Charmante Figuren und viele Klischees...
Bevor DreamWorks Animation Disney die Stirn bot mit 3D-Animationsfilmen wie „Shrek“ oder „Drachenzähmen leicht gemacht“, versuchte sich das junge Studio an klassischen Zeichentrickfilmen. Die Disney-Renaissance in den 90ern hatte die Animationskunst wieder zum Erfolg gebracht, nicht zuletzt durch die Rückkehr großer Musicals. Und genau das versuchte DreamWorks ebenfalls mit „Der Prinz von Ägypten“ und im Jahre 2000 schließlich mit „Der Weg nach El Dorado“. Doch DreamWorks war bereits spät dran, denn Disney selbst hatte sich 1999 mit „Tarzan“ langsam von der klassischen Musical-Formel verabschiedet. Die Songs wurden eher im Hintergrund von großen Künstlern gesungen, wie Phil Collins. „Der Weg nach El Dorado“ wollte das Konzept offenbar kopieren und angelte sich das Musiker-Duo Elton John und Tim Rice, die bereits für „Der König der Löwen“ gearbeitet hatten. Und als wäre das nicht genug, holte sich das Studio für den Zeichentrickfilm die Screenwriter Ted Elliott und Terry Rossio. Beide hatten für Disney sieben Jahre zuvor „Aladdin“ geschrieben und kehrten zwei Jahre nach „El Dorado“ zu Disney zurück mit „Der Schatzplanet“. Ein ewiges Hin und Her, doch schauen wir uns das fertige Ergebnis an und prüfen, wie gut sich der Film gehalten hat.
Die Story spielt 1519 in Spanien, als die beiden Straßenkünstler und professionellen Diebe Miguel und Tulio versehentlich mit dem Schiff um die halbe Welt segeln und auf einer mysteriösen Insel landen. Dort finden sie die fantastische und sagenumwobene Stadt El Dorado. Auf der Suche nach Reichtum glauben sie hier die fette Beute machen zu können. Und der Plan scheint aufzugehen, denn die Ureinwohner halten die beiden für Götter…
Der Film ist mittlerweile ein Vierteljahrhundert alt und sieht immer noch toll aus. Die Magie von Zeichentrickfilmen wird auch noch in 50 Jahren nicht vergehen. Die Animationen sind knallig bunt und erinnern stark an den großen Konkurrenten mit den Mausohren. Visuell beeindruckend ist das Ganze dennoch. Die Musik von Elton John und Tim Rice hingegen lässt etwas zu wünschen übrig. Ich bin zwar ein großer John-Fan, doch nach dem ersten Schauen bleiben mir die Songs nicht wirklich im Kopf. Der Score von Hans Zimmer und John Powell jedoch hat mir sehr gefallen.
Die Story hingegen hat ihre Stärken und Schwächen. Die typischen Klischees dieser Filme sind auch hier voll ausgeprägt. Das klassische Missverständnis, die übersexualisierte Frauennebenrolle, welche nur als Objekt der Begierde dienen soll, der blasse Antagonist… Man kennt diese Tropes und sie waren auch schon 2000 ausgelutscht. Dennoch gibt es einige humorvolle Momente, was an den teils sehr witzigen Dialogen liegt. Auch die Figuren sind eigentlich sehr charmant, vor allem Tulio und Miguel. Die beiden haben eine schöne, natürliche Dynamik, die Spaß macht. Und das Ende des Films mochte ich ebenfalls. Ich hatte ein sehr kitschiges Finale erwartet, aber der Film konnte mich mit einem recht cleveren und teils bittersüßen Ende überraschen. So etwas gab es bei den Disney-Filmen zu der Zeit nicht. Generell ist „El Dorado“ etwas reifer in seinem Storytelling. Hier gibt es auch mal ein paar unerwartete Tode und einige Witze, die doch eher für Erwachsene gedacht sind. Genau diese Seite machte DreamWorks mit „Shrek“ ein Jahr später so populär und erfolgreich.
Fazit: Ist „Der Weg nach El Dorado“ nun gut gealtert oder nicht? Ja und nein. Optisch sieht der Zeichentrickfilm gut aus und kann mit liebenswerten Figuren aufwarten. Die Story hingegen hat ihre Durchhänger und kann nur wenig Originalität bieten. Man merkt den Einfluss von Disney schon stark! Kurzweilig und stellenweise unterhaltsam ist das Ganze dann aber auch manchmal. Solider Durchschnitt für dieses frühe DreamWorks-Zeichentrickwerk.