Versuchung auf 809
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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3,5
Veröffentlicht am 7. März 2025
Gut gealterter Thriller mit Marilyn Monroe!

In 1952 hatte Marilyn Monroe bereits einige Filme gedreht und war noch nicht das große Sex-Symbol, was sie einmal werden würde. Gerade ihre anspruchsvolleren und dramatischeren Rollen waren sehr interessant, da Monroe ja immer wieder als „Blondchen“ gefastet wurde. Es ist schön zu sehen, dass sie auch Filme wie „Niagara“ und eben „Versuchung auf 809“ drehen konnte. Letzteres Werk entstand unter der Regie von Roy Ward Baker und basiert auf dem Buch „Mischief“ von Charlotte Armstrong. Die Story, die sich im Noir-Genre einreihen lässt, hat sich bis heute erstaunlich gut gehalten und ist deutlich mehr Sozialkritik als ein Thriller. Und im Zentrum steht Monroe als psychisch labile Nell.

DIe Handlung spielt in einem Hotel: Der Fahrstuhlführer Eddie verhilft seiner Nichte Nell Forbes zu einem kleinen Job, bei dem sie als Babysitterin auf die kleine Bunny aufpassen soll. Doch während dieser Zeit lädt Nell einen fremden Mann zu sich aufs Zimmer, weil sie meint ihn wieder zu erkennen. Der Mann heißt Jed Towers und ist nach einem Streit mit seiner Partnerin auf der Suche nach einer „Ablenkung“. Jed, von Beruf Pilot, geht auf die Einladung von Nell ein, doch der Abend nimmt eine unerwartete Wendung…

Ich war tatsächlich richtig erstaunt zu sehen, wie „progressiv“ dieser Film von 1952 mit einer psychischen Krankheit umgeht. Während viele Filme (bis ins 21. Jahrhundert sogar) psychische Krankheiten als Schwäche zeigten oder jene Menschen sogar als klassische Antagonisten etablierten, ist „Versuchung auf 809“ da etwas differenzierter. Ja, Nell wird ganz klar als unberechenbare Bedrohung inszeniert, doch gerade das Ende des Films zeigt eine versöhnliche und erfrischend mitfühlende Art, wie man mit so einer Figur umgehen kann.

Die Figur des Jed wird dagegen etwas stiefmütterlich behandelt. Seine Entwicklung vom latent genervten und aggressiven Typen zum sorgenden Ehemann in der Geschichte ist etwas zu unglaubwürdig. Generell ist das Drama, dass sich in der Geschichte entwickelt etwas forciert an manchen Stellen. Dafür mag ich aber, dass der Film seine Ereignisse nicht übertreibt und stattdessen relativ unaufgeregt bleibt. Das mag manch anderer vielleicht als Schwäche des Films sehen, ich aber mochte diesen realistischeren Ansatz.

Schauspielerisch ist hier alles solide. Monroe gibt hier sicherlich eine ihrer komplexesten Rollen, die sie auch ordentlich spielt. Sie hatte zwar nicht wirklich das schauspielerische Können, um eine derartige Figur perfekt zu treffen, doch es ist schön zu sehen, dass sie auch andere Charaktere bedienen konnte.

Die Kameraarbeit ist ebenfalls unaufgeregt und solide. Vor allem gefällt mir aber das Ausbleiben eines Scores. Es gibt zwar zu Beginn des Films ein paar Songs, die die Figur der Lyn (die Partnerin von Jed) singt, ansonsten gibt es aber nahezu keine Filmmusik im Film. Dadurch erhält die Story deutlich mehr Authentizität und Spannung.

Fazit: „Versuchung auf 809“ ist ein solides und stellenweise gut gealtertes Drama mit Thriller-Elementen mit einer von Monroes spannendsten Rollen.
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