Komisches Cover... Die Kirche, die da zu sehen ist, passt zwar thematisch, taucht aber im ganzen Film weder konkret noch metaphorisch auf... Und der Text darunter müsste doch korrekt "The road to hell starts at home" heissen und nicht "The road the hell..." Auch die Bedeutung des Titels "We Still Say Grace" erschließt sich mir nicht unbedingt...
Wie auch immer, der Film ist indes ziemlich cool und wirklich beängstigend. Dabei sind es immer wieder die Bilder, die beeindrucken. Wenn in dem lichtdurchfluteten Raum die Stühle der Familie links und der Stuhl für den Gast rechts stehen, das Licht gleichsam als Trennwand zwischen den beiden Parteien, dann ist das einfach großartig inszeniert. Ich interpretiere das jedoch nicht als "Erleuchtung" (denn diese fehlt dem Vater hier wahrlich!), sondern vielmehr als Verblendung im wahrsten Sinne des Wortes. Das Licht fällt so blendend durchs Fenster, dass man erstens gar nicht sieht, was draußen hinter dem Fenster ist und dass auch die Figuren in dem Zimmer gleichsam überstrahlt werden. Insofern ist dieses Blenden nicht nur ganz konkretistisch zu verstehen, sondern auch metaphorisch im Sinne, ja, der Verblendung, der die Familienmitglieder unterliegen.
Das Grauen schreitet nun auch sehr langsam und zaghaft voran. Wobei eigentlich von Beginn an klar ist, dass hier irgendwas faul ist und der Alte einfach ein Psychopath ist. Wie die jüngere Tochter zunehmend in der Lage ist, hinter die "blendende" Fassade zu sehen, ist nicht nur stark geschauspielert sondern auch durchaus spannend ausgearbeitet. Man muss sich jedoch auch darauf einlassen können, nicht jedem wird das schleichende Erzähltempo gefallen. Auch ist die Storyline sicher nicht frei von jeglichen Logiklöchern, aber das fällt nicht so sehr ins Gewicht, da die Gesichte an sich einen ziemlich starken Sog entwickelt und auf ein wirklich, wirklich sehr dramatisches Finale zusteuert.
Die deutsche Synchronstimme des Vaters fand ich ziemlich unpassend und irgendwie zu jung für den alten Knacker, am Ende hat sie mich sogar genervt...
FAZIT: Beängstigender Religionswahn-Psychothriller mit einem starken Kammerspielensemble, der zwar sehr schleichend, dafür aber auch sehr intensiv daherkommt. Wer sich auf das Thema einlassen kann und mit dem bedächtigen Erzähltempo zurechtkommt, kann einen wahrlich schaurigen Film genießen!