Shrek-lich guter Animationsfilm!
Wir schreiben das Jahr 2001: Disney, der Animationsgigant, hadert mit seinen Filmen. Die 90er ließen Disney zwar wieder zu neuem Leben erblühen, doch die 2000er liefen dagegen wieder eher mau. Besonders im Bereich 3D-Animation hing das Studio hinterher mit dem eher blassen Film „Dinosaurier“. Und so kam es, dass der neue Stern am Animationshimmel nun den Namen DreamWorks tragen würde. Das Studio hatte bereits mit „Der Prinz von Ägypten“ und „Der Weg nach El Dorado“ versucht sich mit Disney im 2D-Bereich zu messen. Doch es waren die 3D-Filme, die DreamWorks richtig gut konnte. „Antz“ und „Chicken Run“ waren wirklich unterhaltsame Werke, die vor allem auch das ältere Publikum ansprachen mit deutlich erwachsenerem Humor. Und das gipfelte schließlich in der Filmadaption des Kinderbuches „Shrek“ unter der Regie von Andrew Adamson („Die Chroniken von Narnia“) und Vicky Jenson. „Shrek“ wurde zu einem kleinen Phänomen. Nicht nur, dass der Film einschlug wie eine Bombe und seither quasi das Maskottchen von DreamWorks geworden ist, er wurde später zu einem der beliebtesten Meme-Filme und erreichte dadurch nochmal eine andere Stufe an Popularität. Und er erhielt (zurecht) einen Oscar als bester Animationsfilm. „Shrek“ zeigte uns nicht nur eine äußerst aussagekräftige Story, sondern auch brachialen Humor für Erwachsene, eingerahmt in einen knuffigen Animationsfilm. Das sprach die Leute an, denn der grüne Oger war so viel charmanter als alle Helden, die Disney im vergangenen Jahrzehnt geschaffen hatte. Er war ein mürrischer Einzelgänger ohne Manieren. Und je älter ich werde, desto mehr Verständnis habe ich mit Shrek. Doch wie gut hat sich der Film denn bis heute gehalten, fast ein Vierteljahrhundert später?
Zur Story: Der grüne und gefährliche Oger Shrek lebt glücklich und allein in seinem Sumpf, bis sich eines Tages ein Haufen skurriler Märchenfiguren in seinem Zuhause breit machen. Der Grund: Der unbarmherzige Lord Farquaad hat diese aus seinem Königreich vertrieben. Das kann Shrek nicht aus sich sitzen lassen und mit der Hilfe eines quasselnden Esels, den er auf seiner Reise trifft, stellt sich der Oger nicht nur Farquaad, sondern auch einer wunderschönen Prinzessin, namens Fiona…
Was “Shrek” so erfolgreich gemacht hat, ist wahrscheinlich die zynische Auseinandersetzung mit Disney und seinen bunten, kitschigen Märchenadaptionen. Nicht nur im rabiaten Umgang mit klassischen Figuren wie Schneewittchen, Pinocchio oder Robin Hood sondern vor allem in der fantastischen Message am Ende. Während Disney & der Rest der Welt ein Schönheitsideal nach dem anderen zelebriert haben, zeigt “Shrek” wie schön es ist… hässlich zu sein.
Und diese Balance zwischen ernsthafter, kraftvoller Aussage und grotesk, feingeschliffenem Humor, macht “Shrek” auch heute noch extrem unterhaltsam. Es ist der seltene Fall, in dem eine moderne Neuinterpretation eines Märchens wirklich großartig funktioniert hat. Denn hier gibt es (zur Zeit) moderne Popsongs und die Figuren nutzen umgangssprachliche Wörter wie “cool” oder “sexy”. Doch es funktioniert hier. Der Film zeigt gleich, dass er sich selbst nicht so ernst nimmt und nutzt die Idee einer Märchenwelt voll aus. So wird der Spiegel von Schneewittchen zu einem Fernseher, bei dem man verschiedene Programme schauen kann. Und der böse Drache ist eine einsame Dame, die nur etwas Liebe sucht. Und das Monster, Shrek, ist der charmante Antiheld, der dennoch so viel echter und bodenständiger ist, als die meisten anderen Protagonist*innen in solchen Filmen.
So gut das Ganze auch umgesetzt wurde, der Film leidet am Ende etwas unter den ganzen Anspielungen und den teils aufgesetzten Popsongs. “Shrek” ist ein Produkt seiner Zeit, das merkt man sehr stark und eigentlich hat mich das nie so sehr gestört. Doch aus heutiger Sicht sind manche Gags etwas veraltet, wie etwa die vielen Filmzitate wie “Matrix”.
Der Cast ist stark, aber ich muss sehr positiv die deutsche Synchronisation hervor heben. Besonders Randolf Kronberg als Esel ist ein absolutes Highlight und für mich so viel besser als das Original. Auch Sascha Hehn als Shrek ist sehr sympathisch und gibt dem mürrischen Oger einer schöne Ruhe. Und Rufus Beck als Farquaad hat diesen herrlich süffisant, bösen Ton.
Auch die Animationen sind für 2001 sehr solide und haben sich gut gehalten. Der Film wollte vor allem seinen eigenen Look haben und sich nicht an Disney orientieren. Die Menschen sehen zwar manchmal wie die unheimlichen Figuren aus “Der Polar Express” aus, aber das stört mich nicht, im Gegenteil: Es passt hier richtig gut, da die meisten menschlichen Charaktere eh unsympathische Idioten sind.
Neben den vielen Popsongs (besonders “All Star” von Smash Mouth wurde zum Mega-Hit) überzeugt aber auch der wundervolle Score von John Powell und Harry Gregson-Williams, die schon “Antz” und “Chicken Run” großartig vertonten.
Fazit: Auch wenn “Shrek” nicht perfekt gealtert ist und einige “Schönheitsfehler” hat, so besitzen der grüne Oger und sein Esel doch einen wohltuenden Charme, der mich an meine Kindheit erinnert. Außerdem vermittelt er eine nach wie vor wichtige Message und ist dabei unfassbar witzig. Nach wie vor ein Animationshit!