Sprich mit ihr
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3,5
Veröffentlicht am 14. Juli 2026
„Sprich mit ihr“ ist irgendwie ein bisschen anders als die anderen Almodóvar-Filme, die ich bisher kenne. Es handelt sich um ein stilles, sauber arrangiertes und zugleich extrem verstörendes Drama über Einsamkeit und Besessenheit. Zum Ende hin verwandelt er sich dann noch in einen moralischen Alptraum, der einige Fragen aufwirft und mich bezüglich Almodóvars Umgang mit der Thematik sehr, sehr ambivalent zurücklässt.

Zunächst mal: Rein formal kann der Film durchaus überzeugen, der Regisseur findet teilweise geradezu betörende Bilder, zum Beispiel die Tanzszene zu Beginn ist wunderschön. Die Farben sind kräftig, das Bild klar, die Art und Weise, wie er seine Figuren in Stellung für das schaurige Finale bringt, ist meisterhaft. Die Atmosphäre ist ruhig, fast klaustrophobisch.

spoiler: Benigno ist ein Vergewaltiger. Und nicht nur das, er ist ein besonders verabscheuungswürdiger Vergewaltiger (wenn es da überhaupt eine Steigerung gibt), denn er nutzt seine Position aus, um eine wehrlose Frau zu vergewaltigen. Daran ändert weder die Tatsache etwas, dass Almodóvar ihn als sympathischen Typen inszeniert, noch dass die Tat mittels eines originellen Stummfilm-Einschubs verharmlost wird. Er will uns Benigno als eigentlich guten Menschen verkaufen, der seine „Liebe“ einfach nur ein kleines bisschen zu weit gedacht hat. Die betont ästhetische, ja fast schon poetische Verpackung kann doch kaum darüber hinwegtäuschen, dass Beningno ein schweres Verbrechen begeht. Durch seine Tat wird Alicia praktisch geheilt, also hat das Ganze doch etwas Gutes? Was will uns denn der Regisseur damit sagen? Es ist okay, jemanden zu vergewaltigen, wenn man ihn damit aus dem Koma zurückholen kann? Mir dreht sich der Magen um, wenn ich länger darüber nachdenke. Jetzt könnte man behaupten, das Alles sei bewusste Provokation, der Film soll uns zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Dafür ist mir die Inszenierung aber zu geschönt. Er lässt Benigno zu gut davonkommen, der Umgang ist zu unkritisch, die ganze Darstellung zu sauber, zu positiv, zu schön. Vielleicht bin ich da etwas zu eingeengt, weil mich die Tat an sich zu sehr anekelt, aber es fällt mir schwer, da Pedro Almodóvar gegenüber wohlwollend zu bleiben, seine Haltung zu dem Thema erscheint mir sehr fragwürdig.


FAZIT: Ein ruhiger, bedächtiger Film, der sich langsam entwickelt und in einem ethischen Dilemma mündet, das einige Fragen aufwirft, die hier nicht wirklich beantwortet werden. Insofern muss jeder für sich da sein Verhältnis zum Regisseur und seiner Art der Darstellung finden. Immerhin ist der Film fantastisch, teilweise geradezu poetisch schön inszeniert. Ich habe erhebliche Bauchschmerzen, möchte aber 7,5 Punkte geben.
Cursha
Cursha

7.501 Follower 1.067 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 16. Dezember 2023
An vielen Stellen ist "Sprich mit ihr" ein durchaus interessanter Film, der aber durch die unglaubwürdige Beziehung der beiden Hauptfiguren ausgebremst wird. Das Thema weißt zwar spannende Aspekte auf, aber die Freundschaft zwischen Benignio und Marco wirkt schlicht nicht natürlich. Besonders nach einem Wendepunkt gegen Ende, den aber aber schon ab einem gewissen Punkt kommen sieht, sind sämtliche Sympathien für Marco verflogen und im weiteren Sinne auch Benignio. Trotz guter Ansätze für mich durchaus eine Enttäuschung.
Kino:
Anonymer User
3,0
Veröffentlicht am 29. Juni 2018
"Sprich mit ihr" ist ein erdrückendes Drama. Eine Frau verunfallt, fällt ins Koma, und wird Dauerpatientin bei einem Krankenpfleger, der diese schon vor ihrem Unfall gestalkt hat, schließlich die im Koma liegende Frau vergewaltigt und dann noch von Heirat dieser Frau träumt, auch wenn diese nie aufwachen wird. Auf der anderen Seite eine verunfallte Stierkämpferin, und ein um sie bangender Freund. Das ist harter Tobak, aber wer die knapp zwei Stunden durchsteht, kann einen Regisseur bei einer interessanten psychologischen Studie betrachten. Insbesondere das Porträt des Pflegers, der sich seine brutale Obsession als selbstlose Liebe verkauft, sticht aus dem insgesamt außergewöhnlichen Figurenensemble heraus. Dennoch verliert der Film durch die zunehmende Kehrtwendung zum Krimi etwas von seiner Ambiguität. Auch ohne die schwere Kindheit der Pflegers Beninios, auch ohne Stalking, Vergewaltigung und geplanter Heirat einer Frau im Koma hätte ein spannendes Psychogramm entstehen können. Gleiches gilt eben auch für die Unfälle, die zwar lediglich als Grundlage der Handlung dienen, aber dennoch etwas an den Haaren herbeigezogen werden. Schließlich wirkt auch die Freundschaft zwischen dem selbstsicheren Freund der einen verunfallen Frau und dem aus den ersten Blick eigenartigen Beninio mehr als fragwürdig. Es scheint, als hätte Almodovar seinen Zuschauen nicht zugetraut, die Armseligkeit des Protagonisten auch ohne Krimi-Subplot selbst erkennen zu können und als wolle er durch filmreife Wendungen und Verwicklungen seine Geschichte aufbessern.
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 12. März 2010
"Hable con ella" ist mein absoluter lieblingsfilm von almodovar und zählt seit vielen jahren für mich zu den besten filmen die ich je gesehen habe. es ist weniger die story die diesen film so einmalig macht, sondern das ganze drum herum. dieser film bildet mit seinen verschiedenen drehorten,interessanten charakteren,emotionalen berg und talfahrten,den kameraeinstellungen,der bezaubernden musik und den melancholischen momenten ein kunstwerk. geschaffen von einem der besten regisseure aller zeiten. ( meiner meinung nach gehört pedro almodovar zur talentiertesten noch lebenden regisseur riege auf der welt )

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