Das ideale Stadtviertel- das scheint der Hauptspielort dieses Filmes zu sein. Die Wohnsiedlung nahe Tokyo ist aufgeräumt, sauber und friedlich. Die drei weiblichen Hauptfiguren bewegen sich alle einen Tag lang durch diesen Ort voller Grünanlagen. Das Wetter ist frühlingshaft, die Sonne scheint und es weht ein frischer Wind. Alles sieht aus wie gerade erst gekauft oder frisch gewaschen, egal ob es sich um die Haustüren oder die Kleidung der Menschen handelt. Niemand scheint von den eigenen Aktivitäten überanstrengt oder gestresst zu sein. In diesem zweistündigen Film passiert herzlich wenig, trotzdem ist es eine angenehme und spannende Kinoerfahrung.
Dass diese äußerliche Perfektion nicht aufdringlich oder verstörend wirkt, liegt vor allem an den Unsicherheiten der drei Frauen. Sie sind alle, auf eine liebevolle Art, sehr ungelenk. Besonders die älteste der drei Frauen, Chizu, bewegt sich durch diese Welt, als sei es ihr erster Tag als Mensch. Sie strahlt eine ungewöhnliche Verwunderung und Naivität aus, ohne dabei kindlich zu wirken. Während die beiden anderen Frauen arbeiten oder ins Museum gehen, läuft sie mit ihrer kleinen braunen Tasche die Wege und Treppen der Gegend ab. Was sie sich von ihrem Ziel erhofft, erfährt man nicht. Als sie auf ihrem Weg die jüngste der Hauptfiguren beim Tanzen im Park sieht, fängt sie intuitiv an, ihre Bewegungen nachzuahmen. Es ist, wie vieles an diesem Film, seltsam, aber sympathisch.
Die mittlere der dreien, Sanae, arbeitet für den Gaslieferanten der Siedlung. Mit ihrem Handy scannt sie die Zähler in den Hausfluren ab und druckt die Rechnungen mit einer kleinen Maschine aus, die wie eine Handtasche aussieht. Während sie arbeitet, bekommt sie von einer älteren Bewohnerin eine Tüte Mandarinen geschenkt, welche sie von nun an mit sich trägt. Von dieser Bewohnerin erfährt sie außerdem, dass ein über neunzigjähriger Nachbar am frühen Morgen verschwunden ist.
Als diese Information später nochmal über Lautsprecher an alle vermittelt wird, sieht Sanae den Vermissten plötzlich. Er ist gut zu Fuß, aber offenbar dement und wähnt sein Zuhause an einem Ort, an dem er längst nicht mehr lebt. Er läuft in die falsche Richtung los und da Sanae ihn nicht aufhalten kann, folgt sie ihm nur. Es ist klar, dass sie helfen will, aber ratlos ist. Es ist diese Ungeschicktheit, welche die Charaktere so nahbar macht. Sie haben gute Intentionen, aber finden leider nicht den passenden Weg, um diese auch umzusetzen.
Der Film spielt in Szenen wie dieser immer wieder mit einem zarten Humor. Die drei Frauen folgen ihrer eigenen Intuition, auch wenn sie dabei anderen als wunderlich erscheinen mögen. Der Humor ergibt sich dabei nicht aus den gesagten Worten, sondern aus wiederholten Bewegungen. Sie tanzen im Park, entwickeln ihren eigenen Rhythmus an einer Soundstation im Museum oder laufen unermüdlich durch die Gegend bis es dunkel wird. Es ist kein Humor, bei dem man laut lacht, sondern sich lächelnd an den cleveren Einfällen der Regisseurin Yui Kiyohara erfreut. Die Schauspielerinnen verkörpern ihre Charaktere dabei so leichtfüßig und authentisch, dass man glatt vergessen könnte, dass es sich um einen Spielfilm handelt.
Die Hintergrundgeschichte der jüngsten Figur, Natsu, ist das einzige, was nicht wirklich in diesen Film passen will. Für sie ist es der erste Todestag von einem verstorbenen Freund. Sie besucht dessen Mutter, lässt seine Fotos entwickeln und kauft in Erinnerung an ihn Feuerwerk. Der Film kann diese Schwere nicht ausreichend auffangen. Das Thema Trauer bleibt dadurch merkwürdig schablonenhaft in einem ansonsten einzigartigen Film.
FAZIT
Wer bei einem Kinofilm große Unterhaltung erwartet, könnte sich bei diesem Film langweilen. Doch wenn man sich auf seine ruhige Art einlässt, erwartet einen ein sanfter Film voller Licht und frischem Wind. Man darf sich an diesem angenehmen Ort mit seinen fehleranfälligen, aber herzensguten Menschen ausruhen und wie nach einem Urlaub gestärkt aus dem Kino treten.