Neueste Kritiken: Der schlimmste Mensch der Welt - Seite 2
Der schlimmste Mensch der Welt
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Veröffentlicht am 3. Mai 2022
Wer wohl mit Der schlimmste Mensch der Welt gemeint sein mag? Ist es die Hauptfigur dieses Films, Julie, die während ihrer jungen und besten Jahre unter Langzeitbeobachtung steht durch den Regisseur, ihren Erschaffer, durch uns, die Voyeure? - Julie hat so einige Studiengänge abgebrochen, von jedem war sie überzeugt, hier liege nun ihre Berufung - doch es fand sich immer noch etwas Interessanteres. Inzwischen, sie ist bald 30, lebt sie in einer festen Beziehung mit dem Comicbuch-Autoren Aksel - gut aussehend, bodenständig, intellektuell, verlässlich, zehn Jahre älter als sie. Doch leider - Sie ahnen es! - droht in all dem Komfort auch - wie programmiert - eine zunehmende Entfremdung. Julie vereinsamt in gefühlter Bedeutungslosigkeit und entwickelt eine Sehnsucht nach Ausbruch aus dem vermeintlichen Idyll. In dieser Phase lernt sie auf einer Party den gleichaltrigen Elvind kennen; der ist unbedarft, witzig, offen - und die beiden beginnen einen leisen Flirt. Flirten wird ja wohl noch erlaubt sein!
Dieser ungewöhnlich präzise Film über eine moderne Frau unserer Zeit (es könnte beinah genau so gut ein Mann sein) ist nicht so sehr die Komödie, als die sie angekündigt wird. Vielmehr sind wir Zeugen einer leisen aber nicht minder brachialen Tragödie, die aus der fatalen Annahme erwächst, man habe im Leben endlos Möglichkeiten und unbegrenzt Zeit. Julie ist eine so unsichere wie charismatische Frau. Sie folgt in jeder ihrer Lebensentscheidungen der aktuellen psychischen Verfassung, weil sie es sich leisten kann - und wird sich selbst somit optimal gerecht. Dennoch oder gerade deshalb findet sie nie das, was sie so dringlich sucht. Ihr dabei zuzusehen, grenzt an bittersüße Quälerei.
Formal gelingt dem Regisseur ein meisterlicher Film in Sachen Schnitt, Kamera und Vertonung. Die Einteilung in einen Prolog, zwölf Kapitel und einen Epilog hat sicher mehrere Lesarten - eine für mich denkbare ist die Bewusstmachung der Zeit (zwölf Stunden, zwölf Monate...), welche der Hauptfigur unmerklich entrinnt. Eine unerwartet künstliche Umsetzung ihres Zeitempfindens ist höchst beeindruckend, soll hier aber nicht verraten werden.
Ein Lebensweg als zärtlich-leicht erzählter Alptraum, dabei in seiner diskreten Überhöhung erschreckend real. Diesen Film werden Sie so schnell nicht vergessen. Tipp!