Mit der Faust in die Welt schlagen
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Fabian A.
Fabian A.

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3,0
Veröffentlicht am 2. Mai 2025
Immer wieder wird im Westen Deutschlands gefragt: Was läuft eigentlich im Osten schief ? Was ist dort los?

„Mit der Faust in die Welt schlagen“ versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen, wobei besonders die erste Hälfte des Filmes Antworten auf die vorherig erwähnten Fragen liefert. Im Rahmen eines Familiendramas, zeigt der Film auf mit welchen Problemen die Menschen im Osten konfrontiert sind und was für Folgen diese Probleme haben. Die Darstellung ist eher subtil als offensichtlich, und so schaut man als Zuschauer aufmerksam zu und setzt letztlich aus Details in Dialog und Szenenbild ein Puzzle zusammen, welches das gesamte Bild und die kritische Lage wiederspiegelt. Spannend, packend und lehrreich zugleich.

Als der Film die Darstellung der Welt abgeschlossen hat, war es das mit der Subtilität, und von dort aus zieht sich der Film teils stark in die Länge und schafft es nicht an das erzählerische Niveau der ersten Hälfte anzuknüpfen. Wo die erste Hälfte von den Umständen im Osten geprägt gewesen ist, handelt die zweite Hälfte von der Gefahr des aufstrebenden, rechten Nationalismus. Das Familiendrama stagniert in seiner packenden Wirkung und der Fokus wechselt auf Kosten der Spannung im Film. Immer noch lehrreich, aber nicht so packend wie das Familiendrama was in der ersten Hälfte des Filmes im Mittelpunkt stand. Das Ende hat den Anspruch aufgrund seiner Symbolik Wirkung zu zeigen, aber weil die letzten 45 Minuten erzählerisch kraftlos sind, verfehlt es dieses Ziel.
beco
beco

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3,5
Veröffentlicht am 12. April 2025
Ein Film, der den Zuschauer tief in die ostdeutsche Gesellschaft führt, der nichts erklärt, aber vieles zeigt und noch mehr andeutet. Die Probleme sind zwar allgegenwärtig, aber sie werden unter der Oberfläche gehalten, nicht offen angegangen. Warum stürzt Uwe ab, warum verliert Stephan seinen Job, warum geht Philipp weg und lässt seinen Bruder zurück?
Insgesamt dominiert das Gefühl einer starken Ohnmacht, Gewalt bricht sich Bahn, aber auch die kommt nicht offen, sondern schleichend aus dem Dunkeln.
Viel Hoffnung macht der Film nicht, ist aber trotzdem sehr sehenswert, besonders durch die realistische Darstellung der handelnden Figuren.
Rob T.
Rob T.

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4,0
Veröffentlicht am 8. April 2025
Diese Frage steht immer wieder im Raum: Was ist nur mit Ostdeutschland los? Was ist mit den Ostdeutschen los? Woran liegt es, dass sie sich so vielen Parteien oder Organisationen anschließen, die die Demokratie in Frage stellen könnten. Welche Rolle spielen Werte? Normen? Bildung? Empathie?
Wer diesen Film sieht, wird nicht alle Antworten darauf finden – aber man bekommt einen Einblick in eine Welt, die ins Rutschen gerät, aus den verschiedensten Gründen.
Deshalb zieht dieser Film einen in den Bann, auch wenn er quasi durchgehend bedrückend und niederschmetternd ist: „Mit der Faust in die Welt schlagen“.

