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Sebastian Schlicht7
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3,5
Veröffentlicht am 25. Juli 2025
Schwache Story, aber toller Humor!
Wir schreiben das Jahr 2000: Disneys Musical-Renaissance in den 90ern war vorbei und langsam, aber sicher wollte der Zeichentrick-Gigant weg von den Songs. Das konnte man schon bei „Tarzan“ (1999) gut beobachten: Hier wurden die obligatorischen Lieder von Phil Collins nur im Hintergrund gesungen, während die Figuren im Film selbst nicht mehr wirklich an der Musik teilnahmen. Stattdessen wollte Disney mal etwas anderes ausprobieren und versuchte sich nun an Slapstick. Für den neuen großen Disney-Film, „Ein Königreich für ein Lama“, wurde Regisseur Mark Dindal herangezogen. Er hatte zuvor bei Disney als Animateur gearbeitet und drehte 1997 seinen ersten Film, „Danny der Kater“. Ein Flop, jedoch nicht unter Disneys Flagge. Sein neuester Film war hingegen deutlich erfolgreicher an den Kinokassen, vergleicht man das Ergebnis aber mit anderen Disney-Werken, war „Lama“ der schwächste Erfolg seit den 80ern. Autsch! Es war der erste eindeutige Hinweis darauf, dass Disney in einer Krise steckte. Doch abseits dessen? Wie hat sich der Film nach einem Vierteljahrhundert gehalten? Schauen wir uns erst einmal die Story an...
Der Inkakönig Kuzco ist der wohl größte Egoist im ganzen Land. Und genau das bringt ihm natürlich viele Feinde. Eine davon ist seine Beraterin, die er kürzlich gefeuert hat. Doch sie will sich rächen und den Thron für sich. Also vergiftet sie Kuzco, was jedoch schief geht: Denn statt ihn zu töten, verwandelt das Gebräu den selbstverliebten Monarchen in ein Lama…
Die Story ist für Disney-Verhältnisse alles andere als neu oder progressiv. Zwei unterschiedliche Typen, die zusammen arbeiten müssen, um das Abenteuer zu bestehen? Kennt man zu Genüge. Allein Pixar hatte eine ähnliche Dynamik bereits in „Toy Story“ umgesetzt, und das deutlich kraftvoller. „Ein Königreich für ein Lama“ geht das Ganze sehr seicht an. Klar, bekannte Klischees werden immer wieder gebrochen, andere hingegen voll ausgebreitet… Die Story ist dadurch eher ein nettes Beiwerk. Eine wirkliche Message wird hier nicht vermittelt, stattdessen liegt der Fokus auf dem Slapstick.
Der Humor ist die größte Stärke im Film: Das Timing und die Gags sind wunderbar und herrlich überzogen. Der Witz unterscheidet sich zudem stark von vorherigen Disney-Werken, da es deutlich verrückter und teils absurder zugeht. Die vierte Wand wird immer wieder gebrochen und besonders die Figur von Kuzco reißt ständig One-Liner und redet typisch modern für diese Art Film. Nicht jeder Gag ist ein Brüller, manche sogar etwas anstrengend, aber besonders die Dynamik von Yzma und Kronk (die beiden Antagonist*innen) ist ein Fest. Die beiden sind das Highlight des Films und hätten eine eigene Geschichte verdient (die es zumindest für Kronk in der Fortsetzung gab).
Die Animationen sind klasse umgesetzt: Expressiv, mit viel Liebe und Charme. Die Musik von John Debney überzeugt ebenfalls. Und wie gesagt: Dies hier ist kein Musical mehr. Klar, es gibt zu Beginn und am Ende einen poppigen Song, aber ansonsten findet sich kein Musical-Lied. Ist lange her, dass ein Disney-Zeichentrickfilm ohne Songs auskam, aber auch das gefällt mir, denn nicht jeder Zeichentrickfilm braucht Lieder.
Die Synchronisation ist zudem sehr stark. Ich habe den Film zuerst auf Englisch gesehen und war hin und weg von den Stimmen. David Spade als Kuzco ist unglaublich lustig, wie ich finde, John Goodman überzeugt ebenfalls und besonders Eartha Kitt und ganz besonders Patrick Warburton als Kronk sind die witzigsten Disney-Bösewichte seit langer Zeit! Aber auch auf Deutsch unterhält der Streifen, mit Michael Bully Herbig als Kuzco, der eine wirklich gute Arbeit macht und ideal für die Rolle ist.
Fazit: „Ein Königreich für ein Lama“ ist für Disney-Verhältnisse eher ernüchternd und überraschend simpel. Der Film will aber auch kein großes, episches Spektakel sein, sondern eine witzige und kurzweilige Story über einen selbstverliebten König erzählen, der den Wert der Freundschaft lernt. Dabei überzeugt das Animationswerk vor allem durch seine humorvollen Momente, besonders mit seinem liebenswerten Bösewicht-Duo!
Auch Disney will mal Spaß – klingt natürlich etwas komisch, alle Disneyzeichtrickfilme (vielleicht mit Ausnahme von „Atlantis“) waren vor allem witzige Filme, aber meistens doch in eine ernsthafte Story gekleidet (wie etwa „König der Löwen“). „Ein Königreich für ein Lama“ war wohl auch ursprünglich als ein typischer Disneyfilm gedacht – wurde letztlich jedoch zu einer einzigen Blödelrevue bei der man sich halb ins Koma lacht. Echt ehrlich, es ist als habe man sich vorgenommen mal einen Zeichentrickfilm im Stile der „Nackten Kanone“ zu machen – und es funktioniert. Insbesondere Kronk, die vermutlich dämlichste je gezeichnete Figur sorgt für Lacher, aber auch ansonsten sind mehr Gags und Witze in den Film eingebaut als dass man sie zählen kann. In der deutschen Fassung kommt noch dazu dass Michael „Bully“ Herbig die Hauptrolle spricht.Fazit: Disney hats drauf: die lustigste Zeichentrickcomedy überhaupt die einen an den Rande des Wahnsinns treibt!