„Wicked“ – Wenn Ideologie die Geschichte überschreibt
„Wicked“ ist nur das jüngste Beispiel einer mittlerweile ermüdenden Hollywood-Tendenz: der Zwang, klassische Geschichten neu zu erzählen – aber nicht aus künstlerischer Notwendigkeit, sondern um möglichst viele identitätspolitische Kategorien abzudecken. Was einst eine nuancierte Vorgeschichte zur „Zauberer von Oz“-Welt war, wird hier zur Bühne für ein Diversity-Konzept, das mehr mit Kalkül als mit Kreativität zu tun hat.
Natürlich ist Repräsentation wichtig. Aber Repräsentation funktioniert nur dann gut, wenn sie organisch ist, wenn sie zur Welt, zur Figur, zur Story passt. In Wicked hat man stattdessen das Gefühl, die Rollen wurden nicht nach Charaktertiefe, sondern nach Hautfarbe, Geschlecht oder gesellschaftspolitischer Signalwirkung besetzt. Das Ergebnis ist eine künstlich wirkende Ensemble-Zusammenstellung, bei der die Figuren nicht durch ihre Geschichte, sondern durch ihr „Diversity-Profil“ definiert werden.
Diese Tendenz begegnet uns inzwischen in vielen Neuverfilmungen – ob bei Disney, bei Netflix oder nun auch hier: Alte Geschichten werden umgeschrieben, Figuren radikal umgedeutet, historische oder märchenhafte Kontexte ignoriert, nur um ein aktuelles Weltbild hineinzupressen. Das wirkt nicht fortschrittlich, sondern zwanghaft. Es ist, als würde man einem Gemälde rückwirkend moderne Farben aufzwingen – und sich dann wundern, dass das Gesamtbild nicht mehr stimmt.
Wicked leidet genau unter dieser Überinszenierung. Statt die emotionalen und politischen Nuancen der Originalvorlage zu vertiefen, setzt der Film auf plakative Botschaften und Symbolik. Die Magie bleibt auf der Strecke. Die Charaktere wirken leer, ihre Entwicklung konstruiert, die Musik austauschbar. Selbst große Nummern wie „Defying Gravity“ verlieren an Wucht, weil sie von einem grundlegend unausgewogenen Filmgerüst getragen werden.
Fazit: Diversität ist kein Problem – wenn sie sinnvoll integriert ist. Wicked aber reiht sich in eine wachsende Liste von Filmen ein, die nicht erzählen, weil sie etwas zu sagen haben, sondern weil sie ein ideologisches Raster erfüllen wollen. Und das schadet nicht nur dem Film – sondern langfristig auch der Idee von echter Vielfalt.