2006 in einem kleinen Ort in der sächsischen Lausitz. Sie liegt fernab der großen Städte, es herrscht Trostlosigkeit, auch ein Stückweit Hoffnungslosigkeit.
Hier leben die Brüder Tobias (Camille Moltzen) und Philipp (Anton Franke). ihr Vater Stefan (Christian Näthe) ist dabei, ein Haus für die Familie zu bauen. Er baut seit fünf Jahren daran, ab und zu bekommt er Hilfe von einem Freund. Die Mutter Sabine (Anja Schneider) ist schwer genervt, weil ihr Mann einfach nicht vorankommt und ständig wieder etwas nicht funktioniert. Und das Auto ist auch kaputt.
Stefan verliert seinen Job, er beginnt zu trinken und scheint eine Affäre mit der Nachbarin zu haben. Sabine ist Krankenschwester, sie rackert sich ab, ist übermüdet.
Die Schule läuft für Philipp und Tobi mehr schlecht als recht. Sie fühlen sich verloren, weil, weil keiner mit ihnen spricht, was Sache ist. Philipp blüht erst auf, als er sich eine Gruppe Jugendlicher im Dorf anschließt. Dass Ausländer hassen und dann auch angreifen – er registriert das, macht auch mit.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Lukas Rietzschel – und was nur selten vorkommt, trifft hier zu: Der Film ist um viele Längen besser als das Buch.
Wir sehen zu, am Beispiel dieses Ortes und der Familie, wie eine Gesellschaft abdriftet. Es ist beklemmend zu sehen, dass hier alle nebeneinander leben. Keiner redet mit jemandem. Keiner teilt seine Sorgen und Ängste, keiner führt tiefgründige Gespräche. Sie alle haben sich nichts zu sagen.
Die Eltern sprechen nicht – und wenn Sabine doch mal ein Problem zur Sprache bringen will, flüchtet Stefan regelrecht. Stefan schweigt, wenn es darum geht, über Probleme zu sprechen. Stellt Tobias eine Frage, wird sie übergangen, nicht beantwortet. Als der Opa stirbt – die Eltern können mit ihren Kindern nicht darüber reden.
Und auch in der Schule: Es wird unterrichtet, mitunter mit albernen Kleinkinder-Methoden. Als auf dem Schulhof ein Stein mit einem Hakenkreuz versehen wird, kommt der Hausmeister, um es zu verdecken. Als Philipp ihn fragt, was so schlimm sei, erklärt der Mann es ihm nicht, sondern er schickt ihn weg.
Die Kinder bekommen keine Werte mehr übermittelt, kein Bewusstsein dafür, wo Grenzen liegen, keine Moral. Sie haben kein Vorbild, sie erleben keine Gemeinschaft.
Als Philipp sich den nazistischen Jugendlichen anschließt, geht es ihm vor allem darum, Anschluss zu haben, Freunde zu haben. Auch wenn es gar keine wirklichen Freunde sind. Dass sie Ausländerhasser sind, Naziparolen grölen und Anschläge verüben – Philipp nimmt es hin.
Wir sehen, wie und warum ein Teil der Gesellschaft abdriftet. Sie haben keine Perspektive, die Politik hat versagt. Und in der Situation haben sie keine Kraft mehr, der nächsten Generationen irgendwas mitzugeben. Werte gehen verloren, und die Jugendlichen suchen sich ihre eigenen – die von gestern. Gedankengut wird eingepflanzt, weil ja auch niemand mehr da ist, der gegen dieses Gedankengut angeht.
Deshalb ist der Zeitsprung am Ende spannend und folgerichtig – im Jahr 2015 sehen wir, was neun Jahre später passiert. An einem Punkt ist das überraschend, am Ende aber sehen wir das Ergebnis dessen, wovon der Film zu einem Großteil erzählt hat.
Dass gerade im Osten so viele Leute rechtsextrem wählen, hat Gründe – und die liegen eben nicht nur im Jetzt, sondern auch in dem, was in den vergangenen 20-30 Jahren geschehen ist. Ein schleichender Prozess.
Das wirklich bedrückende an diesem Film ist die Erkenntnis, dass in bestimmten Regionen die demokratische Gesellschaft an ihre Grenzen kommt – und dass Kipppunkte vielleicht schon längst hinter uns liegen.
Wir aus Berlin
Wir aus Berlin

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5,0
Veröffentlicht am 5. April 2025
Uns hat der Film seht gut gefallen und wir können den Film guten Gewissens weiterempfehlen. Im übrigen ist auch das Buch lesenswert.
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