Last Night In Soho
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FILMGENUSS
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3,5
Veröffentlicht am 20. November 2021
EIN HORROR WIE DAMALS
von Michael Grünwald / filmgenuss.com

Zum ersten mal ist mir Thomasin McKenzie in Debra Graniks Aussteigerdrama Leave No Trace aufgefallen – und von da an gab’s kein Zurück mehr: Die junge Dame zählt mittlerweile zu den herausragenden Naturtalenten im Kino. Jetzt verbündet sie sich in Edgar Wrights neuestem Streich mit einer nicht weniger begabten Größe: Anya Taylor-Joy, den meisten wohl bekannt aus der Netflix-Miniserie Das Damengambit. Mit Esprit, Ausstrahlung und einem Sinn für Extravaganz meistert die junge Dame jedes Genre. Sie und McKenzie ergänzen sich auf einnehmende Weise, und dieses Double Impacts ist sich Wright jedenfalls so sehr bewusst, dass er um die beiden herum einen Film schneidert, der nicht nur die Puppets on a String tanzen lässt, sondern auf so leidenschaftliche Art Retro ist, dass man glatt vermuten könnte, ob Last Night in Soho nicht ein verschollen geglaubtes Machwerk aus der Hochzeit des Psychothrillers sein kann. Ist es natürlich nicht, aber Wright tut so als ob. Und es gelingt ihm.

Dabei verbeugt er sich bis zu den Schuhspitzen vor einem Meister, der nach Hitchcock wohl am besten verstanden hat, die bedrohliche Metaphysik der Wahrnehmung auf versponnene junge Damen (und auch Herren) niedersausen zu lassen: Roman Polanski. Da gab es eine Zeit, da war eines seiner perfiden Horrorszenarien besser als das andere. Ekel mit Catherine Deneuve zum Beispiel – die Studie einer labilen Persönlichkeit, die dem Wahnsinn verfällt. Der Mieter mit Polanski himself, der von seiner Wohnung in den Selbstmord getrieben wird. Mia Farrow in Rosemaries Baby hat‘s da gleich mit dem Teufel zu tun – oder doch nicht? Thomasin McKenzie als Eloise, die Unschuld vom Land, bildet das bisherige Ende einer Reihe denkwürdiger Auftritte. Von Mode und der Musik aus den Sechzigern fasziniert, reist sie nach London, um eine Fachschule zu besuchen. Dabei bezieht sie ein Zimmer im berühmt-berüchtigten Viertel Soho. Dieses Zimmer jedoch schleust sie des Nächtens in eine andere Zeit, nämlich in die Sechziger, um den Spuren der aparten Sandy zu folgen, die sich in einem Tanzlokal als Sängerin bewirbt. Das fängt alles ganz gut und schön an, und Eloise träumt sich gerne in die andere Welt, in der sie mitunter auch die Rolle der swingenden Blondine übernimmt. Doch irgendwann kippt das Ganze, und plötzlich ist die gute alte Zeit aus eleganten Kleidern, rhythmischer Musik und hochgesteckten Frisuren nicht mehr so das Gelbe vom Ei. Und all die Schwärmerei nimmt unangenehme Ausmaße an.

Mit Musik geht bei Wright immer alles besser. Das hat er schon in Baby Driver bewiesen. In Last Night in Soho (der Titel bezieht sich auf einen Song der Band Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich) sind nicht nur blinkende Neonreklamen, regennasse Straßen und darauf brummende Oldtimer die Kulisse für einen Paranoia-Thriller wie diesen, sondern eben auch der 60er Sampler, der mit sowohl unbekannten als auch ganz bekannten Stücken wie Petula Clarks Downtown eine immense Stimmung erzeugt, und zwar auch in Szenen, in denen Schreckliches mit lieblichem Sound konterkariert wird. Alles in diesem nostalgischen Grusel ist Kulisse, und das muss auch so sein: Wright will die Demaskierung einer verklärten Ära, in denen Frauen im Püppchen-Outfit den lüsternen Avancen eines uniformierten schlipstragenden Patriarchats willenlos ausgeliefert waren. #Metoo war da weit entfernt. Was für ein Jagdrevier wäre das für Carey Mulligans Figur aus Promising Young Woman gewesen? Doch die führt erst Jahrzehnte später unverändert unverhohlene Geilspechte an der Nase herum, während McKenzie erst lernen muss, was es hieß, als Frau Erfolg haben zu wollen.

