Bizarr, schräg, komisch, grandios.
Alle Adjektive treffen für Paul Thomas Andersons neuesten Streich perfekt zu.
Brilliante Dialoge, abgefahrene Szenen und eine grandiose Performance - vor allem von den beiden „Newcomern“.
Die einzige Frage, die sich mir stellt, ist die, woraus genau sich der Titel zusammensetzt.
„Licorice Pizza“ ist speziell. Er ist sehr eigen… und er trägt Andersons Handschrift.
Auf seine eigene Art und Weise erzählt der Regisseur, der zugleich auch das Drehbuch für diese aberwitzige Geschichte schrieb, eine etwas andere Liebesgeschichte, gepaart mit charmanten Coming-of-Age-Passagen, situationsbedingter Romantik und positiven Vibes.
Das Setting ist großartig! Das Feeling der 70er ist in jeder einzelnen Einstellung gegeben und ich, als Zuschauer, war in einem anderen Jahrzehnt. Was diesen Aspekt betrifft: 10 out of 10!
Dahingehend ist auch der Soundtrack sehr passend zugeschnitten worden. Die Soundeffekte und die Kostüme in „Licorice Pizza“ katapultieren den Zuschauer in das Amerika der frühen 70er. Die Zuschauer*innen verfolgen von Minute eins eine schräge Romanze zwischen zwei völlig verschiedenen Figuren.
Die Chemie der beiden Hauptdarsteller*innen funktioniert - zumal beide, was ihre jeweilige Filmhistorie betrifft, ein unbeschriebenes Blatt sind (absolute Newcomer). Für ihre ersten Performances gelingt es beiden Darsteller*innen mit Leichtigkeit diese Story zu tragen. Mit großen Namen wie den zweifachen Oscarpreisträger Sean Penn oder Bradley Cooper im Cast ist der Film nahezu perfekt. Er hat 3 Oscar-Nominierungen und hat sogar gute Chancen auf den Drehbuch-Oscar.
Wäre da nicht…
Das Drehbuch. So gut die Dialoge und die unvorhersehbaren Happenings dieser Story auch sind, gibt es keine wirkliche Entwicklung. Wenn man mich nach dem Film fragen würde worum es in diesem Film ging, würde ich lediglich sagen, dass es eine Liebesgeschichte ist, die langsam an Fahrt gewinnt. Die Betonung liegt hier auf langsam, denn der Film dauert über 130 Minuten. Eine Kürzung der Lauflänge und das Weglassen einiger Erzählstränge hätten diesem Film sehr gut getan! Womit auch eigentlich einige Figuren weggelassen hätten können. Mindestens eine halbe Stunde weniger hätte diesem Film geholfen, doch so ist er inmer noch sehenswert.
Wenn man einen Film sehen möchte, der einem einen guten Abend und ein außergewöhnliches Kinoerlebnis bescheren soll, ist „Licorice Pizza“ die richtige Wahl! Vor allem eingefleischten P.T.A. Fans lege ich sein neuestes Werk ans Herz, welches sich von seinen letzten Filmen wie „The Master“, „Phantom Tread“ oder „There Will Be Blood“ am ehesten stimmungsmäßig an den Vibes von „Boogie Nights“ orientiert - jedoch bleibt die spielerische Dynamik des Kultfilmes an dieser Stelle in „Licorice Pizza“ aus.
Ein anspruchsvoller und abgedrehter Film über das Erwachsenwerden, das sich verlieben, das Älter werden, moralische Werte reflektieren und gute-Laune-haben.
Von mir gibt es gut und gerne eine lieb-gemeinte 8,4 von 10 Punkten.
An diejenigen, die den Film bereits gesehen haben:
Mein Lieblingszitat des Filmes war:
„Sie erinnern mich an einen Pitbull. Ein Pitbull mit einer jüdischen Nase.“
Bliebt gesund, ihr lieben!