Woody Allen verliert sich in seinem Versuch Tennessee Williams zu imitieren…
Woody Allen hat als Regisseur mittlerweile über 40 Filme gedreht und teils mitgeschrieben. Doch seine gute Reputation ist längst nicht mehr das, was sie mal war. Nicht jedes seiner Werke erreicht das Publikum. Darunter fällt auch sein 2017-Drama „Wonder Wheel“ mit Kate Winslet. Bei Kritikern und Publikum fiel der Film durch. Zurecht? Na ja…
Die Story spielt in den 50ern auf Coney Island in Brooklyn: Die ehemalige Schauspielerin Ginny lebt mit ihrem Partner Humpty unter finanziell schwierigen Umständen. Ginnys Sohn aus der ersten Ehe ist obendrein ein gefährlicher Feuerteufel, während Humptys Tochter Carolina von der Mafia verfolgt wird. Ginny findet eines Tages jedoch den erhofften Trost, als sie eine Affäre mit dem gutaussehenden, jungen Rettungsschwimmer Mickey beginnt. Das romantische Märchen scheint perfekt, doch alles ändert sich, als Mickey beginnt mit Carolina, Humptys Tochter, zu flirten…
Allen, der sowohl Regie als auch das Drehbuch übernahm, wollte eine kunstvolle und doch fesselnde Tragödie mit großartigen Emotionen auf die Leinwand bringen. Das ist ihm auch in gewissen Teilen gelungen. Das verdankt er aber in den meisten Fällen der Leistung von Kate Winslet, die den Großteil des Films trägt. Sie ist wirklich das Herz der Geschichte. Aber auch Jim Belushi, den ich schon lange nicht mehr in einem Film gesehen habe, hat mich überzeugt. Der Rest des Casts ist akzeptabel. Gerade Justin Timberlake hat mich etwas enttäuscht zurück gelassen, obwohl er in „The Social Network“ deutlich besser war. Und besonders der Kinderdarsteller war nicht gut…
Die Story an sich ist zunächst sehr banal und uninteressant. Viele Beziehungen werden einfach erzählt, statt sie zu zeigen. Erst im Laufe der Geschichte entsteht eine spannende Dynamik mit viel Humor und einigen schönen, ehrlichen Momenten. Leider verliert sich der Film am Ende zu sehr in bedeutungschwangeren Dialogen und Gesten. Gerade das Drehbuch hat einige sehr ausgelutschte Phrasen, die ich nicht mehr hören kann. Das konnte Allen bei „Blue Jasmine“ deutlich besser handeln.
Optisch hingegen überzeugt der Film durch eine gute Kameraführung von Vittorio Storaro, die das dramatische Kammerspiel sehr gut unterstützt. Und es ist besonders der prägnante Einsatz von blauen und roten Farben, der den Film visuell hervorhebt.
Der Soundtrack hingegen fällt nicht ganz so auf, ist aber auch nicht schlecht, sondern untermalt viele Szenen eher subtil.
Fazit: „Wonder Wheel“ wirkt wie der Versuch Tennessee Williams nachzumachen und auch das hat Allen in „Blue Jasmine besser hinbekommen. Es gibt dennoch gute Aspekte, die den Film sehenswert machen, wie etwa die schauspielerische Leistung und die schicke Optik. Ansonsten ist „Wonder Wheel“ leider etwas lasch und lässt emotional am Ende dann doch zu wünschen übrig…