Last Night in Soho orientiert sich auch an Werken von Nicolas Roeg oder sogar Quentin Tarantino, der mit Once upon a Time…in Hollywood die idealisierten Siebziger vorgeführt und dabei den Mut hatte, verklärtes Zeitkolorit intelligent zu untergraben. Wright tut das auch. Doch genug ist ihm das nicht. Mit ganz viel überzeichnet-schaurigem Hokuspokus bekleckert er seinen feministischen Thriller, der letzten Endes zwar nicht die Strategien kluger Wendungen neu konzipiert, seine beiden Stars aber in bevorzugt rotem Licht und mit viel Liebe fürs Zitat über einen Laufsteg des Grauens irren lässt.
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beco
beco

83 Follower 435 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 18. November 2021
"Me too" goes back to the sixties und verwandelt die Popkultur in ein Horrorkabinet.
Auch wenn manchmal etwas zu viel Geister auftauchen, bleibt der Film mit seinen Bezügen, falschen Verdächtigungen doch immer gut für eine Überraschung und überzeugt durch tolle Bilder und passender nostalgischer Musik.
Sehenswert plus
Cursha
Cursha

7.500 Follower 1.067 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 16. Dezember 2021
Edgar Wright Filme sind doch immer wieder ein wahrhaftes Fest. Nach großartigen Werken wie "Hot Fuzz", "Baby Driver" oder "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" war ich mehr als gespannt auf seinen neuen Film "Last Night in Soho". Glücklicherweise hat mich der Meister nicht enttäuscht, wenn gleich sich dieser Film am wenigsten nach einem Wright Film anfühlt.
Kurz zur Handlung: Eloise lebt auf dem Land, zieht aber nach London um dort Mode zu studieren. Da sie sich nicht gut mit ihrem Zimmergenossen versteht, verlässt sie das Studentenwohnheim und zieht in eine kleine Wohnung. Jeden Abend wenn sie sich dann aber schlafen legt, erwacht sie wieder im London der 60er Jahre und erlebt dort die Geschichte von Sandy, die den Traum von der großen Bühne leben will.
Wright hat sich hier ein ganz schönes Päckchen aufgeladen und vermischt hier eine ganze Menge an Genre zu einem Ganzen, wenn gleich hier der Humor doch tatsächlich so wenig Raum einnimmt wie nie zuvor. Wright spielt mit den Genre und schafft eine Balance, die glücklicherweise nie aus dem Gleichgewicht gerät.
Optisch fährt er wieder ganz große Geschütze auf und zelebriert diese Stärke gerade in den Szenen der 60er Jahre, aber auch in der Gegenwart kann der Dank seines Spiels mit dem Licht wieder fantastische Bilder erzeugen, die der gesamten Wohnung von Eloise einen sich immer wechselnden Charakter verleiht. Wie gewohnt spielt die Musik hier auch eine große Rolle und auch hier vermischt Wright diese wieder gewohnt hervorragend mit mit den Bildern des Filmes und stimmt diese darauf ab. Das erfordert eine Menge Planung und auch Feingefühl der Darsteller, die das ganze aber auch meisterlich schaffen.
Thomasin McKenzie trägt den Film gemeinsam mit Anya Taylor Joy auf ihren Schultern und sie macht ihre Aufgabe sehr gut, wenngleich Anya Taylor Joy hier den interessanteren Part hat. Auch sie ist so umwerfend in ihrer Rolle. Auch der übrige Cast ist perfekt besetzt mit Ikonen der 60er Jahre. Sei es Rita Tuschingham, als Eloise Großmutter, Terence Stamp oder Diana Rigg. Gerade Rigg darf sich mit diesem Film mehr als würdevoll verabschieden, da die Darstellerin leider 2020 verstarb. Aber sie ist für mich der heimliche Star des Films. Auch ein Matt Smith, der stets wie ein Gentleman wirkt, darf diesen auch verkörpern, nur um ihn dann auf grausame Weise zu demaskieren.
Inhaltlich werden die schweren Geschütze aufgefahren und so ist "Last Night In Soho" ein wichtiger Beitrag zum Thema #MeToo geworden. Der vorwiegend weibliche Cast erfährt hier zum Einen eine ganze Menge an unangenehmen Situationen. Sei es zu Beginn eine Taxifahrt, eine Szene zu Sandy Shaws "Puppet On A String" oder Anya Taylor Joys Sandy, die in einer unangenehmen Szene, sich den Männern immer wieder unter einem neuen Namen vorstellt. Die Szenen schockieren einen und dennoch können sich diese Frauen am Ende in der Welt behaupten und kämpfen sich hervor.
Zeitgleich finde ich es schön, dass Wright sich zwar vor den 60er verbeugt, aber es auch schafft den Publikum klar zu machen, dass der Spruch "Früher war alles besser" doch hinkt. Zwar gibt es in unserer modernen Gesellschaft auch eine ganze Reihe an Problemen, doch sind die der Vergangenheit nicht minder schlimm. Das glorifizieren der alten Zeiten wird hier aufgebrochen und klar gegen diese Stellung bezogen. In Nostalgie schwimmen mag schön sein, Disney und andere Studios tun seit Jahren nichts anderes, aber auch in der Nostalgie steckt eine dunkle Seite, die wir heute zu verdrängen versuchen und das ist sinngebend falsch. So wird kein Vorschritt erzielt und es wäre auch schön wenn man wieder mehr aus neuen Quellen schöpft, auch auf den Film bezogen, den auch heute kann dieser begeistern und überzeugen wenn er will. "Last Night In Soho" ist damit, trotz vieler Referenzen und dem Spiel mit der Nostalgie ein moderner und zeitgenößiger Film, den es mehr als nötig hat.
Kurz: Fantastische Darsteller, optischer Bombast und eine starke Message zum Thema #MeToo machen Edgar Wrights neuen Film "Last Night In Soho" zu einem der Highlights des Jahres!
Marcel-1981
Marcel-1981

