Schwächelnder Beginn für Rowling´s berühmten Zauberer
Es sind schon viele Jahre seit der ersten filmischen Umsetzung von „Harry Potter“ vergangen… 2001 stürmte „Der Stein der Weisen“ die Filmwelt und schuf ein neues Universum, welches zwar in den Büchern schon existierte, aber mit den Filmen nochmal eine andere Form annahm. Der Ruhm von Harry & Co ist heute unbegreiflich gewaltig: Acht Filme plus ein Spin Off („Phantastische Tierwesen“), was noch einige weitere Filme umfassen soll, ein Vergnügungspark und vom Merchandising wollen wir gar nicht erst anfangen. Doch wie schlagen sich die Filme, nach all der Zeit? Ich persönlich fand den aller ersten Film wirklich großartig, aber auch nur, weil ich damals elf Jahre alt war und selbst gerne nach Hogwarts gegangen wäre (und auch jetzt noch!). Doch mit den Jahren hat der Film für mich leider einiges von seinem Glanz verloren, auch wenn es immer noch Spaß macht zu Harry´s Wurzeln zurück zu kehren.
Alles beginnt mit der Ermordung von Harrys Eltern durch den bösen Lord Voldemort. Harry, der noch ein kleines Baby ist, wird zu seinen Pateneltern gegeben und wächst dort 11 Jahre auf, bevor er von der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei einen Brief bekommt, dass er ein Magier werden kann, weil auch seine Eltern Hexer waren. So beginnt das Abenteuer um Harry, seinen Freunden Ron und Hermine, Hogwarts und einer Welt voller Zauber und Magie...
Regisseur des ersten Films war Chris Columbus, der besonders für „Kevin - Allein zu Haus“ bekannt geworden ist. Er hatte definitiv eine große Hürde zu bewältigen: Die Einführung in Hogwarts und Harry Potter ist sehr schwierig. Im Buch funktioniert es sicherlich super, aber im Film… Schwierig! Das größte Problem ist das Drehbuch und besonders die sterile Abarbeitung der einzelnen bekannten Momente aus dem Buch. Da merkt man leider, dass es wenig Fluss gibt, sondern nur Punkte auf einer Liste abgehakt werden. Andere Probleme stammen aber schon von der Vorlage, wie etwa das (in meinen Augen) schwache Finale mit dem Stein der Weisen…
Doch ich will natürlich nicht nur meckern, denn „Der Stein der Weisen“ hat viel zu bieten!
Zuerst mal der Cast, der (größtenteils) großartig ist. Alan Rickman als Snape (hier noch mit einer leider unpassenden Synchronstimme) ist perfekt besetzt, Richard Harris passt ebenfalls gut in die Rolle des Dumbledore, Maggie Smith als McGonagall und Robbie Coltrane als Hagrid sind ideal und auch die Kinderrollen sind gut ausgesucht, besonders Emma Watson als Hermine Granger.
Daniel Radcliffe als Harry hat natürlich die größte Herausforderung von allen und ich finde ihn mittlerweile wirklich toll als Schauspieler („Swiss Army Man“ sei hier als Paradebeispiel genannt!), doch leider ist er hier in seiner ersten Schauspielrolle wirklich schwach. Er ist ganz süß als kleiner Harry, aber das wars auch schon… Kaum Charme und wenig Natürlichkeit, hinzu kommen die schlechten Dialoge für die Kinder, die hier wie eindimensionale Erwachsene reden. Das ist besonders im eben angesprochenen Finale oftmals nur schwer ernst zu nehmen.
Dafür ist der Film aber optisch sehr gut. Die CGI-Effekte sehen zwar sehr künstlich mittlerweile aus, aber es wurden auch noch viele altmodische Tricktechniken benutzt, wie etwa echte Tiere, die dressiert und nicht einfach komplett am Computer erstellt wurden oder große Sets, die auch im Hintergrund noch echt waren und nicht aus Green Screens bestanden.
Vor allem ist es aber das Design der Zauberwelt, die wirklich klasse ist. Die Winkelgasse, die Zauberstäbe und gerade Hogwarts sehen toll aus auf der großen Leinwand, auch heute noch.
Der Film ist ebenfalls ganz witzig (auch wenn es hier und da etwas viel Slapstik-Humor gibt) und manchmal echt gruselig, kann aber auch zu Herzen gehen (wenn man eins hat ;)).
Und wenn ich das Highlight des Films nennen müsste, dann wäre es ganz klar John Williams´ Soundtrack: Eine beachtliche Komposition, die nicht nur eins der legendärsten Musikthemen des 21. Jahrhundert geprägt hat, sondern auch viele Gänsehautmomente garantiert!
Zu der Extended Version: Die kleinen aber feinen, neuen Szenen sind schön anzusehen, notwendig sind sie aber nicht. Trotzdem eine nette Dreingabe für Fans.
Fazit: „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist ein guter filmischer Einstieg, den ich besonders wegen seinem nostalgischen Zauber schätze, jedoch kann ich auch nicht die ganzen Schwächen übersehen, wie das Drehbuch, die Dialoge und Daniel Radcliffe, der hier noch etwas überfordert mit der Rolle schien. Dafür überzeugen aber eine tolle Optik, eine schöne Umsetzung der Zauberwelt und ein fantastischer Soundtrack. Kinder haben hier sicherlich ihren Spaß, denn es ist in meinen Augen auch hauptsächlich ein Kinderfilm, doch auch Erwachsene und Jugendliche werden hier bestimmt viel Spaß haben an Harry und seinen Abenteuern.