Nach über 35 Jahren Kinoerfahrung passiert es relativ selten, dass einen ein Film so richtig fesselt. Die Geschichte ist nicht neu: Whistleblower und ihre allgemeinen Sorgen. Die grundlegende Frage, was richtig und was falsch ist. Und eine Hauptfigur, die sich in einer Grauzone bewegt.
Es ist faszinierend, wie akribisch das Drehbuch hinsichtlich der Details des amerikanischen Postsystems und vor allem des Nachrichtenübermittlungsservices für Menschen mit Hörschädigung ausgearbeitet ist. Der Selbstschutz der Figur wird dem Zuschauer auf einfache Weise gezeigt und erklärt. Viel mehr erfährt man über ihn nicht, außer, dass er im Grunde genommen selbst aus dieser Grauzone raus will, in der alles verschwimmt. Es sind diese Details, die faszinieren. Das dramatische Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ash, der wortkargen Hauptfigur, und den Verfolgern seiner Kundin Sarah ist ein echter Höhepunkt des Films.
Doch im Laufe des Auftrags passiert es dann doch – bezogen auf die Ordnermenge im Safe, was rund ein dutzendmal nicht passiert ist – Ash baut eine Verbindung zu Sarah auf. Was mit einem Wortspiel eines „The Who“-Songs beginnt, endet in einem Showdown in der Oper. Die Crux an der Geschichte ist allerdings, dass, nachdem sich die beiden Hauptfiguren begegnet sind, das gesamte Konstrukt des Films in einen generischen Thriller zerfällt, den man schon zu oft gesehen hat. Das Ende ist dann doch recht enttäuschend, weil die Story kopflos wirkt und angesichts der ganzen Vorarbeit zu einfach erscheint. Die Flucht, die Auflösung - alles wirkt wie ein Fremdkörper in der ganzen Story.
Genauso wie der englische Titel für den deutschsprachigen Raum, der schwerer auszusprechen ist, als der Originaltitel. Zumal der Begriff "Relay-Dienst" laut Wikipedia auch in Deutschland im Gebrauch ist.