren.
Das Geheimnis von Marrowbone (2018) läuft ca. 110 Minuten, ist ab 16 freigegeben und bewegt sich irgendwo zwischen Mystery, Horror und schwerem Familiendrama. Mit Mia Goth, Anya Taylor-Joy und George MacKay ist der Film stark besetzt und nutzt dieses Potenzial größtenteils gut. Im Kern geht es um Geschwister, die nichts anderes wollen als zusammenzubleiben. Doch das Leid, das über ihnen hängt, sickert Stück für Stück durch jede Szene. Der Vater ist ein wandelndes Horrormysterium, die Mutter tot, der Anwalt ein schleimiger Aasgeier mit eigenen Interessen und Allie ist die einzige Verbindung zur Außenwelt. Der Film braucht Zeit. Viel Zeit. Der Einstieg ist zäh und man fragt sich öfter, wohin das Ganze eigentlich will. Doch sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, sitzt man gebannt davor. Kleine Details wie Verletzungen, Blutspuren, Veränderungen im Haus oder beiläufige Sätze lassen einen rätseln, was hier wirklich passiert. Die Wahrheit wird lange zurückgehalten und wenn sie kommt, dann nicht sanft, sondern mit einem Vorschlaghammer. Das Finale liefert mehrere Wendungen, schockierende Erkenntnisse und ein Ende, das man zwar als „Happy End“ verkaufen könnte, sich aber eher anfühlt wie ein stiller Schlag in die Magengrube. Unterm Strich bleibt ein Film mit spürbarem Leerlauf, im letzten Drittel zahlt sich das dran bleiben aber aus. Kein klassischer Horror, sondern ein düsteres Drama mit Mystery-Einschlag, das lange nachwirkt.
7/10 Punkten. Alle Spiegel sind verhüllt oder abgehängt und wenn man endlich versteht warum, läuft einem ein ordentlicher Schauer über den Rücken.
Hoi:) film war echt sehenswert. eher düster als erschreckend. handlung ist manchmal fast schon zu komplex daher brauchte ich bis ich manches verstanden habe. sieht aber auch gut aus.