Ich kann den Film "Ari" (Frankreich/ Belgien) nur empfehlen, trotz lauwarmer Kritik bei "Filmstarts":
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Okay, ich bin nicht so die Freundin von absoluten Nahaufnahmen, bei denen man jede Hautschuppe, jedes Pigmentpünktchen und jedes Fältchen sieht. Aber die Geschichte, die erzählt wurde, war so herzenswarm und entspannt, dass wir mit einem Lächeln aus dem Kino gingen.
Nein, es wurden nicht wie bei Tom Tykwer, sämtliche Probleme des Universums der letzten neun Jahre explosiv behandelt, sondern nur die des jungen Lehrers Ari, der sich komplett ünerfordert fühlt vom Alltag, den Erwartungen, der überall lauernden Verantwortung und der zusammenbricht. Zur Enttäuschung seines Vaters, der aus der "Muss ja!"-Generation stammt und den es aus den Socken haut, wenn ein junger Mensch für irgendwas "noch nicht bereit" ist, selbst wenn dies jetzt fordernd vor ihm steht. Dann geht man eben nicht mehr arbeiten, ist krank (obwohl es doch "nichts ernstes" ist), beendet Beziehungen, bricht Schwangerschaften ab, lebt von... Ja, wovon dann?! Vom Staat, den Eltern, von wohlhabenderen Freunden? Und was macht man dann den ganzen Tag? Wird so ein verpflichtungsloses Leben nicht irgendwann langweilig, und hat man da eigentlich genug zu essen?
Der Vater schmeißt sein 27jähriges Kind raus, und Ari kommt nun bei Freunden unter: Der in einer lesbischen Beziehung lebenden Künstler-Freundin, die auch zu "keinem Job passt" und die Tage nimmt, wie sie kommen. Irgendwas ergibt sich immer. Derzeit lebt sie in der Sozialwohnung der Tante ihrer Geliebten, die "wie sie tickt". Irgendwann erscheint die Geliebte aus dem Schlafzimmer und tickt keineswegs so wie die Künstlerfreundin, aber man liebt sich trotzdem, also, man findet sich gemeinsam im Bett wieder.
Die nächste Station ist der wohlhabende Freund, dem die Eltern schon in der Kindheit alle Steine aus dem Weg finanziert haben und der nun mit Rotwein trinkender Frau und Baby kiffend seinen Status hochhält. Manchmal schwappt mal kurz das Wasser über die Ego-Mauer des Freundes - man erfährt, dass auch Ari seine Baustellen hat, auf die er nicht stolz ist. Eine heißt "Irene", der Vater hätte sie gern als Schwiegertochter gesehen, und der reiche Freund wirft es Ari vor, sie schwanger allein gelassen und zur Abtreibung gedrängt zu haben.
Es kommen noch ein paar Jugendfreunde, auch die einstmals geliebte Irene, die aber (es ist ja kein DEUTSCHER Film!) ihrem feigen Ari nicht etwa ohrfeigt und anschreit, sondern nach dem ersten Schreck erklärt, sie freue sich, ihn zu sehen.
Sie hat inzwischen ihr Leben weiter gelebt - ohne Ari, aber mit sehr eigenen Entscheidungen.
Der Film zeigt Abgründe, Ängste, Verzweiflungen, Enttäuschungen, Sehnsüchte, ohne auch nur eine der Figuren zu verraten oder zu denunzieren. Keiner ist böse oder gut oder im Recht oder Unrecht.
Es gibt auch keine Belehrungen, Antworten, Botschaften.
Aber am Ende ein so versöhnliches Gefühl. Ein Akzeptieren, Verstehen, Annehmen.
Und man geht mit einem Lächeln aus dem Kino.
Danke für diesen Film!