Wir sagen Lebewohl zu Downton... möge es so bleiben!
Eigentlich mochte ich „Downton Abbey“: Die Serie, die 2010 ihren Anfang nahm, entwickelte sich schnell zum Phänomen im Serien-Bereich. Und die ersten beiden Staffeln waren in meinen Augen auch sehr unterhaltsam und zeigten einen romantisierten, aber spannenden Blick auf den britischen Adel und die Unterschicht. Danach verlor sich die Serie in plötzliche Tode von großen Figuren, um Spannung zu erzeugen und absurd, dämlichen Handlungssträngen. Drama um des Dramas Willen. Trotzdem fand die Serie ein solides Ende in 2015 mit der sechsten Staffel. Doch dann kamen die Filme… Teil 1 (2019) hatte ja noch irgendwie etwas Nostalgisches, Teil 2 (2022) jedoch zeigte deutlich, dass sich die Thematik und die Figuren mehr als abgenutzt hatten. Nun, in 2025, war es Zeit für das Ende, das große Finale. Ob es das wirklich bleibt, wissen wir nicht, aber so wurde der Film vermarktet. Und natürlich schauen Fans ganz anders auf „Downton Abbey“, das ist mir klar. In diesem neusten Film wird es selbst gut gesagt: „Wir sollten mehr an der Vergangenheit festhalten.“ Und das ist genau das, was uns hier geboten wird: Nostalgie. Die bekannte Musik, die bekannten Figuren und eine sehr lose Story, um das alles zu rechtfertigen. Aber es geht am Ende auch nur um die Atmosphäre, die Tatsache, dass man nochmal nach Downton darf, um mit den Charakteren Zeit zu verbringen. Wer das möchte, wird hier fündig und hat sicherlich Spaß. Ich betrachte Filme jedoch gerne als das, was sie sind: Filme. Ein Medium, um Geschichten zu erzählen, sei es um zu unterhalten oder um zum Nachdenken anzuregen. Und „Downton Abbey“ erfüllt diese „Aufgabe“ schon seit einer Weile nicht mehr, um genau zu sein seit 10 Jahren. Was die Filme liefern, sind nette, kleine Fillerepisoden, zumindest wären sie das in früheren Staffeln gewesen, mit einigen essentiellen Handlungen, die meistens gegen Ende thematisiert werden. Und auch „Das große Finale“ macht das und liefert uns hauptsächlich belanglose Figurenentwicklungen und künstliches Drama.
Mary ist geschieden und alle sind geschockt, denn sie darf nun nicht mehr wirklich am öffentlichen Leben teilnehmen, denn sonst wird sie geächtet. Doch muss ein neuer Mann her oder kann sie Downton allein in ferner Zukunft führen? Und wie weit ist diese Zukunft entfernt? Denn als Coras Bruder Harold aus Amerika anreist, bringt er schlechte Nachrichten mit…
Wenn es positive Dinge gibt, dann vor allem die schönen Ende für einige Figuren wie Edith, Daisy, Andy oder Thomas. Charaktere, die sich in der ganzen Zeit wirklich entwickelt und verändert haben. Zudem ist der Film der leider verstorbenen Maggie Smith gewidmet und das in mehrfacher Hinsicht, was sehr berührend ist.
Der Rest der Figuren bleibt leider größtenteils so, wie wir sie kennen. Das ist auch ok, die Serie war nie wirklich gut darin Charakterentwicklungen zu zeigen, aber gerade Mary, die hier wieder eine zentrale Rolle einnimmt, hätte doch etwas mehr Substanz vertragen. Die Show schien nie wirklich zu wissen, was sie mit ihr anstellen will und das hat sich bis ins Finale gezogen… Der Rest des Casts ist zwar da, hat aber kaum Relevanz, außer vielleicht Robert und Cora Crawley, die eine neue Bleibe finden und die Führung von Downton abgeben müssen. Wie gesagt, es geht darum, dass man die Figuren sieht, nicht dass sie irgendwas Sinnvolles zu tun haben. So verkommt beispielsweise Molesley wieder zu einer peinlichen Witzfigur, obwohl er gegen Ende der Serie so viel reifer geworden ist.
Der Cast selbst kann sich dabei auch nicht mir Ruhm bekleckern, aber auch hier war die Show nie wirklich dafür da sonderlich herausragende Schauspieler*innen zu zeigen. Selbst Maggie Smith, die mit Abstand auffälligste Darstellerin der Serie, lieferte stets dieselbe Performance ab. Wobei ich zugeben muss, dass es schön ist, dass Paul Giamatti im letzten Film so eine große Rolle hat, er macht hier seine Sache noch am besten. Der Rest jedoch liefert recht inhaltslose Dialoge ab mit etwas Kitsch und Schmalz. Und wer dafür diesen Film schaut, wird wie gesagt auch seinen Spaß haben!
Optisch ist der Film schick gefilmt und natürlich ist die Musik von John Lunn wieder sehr schön, aber auch hier wird nichts Neues geboten…
Ebenfalls schade, sind die vielen neuen Stimmen. Carsens Stammsprecher, Jürgen Kluckert, verstarb ja leider 2023, da kann man eben nichts machen. Axel Lutter, sein neuer Sprecher, macht das sehr gut. Aber warum die Sprecherinnen von Mrs. Hughes und Mrs. Patmore (beide sind noch aktiv und haben Schauspielgrößen wie Sigourney Weaver und Linda Hamilton gesprochen) gewechselt haben, verstehe ich nicht. Zudem ist die neue Stimme von Hughes nicht sehr passend…
Fazit: „Downton Abbey 3“ wird vielen Fans sicherlich Spaß machen und sie am Ende zu Tränen rühren. Ich persönlich empfinde aber leider nichts, obwohl ich die Serie in guter Erinnerung habe. Vielleicht sehe ich den königlichen, britischen Adel auch mittlerweile als etwas Verwerfliches an und ich verstehe nicht, warum man diesen in einer derart anbetungswürdigen Form noch verherrlichen muss (ähnlich wie in „Bridgerton“), aber das ist wohl einfach nicht meins… Dennoch ist der letzte Teil der „Downton Abbey“-Reihe sehr enttäuschend und leider nicht mehr als nostalgisches Fast Food für Serien-Fans. Nehmen wir also Abschied in der Hoffnung, dass es auch dabei bleibt!