Eigentlich ist die Horrorgeschichte mit dem Monster nur Beiwerk, im Grunde ist dieser Film ein Drama um Frauen mit traumatischen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit. So wirklich bekommt allerdings nur die Protagonistin Joy eine echte tiefergehende Backstory (inkl. Rückblenden), die Geschichten der anderen Frauen werden nur angerissen und bleiben größtenteils sehr vage.
Dennoch ist "Dark Nature" sehr intensiv gefilmt, vor allem die Kamerarbeit ist mit immer wieder sehr spannenden und eindringlichen Perspektiven positiv hervorzuheben. Immer wieder sind es auch die Aufnahmen und Blickwinkel, die dem Film Spannung verleiehen, das Monster bleibt bis zum Schluss nur ein Schatten. Derweil ist die Bedrohung durch das Monster immer wieder ziemlich intensiv spürbar, gerade weil es so lange im Unklaren bleibt: Was ist das für ein Viech? Und was will es?
Die schauspielerischen Leistungen sind für so ein Format vollkommen ausreichend, die meisten Figuren bekommen vom Drehbuch eh nicht viel Charakter spendiert, Zentrum ist Joy und ihr Trauma mit einem gewalttätigen Mann. Dies finde ich auch gut transportiert, ich habe mich da emotional gut abgeholt gefühlt. Die Darstellung ihrer Traumatisierung finde ich zudem glaubhaft und nachvollziehbar. Das Einflechten von wiederholten traumartigen Sequenzen ist stark inszeniert und bringt die Story gut voran.
Ich könnte mir vorstellen, dass die vielen eher schlechten/mittelmäßigen Bewertungen daher rühren, dass die Leute einen Horrorfilm erwarten, auf dem Bluray-Cover wird ja auch mit "Folk- und Creature-Horrror" geworben. Aber als Horrorfilm funktioniert "Dark Nature" nicht besonders gut. Wenn man den Film aber als Drama zum Thema traumatisierte Frauen versteht, bekommen viele Szenen eine ganz andere Bedeutung, insbesondere der finale Fight mit dem Monster.
FAZIT: Mehr Drama als Horrorfilm, der insbesondere durch die intensive Kameraarbeit besticht, die Bilder wechseln zwischen herrlichen Landschaftsaufnahmen und bedrohlichen Monsterszenarien. Wenn man sich darauf einlassen kann und ein paar kleinere Schwächen im Drehbuch verzeihen kann, bekommt man einen durchaus unterhaltsamen und aufregenden Film.