Wie traurig ist das bitte?
Ein Film, der so gekonnt mit dermaßen reduzierten Mitteln ein allgegenwärtiges und alltägliches gesellschaftliches Drama in Szene setzt, wird so mies bewertet!?
Ob es jetzt daran liegt, dass Personen die den Film verstehen zu selten Rezensionen schreiben, oder dass zu viele Menschen nur noch hinrlose Actionfilme hypen, in denen jeder Mist erklärt wird ist ein Thema für einen andere Talkrunde.
Vivarium: lat. für "Ort des Lebens"
"(...) Ort oder eine Anlage zur Haltung und Beobachtung lebender Tiere oder Pflanzen, oft in einer Umgebung, die deren natürlichem Lebensraum nachempfindet, wie ein großes Terrarium, Aquarium oder Aquaterrarium." (Quelle: Google Gemini)
Das Drama um das es hier geht bedarf keiner hellseherischer Fähigkeiten oder ein Germanistik-Studium um es zu verstehen. Tom und Gemma, zwei junge Liebende sind auf der Suche nach einem ersten gemeinsamen Heim und finden sich vollkommen unvorbereitet mit Baby auf dem Arm in einer ausweglosen Situation: das Elternsein.
In dem Film geht es um nichts anderes, als um die Verzweiflung sich in einem Hamsterrad wiederzufinden, sobald man sich der Situation stellen muss, die wie keine andere das gesamte Leben, das man bisher kannte, vollkommen auf den Kopf stellt. Gerade eben noch lebensfroh und mit Hoffnungen und Zielen, finden sich die beiden auf einmal wieder in einer tristen, uniformen Satelliten-Vorstadt. Alle Individualität weg, unterworfen der Aufzucht des Nachwuches.
Vollkommen überfordert stürzt sich Tom in eine sinnlose Arbeit, von der er sich verspricht aus diesem Zustand entfliehen zu können. Gemma hingegen ergreift aus dem Gefühl von Tom allein gelassen zu sein verzweifelt den Versuch sich in ihrer Rolle als Mutter einzugewöhnen. Und auch das Versprechen auf dem Karton "Zieht ihn groß und ihr seid frei." erfüllt sich für die beiden nicht, denn Tom ackert sich förmlich selbst zu Tode und Gemma geht quasi an der Frage zugrunde, wer sie eigentlich nach ihrer Rolle als Mutter sein will, oder ist.
Dass dieser Zusatand kein Einzelfall ist, sondern von vielen Eltern teils mehr oder weniger empfunden wird, wird im Film sehr eindrücklich gezeigt: uniforme, grüne Einfamilienhäuser bis zum Horizont (und wird durch reale Studien belegt).
Und auch das Gefühl, das Kind sei ein Fremdkörper, ein nervtötendes Etwas, hat auch das ein oder andere liebende Elternteil schonmal heimlich gedacht.
Vivarium ist kein Arthouse-Film. Dennoch ist es erstaunlich und bemerkenswert, wie wenig Lorcan Finnegan an Kulisse und Schauspielern benötigt hat, um diesen Abgrund unserer modernen menschlichen Gesellschaft zu inszinieren.
Traurig, dass solche Filme so schlecht bewertet werden!