In Hogwarts wird’s düster und unheimlich!
Jedenfalls für Harry & Co. Aber auch in Teilen für den Zuschauer. „Die Kammer des Schreckens“ ist die zweite große Buchverfilmung von J. K. Rowling´s „Harry Potter“-Reihe und wurde wieder von Chris Columbus gedreht, der sich mit dem ersten Film in die Herzen von Millionen Fans katapultiert hat, aber auch zeigte, dass noch Steigerung nach Oben möglich war. Teil 2 von Rowling´s legendärer Potter-Reihe bietet dafür auch eine (in meinen Augen) etwas bessere Vorlage, als noch im „Stein der Weisen“, doch alles nacheinander.
Nachdem der Stein der Weisen vernichtet wurde und Voldemort in die Flucht geschlagen, aber nicht vernichtet wurde, wenden sich Harry Potter und seine Freunde wieder ihrem Alltag und zwar Hogwarts zu. Jedoch gibt es Warnungen vom Hauselfen Dobby, der Harry ausdrücklich sagt, dass er nicht nach Hogwarts zurückkehren darf, denn sonst würden grauenvolle Dinge passieren, die unaufhaltbar wären. Doch Harry kann das einfach nicht glauben und will wieder zu seinem Lieblingsort zurückkehren, doch irgendwie gibt es da jede Menge Probleme, denn wie gelangt man ohne den Hogwartsexpress nach Hogwarts?
Mit einem fliegenden Auto?
Zudem wird in Hogwarts ein grauenvolles Geheimnis gelüftet und zwar die Kammer des Schreckens, die nach Jahrzehnten wieder geöffnet wurde und somit ein Monster auf die Schule losgelassen hat. Und Harrys Vermutungen bestätigen, wer dahinter stecken könnte...
Auch Teil 2 kam beim Publikum gut an, besonders bei den Kleineren. Denn „Die Kammer des Schreckens“ ist auch wie sein Vorgänger immer noch in erster Linie ein Kinderfilm. Zwar mit erwachsenen Themen, wie Tod, Einsamkeit und besonders Rassentrennung, trotzdem inszenierte Columbus das Werk wieder sehr kindlich, naiv und süß. Das ist wahrscheinlich auch die beste Lösung gewesen, da die Reihe erst später wirklich düster wurde, aber dennoch hätte man die Dialoge etwas besser überarbeiten können. Harry & Co sprechen immer noch wie Erwachsene und manche Erwachsene sprechen wir Kinder. Die jüngeren Zuschauer nervt das bestimmt nicht beim Sehen (mich hats auch als kleiner Junge nicht gestört, dafür war ich wieder mal zu sehr von der Zauberwelt… nun verzaubert), aber jetzt als erwachsener Mensch betrachte ich das Ganze doch etwas anders.
Und wo wir noch bei Erwachsen und Kinder sind: Der Film war im Ursprung sehr düster und musste an vielen Stellen gekürzt werden. Verstehen kann ich das zwar, doch ich finde die lange Fassung trotzdem nicht ungeeignet für Kinder.
Nichtsdestotrotz, „Die Kammer des Schreckens“ ist von der Story her deutlich geradliniger und besser strukturiert, als der Vorgänger (und mit einem besseren Finale). Man kennt die Figuren und kann mit ihnen jetzt besser arbeiten und ihren Charakter vertiefen. Und das macht Columbus auch, nicht nur mit den drei Hauptprotagonisten, sondern auch mit dem freundlichen Riesen Hagrid, dem mystischen, aber netten Dumbledore, Voldemort und besonders Ron´s Familie bekommt mehr Aufmerksamkeit, was ich immer begrüße, denn die Weasley´s sind wirklich toll umgesetzt.
Der Film führt aber auch die neuen Figuren gut ein: Dobby, der Hauself und Lucius Malfoy (Jason Isaacs) fügen sich nahtlos in die Zauberwelt ein und besonders Gilderoy Lockhart (wunderbar schleimig: Kenneth Branagh) ist witzig anzusehen (auch wenn man sich des Öfteren fragt, warum Dumbledore so jemanden überhaupt in Hogwarts als Lehrer einstellt…). Und die Darsteller sind wieder mal super: Daniel Radcliffe fügt sich deutlich besser in seine Rolle ein, genau wie Rupert Grint und Emma Watson und Tom Felton hat als Draco sicher wieder den Spaß seines Lebens als fieser Malfoy-Junge.
Auch Teil 2 der Reihe sieht gut aus: Die Effekte sind super, da nicht alles aus CGI gemacht wurde, sondern richtig, praktische Effekte mit Puppenarbeit und Animatronik. Die CGI-Effekte, die aber da sind, wirken wie auch beim Vorgänger etwas veraltet, auch wenn sie deutlich besser sind, als noch ein Jahr zuvor (besonders der Basilisk).
Und musikalisch ist John Williams wieder mit oben auf. Zwar musste er die Arbeit mit William Ross teilen, weil Williams für Spielberg´s „Catch Me If You Can“ bereits am Arbeiten war, aber man hört Williams trotzdem zu jeder Sekunde heraus. Schwungvolle und schöne, neue Themen und die alten kehren natürlich wieder zurück. Jedoch empfehle ich wärmstens den Soundtrack, der deutlich facettenreicher daher kommt, weil einige Themen und Stücke im Film nicht zur Anwendung kamen (Wie etwa das Motiv für die Kammer des Schreckens).
Zur Special Extended Edition kann ich dann noch was sagen: In der extrem langen Fassung gibt es wirklich viele neue Szenen, die in den Film integriert sind, nicht nur die rausgeschnittenen „Kinoszenen“, die zu „unheimlich“ für das junge Publikum waren, sondern auch viele Story-technische Dinge. Diese sind zum Teil sehr schön anzusehen, wie etwa die Szene mit Draco und seinem Vater in der Nocturngasse, dann gibt es aber auch welche, die den Film ziemlich bremsen und eher unnötige, als hilfreiche Sequenzen mit ein bauen, wie zum Beispiel die Vertiefung von Fletchers Charakter (grausamer Schauspieler nebenbei!). Wie auch bei dem „Stein der Weisen“ ein tolles Bonbon, aber besser wird der Film dadurch nur minimal.
Fazit: „Die Kammer des Schreckens“ hat auch Schwächen, ähnliche Schwächen, wie sein Vorgänger, dennoch empfinde ich Teil 2 als besser. Mehr Charakterentwicklung, bessere und gereifte Kinderdarsteller, wunderbare Musik, eine düstere Geschichte, die aber nie zu gruselig wird und natürlich Hogwarts! Columbus schuf einen guten Kinderfilm, der aus der Vorlage in meinen Augen viel Gutes rausgeholt hat. Doch es geht natürlich immer noch besser, was mit dem neuen Regisseur Alfonso Cuaron für Teil 3 dann auch deutlich gezeigt wurde!