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Rectory19newbury66
4 Kritiken
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3,0
Veröffentlicht am 5. Januar 2025
Ein konsequent durchstrukturiertes Dreiecksverhältnis, das man in gefühlten tausend Versionen kennt: Ehefrau Sarah (Julianne Moore, offenherzig wie nie) flüchtet aus der langweiligen Ehe mit Henry (Stephen Rea) in die Arme von Maurice (Ralph Fiennes). Wie Regisseur Neil Jordan die Geschichte zerlegt, mit Wiederholungen aufbereitet, die andere Blickwinkel eröffnen, macht das Ganze dann doch wieder irgendwie interessant. In gedeckten grün-braunen Farbtönen gehalten, gelingt eine dichte, verregnete Atmosphäre. Durch die Schnitttechnik fragt man sich: beauftragt der Ehemann den Liebhaber, seine Frau zu beschatten oder ist es der Liebhaber, der einen Dritten verdächtigt? Vertritt der Liebhaber den Ehemann lediglich und beauftragt den Privatdetektiv Parkis (Ian Hart) Sarah zu beobachten? Ein Highlight erhöht den Unterhaltungswert: da sich das Pärchen nur bei Luftangriffen (2. Weltkrieg) zu einem Stelldichein treffen kann, wenn alle anderen im Luftschutzkeller sind, erwischt sie eine Bombe. Gut geschnitten darf das mehrfach wiederholt werden. Und es ruft bei allen drei Beteiligten unterschiedliche Reaktionen hervor. Nach Sarahs erstem Hustenanfall ahnt man eine tödliche Krankheit. Dass beide Männer den Pflegedienst gemeinsam erledigen, gehört eventuell noch zum Konstrukt, aber als Neil Jordon am Ende noch einen Lourdes-Effekt beim Sohn des Schnüfflers nachreicht, geht’s ins Groteske. Oder man folgt dem ungläubigen Graham Greene und versteht die Geschichte als ‘Tagebuch des Hasses‘ und der gilt Gott.
Einfach einen schönen Liebesfilm sehen. Keine Haken und Ösen, sich einfach nur den schönen Bildern und der Handlung anvertrauen - hier geht geht das. Wundbare Schauspieler und eine ebenso schöne Inszenierung sorgen für wohlige 100 Minuten richtiges ... KINO!
Zu loben ist nicht nur die Treffsicherheit bei der optischen Einbettung, sondern vor allem die Schauspielerischen Leistungen insbesondere die von Julianne Moore. So variiert der Film eindrucksvoll einen häufig gesehenen Konflikt mit Fokus aus Eifersucht sowie der Entfremdung eigener Gefühle und erzählt seine komplexe Story mit angemessen raffinierter, zugleich absolut organischer und schwebender Verschachtelung sowie selten auf diese effektvolle Weise gesehene Perspektivwechsel. Leider ist es bei allem theoretisch narrativem Können in meinen Augen so, dass nicht nur der Liebe von Sarah und Maurice zu wenig Zeit eingeräumt wird (sie haben wenig gemeinsame Leinwandzeit und auch die Sexszenen wirken ziemlich albern und steril): im gesamten Film sorgt das ständige Hetzen zwischen den Handlungssträngen für eine erhöhte Figurendistanz, wobei die oft religiösen Motive der Figuren nur schwer zu verstehen sind. spoiler: Warum Sarah etwa die Affäre nach einem Versprechen ohne jedes weitere Wort abbricht. spoiler: Außerdem beinhaltet der Film einige Wendungen, bei denen nicht nur Wahrscheinlichkeit, sondern in erster Linie die Notwendigkeit für die Handlung äußerst fragwürdig ist, sodass man sich fragen muss, ob hier nicht versucht wurde, Dramatik mittels vieler Konflikte zusammenzuschustern. Im Gesamten erdrückt diese wechselnde filmische Qualität die Anteilnahme an den Figuren stark, wenngleich sie doch vorhanden, wenngleich ihr Konflikt unweigerlich die meisten zu Tränen rühren wird.