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5,0
Veröffentlicht am 30. Dezember 2021
Was für ein Wahnsinns-Film!
Jemand der Kino-Nostalgie liebt,
jemand der einen langsam aufbauenden Film mag,
jemand der einen Mystery Film genau zwischen Mainstream und Arthouse mag,
- der muss diesen Film im Kino sehen. Er ist MAGIE. Dafür wurde das Kino erfunden!

Alle Free-Guys, Captain Marvels oder Leute, die lieber wegen des Popcorns als wegen der "Filmkunst" ins Kino gehen: Das ist dann eher weniger was für euch! Hier steckt pure Kinomagie drin!

Inhaltlich sollte man hier so wenig wie möglich erzählen! Wenn möglich auch den Trailer weglassen und sich einfach von den (alp)traumhaften Bildern und der faszinierenden Musik überraschen lassen.
BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

11.853 Follower 5.015 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 2. November 2021
Hier ist Unwissenheit ein Segen. Der erste Treailer hat soweit die Stimmung und ein paar wesentliche Motive korrekt eingefangen, aber wenig von der Story verraten und je weniger man weiß, desto besser. Es geht um eine junge Frau in der Gegenwart die sich in eine junge Frau aus den sechziger Jahren hereinträumt und erlebt was diese erlebte – hier kommen dann viele Fragezeichen über das auf was einst passierte, wer davon noch in der Gegenwart übrig ist und wo die Grenze zwischen Realität, Traum in Erinnerung verwíscht. Diese Ansätze vermischen sich zue iner Mixtur aus Horror, Mindfuck und Thriller mit verwirrenden, treffenden Wendungen und zwei Hauptdarstellerinnen in oscarreifer Bestform. Einer der besten Spannungsfilme des Jahres.

Fazit: Atmosphärisch dichter und stetig ansteigender Psychohorror!

Videoreview von mir: https://youtu.be/txDtLOt-Go0
Riecks-Filmkritiken
Riecks-Filmkritiken

34 Follower 212 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 31. Oktober 2021
Als zentraler Stadtteil der britischen Hauptstadt London, hat Soho einiges zu bieten und ist vor allem in den Abendstunden einen Besuch wert. Auch Edgar Wright ist von diesem Örtchen fasziniert und ist sich sicher, dass schon in seinem Lieblingsjahrzehnt, den 60ern, dieser Flecken Erde mehr beherbergte, als es von außen den Anschein machte. Mit seinem Händchen für eine gute Musikauswahl, welches er bereits mehrfach bewiesen hat, setzt er auch seinen neusten Film ins richtige Licht – sowohl metaphorisch als auch wörtlich, denn geprägt von erdrückenden und grellen Neonbildern im engen Kontrast zu düsteren und kaum einsehbaren Szenerien, erzählt uns Wright zwei parallele Geschichten, die zu einer verschmelzen.
Leider jedoch ist dies mehr Schein als Sein und Wright verläuft sich zu sehr in der atmosphärischen Gestaltung, während er die Handlung jedoch zunehmend vernachlässigt. Trotz des guten Aufbaus eines spannenden Höhepunktes, schafft er es nicht diesen auch in Gänze auszukosten und driftet von den mitreißenden Thriller-Elementen leider zunehmend in eine absurde Horroridee ab, die im Trailer deutlich besser wirkte als im finalen Film. Mit völlig unterforderten, wenn auch soliden, Schauspielenden wäre hier deutlich mehr machbar gewesen und so wird auch großer Vorfreude schließlich doch nur ein etwas besserer Krimi mit toller 60er Jahre Stimmung.

Die gesamte Kritik gibt es auf riecks-filmkritiken.de/last-night-in-soho
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