Es folgen minimalistische Spoiler im Text, die aber am Ende auf die Sehfreude wohl wenig Auswirkung haben werden.
Sebastian Shipper hat mit dem großartigen "Victoria" meinen Lieblingsfilm aus Deutschland produziert und gedreht, dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an seinen neuen Film "Roads", der aber leider nicht an die Qualität von "Victoria" herankommt, dennoch bleibt ein guter Film. Der Film dreht sich um Gyllen der das Wohnmobil seines Stiefvaters stiehlt und gemeinsam mit dem aus dem Kongo stammenden Flüchtling William versucht zu seinem Vater nach Frankreich zu kommen. Was zunächst beginnt wie eine Komödie oder ein Buddyfilm, wandelt sich zur Hälfte des Filmes. Aber zunächst ist die erste Hälfte wirklich unterhaltsam komisch, weil die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren einfach passt und beide Figuren auch schon erste schöne Charakterzeichnungen bekommen, die Laufe der Handlung immer weiter aufgegriffen werden und ausgebaut werden. Daher kann man dem Film auch gut folgen. Der Fokus liegt nur auf Gyllen und William und das ist gut so. Interessant ist aber, das der Film am Ende eben kein Roadmovie ist, sondern ein Beitrag zur Flüchtlingskrise. Gerade mit der Ankunft in Europa und je tiefer man nach Frankreich kommt, desto ernster wird der Ton des Filmes. Es werden plötzlich die Missstände aufgegriffen, die in Europa im Umgang mit Flüchtlingen herrschen, gerade wenn sie an einer Imbissbude sind, wird dies besonders deutlich, aber auch die Zustände, in denen Flüchtlinge leben müssen werden hier schonungslos gezeigt. Der Weg dort hin, ist zwar zu Beginn eine Komödie doch schlägt dies später in puren Ernst um und auch hier wird schnell klar, was es für ein Aufwand ist überhaupt soweit zu kommen und was Menschen dazu bewegt diese lange Reise auf sich zu nehmen. Gerade bei Williams Bruder werden die Folgen klar. Am schönsten ist aber am Ende die Freundschaft, die zwischen Gyllen und William entsteht und die aufzeigt, dass der kulturelle Hintergrund eines Menschen vollkommen egal ist, wenn es darum geht Freundschaften zu schließen. Um so berührender ist das Ende des Filmes, wenn Freunde zu Familie werden.