Neueste Kritiken: Holiday - Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit
Holiday - Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit
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Veröffentlicht am 17. August 2026
„Holiday“ ist kein Wohlfühlfilm, sondern ein zwar sehr stylish gefilmtes, aber dennoch sehr bitteres, schonungsloses Psychogramm einer toxischen Beziehung. Im Mittelpunkt steht Sascha (brillant gespielt von Victoria Carmen Sonne), die in einer sehr unangenehmen, abhängigen Beziehung zu ihrem gewaltbereiten Freund Michael steht. Dabei vermeidet der Film gekonnt, Sascha nur als Opfer zu inszenieren, überhaupt hält sich der Film mit Wertungen und Urteilen sehr zurück, sie ist eben auch mitverantwortlich für ihre Situation.
Der Stil ist dabei vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem der Mittelteil ist sehr arthausig inszeniert, ohne dass die Handlung irgendwie spürbar voranschreitet. Die Szenen sind zwar eindrucksvoll und betörend (es gibt immer wieder sehr lange, statische Einstellungen), aber eben auch schnell redundant. Dem gegenüber stehen dann einige heftige Gewaltszenen, die ebenfalls ohne Schnitt auskommen, Regisseurin Isabella Eklöf kennt da kein Erbarmen und lässt den Zuschauer da nicht raus. Das hat aber zur Folge, dass viele Zuschauer den Film als langweilig und vielleicht nichtssagend erleben. „Holiday“ ist sicherlich kein Film für jeden.
Immer wieder wird dem Film auch vorgeworfen, er würde nur absichtlich provozieren wollen, allein um der Provokation willen. Besonders die sehr lange, sehr explizite Vergewaltigungsszene, die durchaus an die legendäre „Irreversible“-Szene herankommt, ist extrem verstörend und an der Grenze zum Erträglichen. Die Regisseurin hat sich dazu mehrfach geäußert, ihr ging es darum, bewusst gegen den Hollywood-Mainstream zu filmen. Gewalt und sexuelle Übergriffe würden oft stark ästhetisiert dargestellt, sie wollte ganz im Gegenteil ihre Gewalt als hässlich und maximal unangenehm darstellen. Man könnte auch eine Metapher auf Kapitalismus und Konsumgier sehen, das Ertragen der Gewalt ist gewissermaßen der Preis, den Sascha für ihr Leben in Luxus zahlt (zahlen will?).
FAZIT: „Holiday“ ist ein zutiefst verstörender dänischer Arthaus-Film, der nicht jedem gefallen wird, aber so oder so auf jeden Fall im Gedächtnis bleibt. Keine leichte Kost, aber aus meiner Sicht unbedingt sehenswert.
Regisseurin Isabella Eklöf ist mit Ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm in den deutschen Kinos.
Bodrum, Türkei: Der dänische Gangsterboss Michael (Lai Yde) bestraft Fehler gnadenlos und belohnt gute Arbeit großzügig. Als sich seine Gespielin Sascha (Victoria Carmen Sonne) mit dem Niederländer Thomas (Thijs Römer) anfreundet, hat das Folgen.
Isabella Eklöf überrascht und spaltet das Publikum mit einem Geniestreich. Sie hat am Drehbuch von „Border“ mitgearbeitet und den Kameramann dieser außergewöhnlichen Produktion, Nadim Carlsen, für das eigene Projekt gleich mitgenommen.
Es muss nicht immer Italien sein: Ein typisches Problem bei Filmen, die in der Unterwelt spielen, ist die Darstellung des Anführers der Bösen. Der verbringt mit Kumpanen und Familienmitgliedern eine Art Arbeitsurlaub an der schönen Südwestküste der Türkei. Michael strahlt Ruhe aus. Er verhält sich überwiegend zurückhaltend, auch genießerisch und reagiert zuweilen extrem, wenn es die Situation aus seiner Sicht erfordert. Dieser Charakter ist straight, wirkt in den Dialogen und der visuellen Erfassung nie aufgesetzt oder klischeehaft und entwickelt eine schier unglaubliche Aura der Macht, die mit seinem Auftauchen ein Kribbeln auslöst. Hut ab! Eklöf hält sich nie zurück und unterstreicht die Effektivität ihrer Szenen auch mal mit Bildern, die sonst im pornografischen Bereich zu Hause sind.
Dennoch ist Sascha die stets im Fokus stehende Hauptfigur, welche sich gerne in der Obhut von Michael aufhält, sich ebenso vor ihm fürchtet und ihren Arm in Richtung heile Welt ausstreckt. Das Publikum findet die junge Dänin in einem Selbstfindungsprozess verortet. Das ist von der Regisseurin in vielen Szenen brillant herausgearbeitet. Wenn Sascha gegen Ende diesen Entwicklungsgang beendet und ihr Zuhause gefunden hat, strahlt sie Glück aus.
Die Kamera behält, passend zu den Situationen, eher den Überblick und geht sparsam mit Nahaufnahmen um. Dagegen verspricht das Kinoplakat einen bunt blutigen Style und lockt vielleicht den falschen Fan an. Auch für den Mainstreamkonsumenten ist "Holiday" wohl das falsche Ferienziel. Wer eine mehr als gelungene Milieustudie sehen möchte, die nicht mit Schauwerten und coolen Sprüchen protzt, dafür aber herausragend gestaltete, schlüssige Hauptfiguren bietet, sitzt im richtigen Kino.
Isabella Eklöf hat mit ihrem Debüt einen Volltreffer gelandet.