Naomi Watts und Tim Roth als Ehepaar... da klingelt bei mir was: "Funny Games US", die Adaption von Michael Haneke's Film für den US-Markt. Da habe die beiden auch schon einmal sehr überzeugend abgeliefert.
Neben den Hollywood-Stars hat Julius Onah (Regie) aber noch deutlich mehr zu bieten: ein brillant geschriebenes, sehr vielschichtiges, intelligentes Drehbuch, das auch ein herrliches Verwirrspiel enthält und nie auch nur ansatzweise vorhersehbar ist.
Luce wird im Alter von sieben Jahren von einem US-Ehepaar aus Eritrea adoptiert, einem Land, das durch andauernde Unruhen schwer gebeutelt ist und in dem man lernt eine Waffe zu bedienen, noch bevor man laufen kann. Die posttraumatische Aufarbeitung findet lediglich in Dialogen Erwähnung, wird aber nicht visuell thematisiert. Wir lernen Luce als 17-jährigen Musterschüler kennen, das Aushängeschild der Schule in Arlington.
Die eigentlichen Stars des Dramas sind Kelvin Harrison Jr. und Octavia Spencer, der charismatische Überschüler mit dunkler Vergangenheit und die Geschichtslehrerin mit ureigenen Motivationen und Absichten. Beide sind POC und Teil des US-amerikanischen Systems mit recht unterschiedlichen Ansichten zu diesem, was aber lediglich ein Aspekt eines sehr komplexen Themenkonglomerats ist.
Onah spielt geschickt mit Erwartungshaltungen und untergräbt diese auch sehr subtil beim Zuschauer. Nie kann man sich wirklich sicher sein, das Gesehene auch richtig zu interpretieren. Das Finale setzt den kongenialen Schlusspunkt hinter einen außergewöhnlichen Film, der mich gleichermaßen fasziniert, wie irritiert hat.
Absolut beeindruckend ist auch der Score von Geoff Barrow und Benjamin Salisbury, der die mystische Komponente des Films hervorragend unterstreicht.
Absolute Empfehlung von mir!