VERGEBEN HEIßT NICHT VERGESSEN
Hellboy und Bobbie Jo sollen eine gefährliche Spinne transportieren. Klingt nach Routinejob, endet aber natürlich im Desaster. Die Spinne entkommt, die Jagd führt die beiden in ein abgelegenes Waldgebiet, in dem Feindseligkeit, Aberglaube und dunkle Magie zum Alltag gehören. Zwischen Hexen, Zombies und dem Crooked Man wird Hellboy zudem mit seiner eigenen Herkunft konfrontiert.
Hellboy: The Crooked Man geht ca. 100 Minuten, ist ab 16 Jahren freigegeben und schlägt einen deutlich düsteren Ton an als die del-Toro-Filme. Weniger bombastische Monsterklopperei, mehr okkulter Horror, Zauberei und Südstaaten-Grusel. Die Grundidee funktioniert: Das Setting ist atmosphärisch, die Hexen und der Crooked Man sind angenehm unangenehm und endlich mal Gegner, die nicht einfach weggeboxt werden können.
Was mir weniger gefiel, ist Hellboy selbst. Optisch wirkt er wie rot angemalt mit zwei Beulen auf dem Kopf, charakterlich eher lethargisch. Die One-Liner sitzen selten, Zigarre wird durch Kiffer-Aura ersetzt.
Bobbie Jo als Sidekick war für mich ebenfalls ein Problem. Ihre Dialoge sind oft dämlich, ihre Funktion erschöpft sich zu häufig in Plotbegünstigung und sie bremst den Film eher aus, als dass sie ihm hilft.
Die Story konnte mich insgesamt nie richtig packen. Es fehlt das große Ganze, der rote Faden bleibt dünn. Dafür gibt es einzelne Szenen, die stark sind, ein paar Schockmomente sitzen perfekt, manche Bilder sind visuell richtig schön morbide.
Das Finale driftet dann in einen Resident-Evil-artigen Hordenmodus ab, inklusive leuchtendem Knochen, der offenbar alles lösen kann.
Unterm Strich bleibt ein Film mit guten Ideen, starker Atmosphäre und interessantem Horroransatz, der aber an schwacher Figurenzeichnung, miesem CGI und holprigen Dialogen leidet. Mit mehr Budget und einem besseren Hellboy hätte hier deutlich mehr drin gesteckt. Wer einen anderen, hexenlastigen Hellboy sehen will, kann reinschauen.
5,5/10 Punkten. Die Darstellung der Unendlichkeit mit der Frau und der Schlange gehört zu den abgefahrensten Bildern, die ich seit Langem gesehen habe.