Calvaire
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NinaX
NinaX

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4,5
Veröffentlicht am 25. Juli 2010
Hinter "Calvaire" verbirgt sich eine Geschichte, die viel tiefer reicht, als es zunächst nach oberflächlichem Zuschauen wirkt. Die Ausgangssituation des Films ist zwar bekannt, erhält allerdings im Kontext des Films eine vollkommen andere Bedeutung. Der Entertainer Marc reist nach einem Auftritt gen Süden, ehe sein Wagen ausgerechnet in einem entlegenen Waldgebiet schlapp macht. Dort trifft er auf den verstörten Boris, der auf der Suche nach seiner Hündin ist. Schließlich führt er Marc zu einer ehemaligen Pension. Der Besitzer, Bartel, empfängt Marc sehr zuvorkommend und bietet ihm seine Hilfe an. Er überredet Marc zu bleiben und sich etwas auszuruhen. So bahnt sich das Grauen an und es wird schnell klar, dass Bartel gar kein Interesse daran hat, dass ihn Marc wieder verlässt, denn er hält ihn für seine Frau, die ihn einst verlassen und vollkommen verzweifelt zurückgelassen hatte. Die Situation wird noch schlimmer, als die männlichen Dorfbewohner Marc entdecken und ihn ebenfalls für Bartels Frau halten, denn sie haben die gleichen Gefühle und begehren Bartels Frau. So beginnt für eine Marc eine Tortur, der er zu entfliehen versucht. Schließlich hinterlässt "Calvaire" mehr Fragen als Antworten. Die erste Frage, die man sich stellt, ist die danach was man gesehen hat. Einen Backwood-Slasher, so wie man es in einigen Rezensionen gelesen hat, kann man jedenfalls nicht gesehen haben. Nichts in diesem Film erinnert an einen konventionellen Horrorfilm. Die Ausgangssituation des Films und der weitere Verlauf erinnern zwar bei oberflächlichem Ansehen an bekannte Horrorstreifen, schnell wird jedoch deutlich, dass "Calvaire" kein konventioneller Horrorfilm ist, der eine klassische Slashergeschichte mit den bekannten Zutaten erzählen will.
Die Dorfbewohner im Film als "Rednecks" zu bezeichnen, führt daher zu einem Missverständnis, denn bei ihnen handelt es sich nicht um eine Bande von geistesgestörten Killern. Ebenso wenig kann man die Figuren Bartel und Boris in diese Kategorie einordnen. Auch die physische und psychische Folter,
die Marc zu erleiden hat, wird an keinem Punkt zu einem Grad gesteigert, der an einen Torture-Porn erinnern könnte.
Gewalt verkommt in "Calvaire" nie zum Selbstzweck. Das Martyrium von Marc ist dabei nicht das Thema des Films. Die Themen des Films sind Einsamkeit, Frustration, Erniedrigung und Zurückweisung. Die Figur Marc steht dabei im Mittelpunkt als Projektionsfläche für
Sehnsüchte und Begierden. Als männlicher Entertainer verzaubert er mit seinen Liedern das weibliche Publikum, dass ihn dafür anhimmelt und überhöht. Davon sichtlich überfordert, bereiten ihm diese Liebesbekundungen offensichtlich einiges Unbehagen. Er erkennt die Falschheit und die Inszenierung, verdient damit aber sein Geld. In der Begegnung mit dem von seiner Frau verlassenen und verzweifelten Bartel wiederholt sich dieses Motiv. Marc wird für jemanden
gehalten, der er nicht ist und niemals sein kann. Um seine Frustration und seinen Selbsthass durch die erlebte Zurückweisung durch seine ehemalige Frau kompensieren zu können, flüchtet Bartel in den Wahn. Seine Frau, die ihn früher mit den anderen Dorfbewohnern betrogen haben muss, soll nun für immer bei ihm bleiben. So kommt es dazu, dass er selbst nicht davor zurückschreckt Marc als seine Frau zu verunstalten und die anderen Dorfbewohner, bewaffnet
mit einem Gewehr, davor zu warnen, sich seiner Frau zu nähern. Jene männlichen, triebhafte Dorfbewohner denken jedoch nicht daran zurückzustecken. Zusammen überfallen sie Bartel, nur um es wieder mit seiner Frau treiben zu können. Ein verzweifelter Dorfbewohner, der Marc ebenso für Bartels Frau hält, verlangt von diesem gar noch vor seinem Tod einen Liebesbeweis. Das alles ist zunächst für den Zuschauer schwer zu fassen, wenn man auf Rezensionen
stößt, die den Film in eine Kategorie zu pressen versuchen, die dem Film nicht annähernd gerecht wird. Die angedeutete Kreuzigung von Marc nach seinem Fluchtversuch zeigt, dass sich Fabrice du Welz letztlich dem Thema der Kritik christlicher Ethik und Moralvorstellungen zu nähern versucht. Marc ist als Bartels Frau zu jedem Zeitpunkt dem Begehren und der Macht der Männer
ausgesetzt. Die solidarische, sexuell zu kurz kommende Männergemeinschaft geht dabei als Kollektiv gegen den
besitzergreifenden Bartel vor, nur damit auch jeder zum Schuss kommen kann. Bartel schreckt selbst nicht davor zurück Marc als seine Frau nach der fehlgeschlagenen Flucht als Sünder(in) ans Kreuz zu nageln. Dabei erschließt sich jedoch, dass Marc vor der Gewalt und der Vereinnahmung durch Bartel zu fliehen versucht. So lassen sich mögliche Parallelen zum Schicksal von Bartels Frau in der Dorfgemeinschaft herstellen. Das Kollektiv versteckt sich
hinter tradierten Vorstellungen von Moral, während es selbst unmoralisch und repressiv handelt. "Calvaire" kann man als Meisterwerk des Horror-Films bezeichnen.
No Use For A Name
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0,5
Veröffentlicht am 16. November 2025
es fällt mir zugegebenermaßen extrem schwer, in diesem Film eine Satire oder Groteske zu sehen, geschweige denn überhaupt einen Horrorfilm. Denn was uns hier in dreckigen, körnigen und farbentsättigten Bildern präsntiert wird, ist in erster Linie eines - nämlich langweilig.

Das titelgebende Märtyrium existiert schlichtweg nicht - definitionsgemäß ist ein Märtyrium ein schweres Leiden um des Glaubens willen. Nun, da frage ich mich, welchen Glauben hat denn der arme Marc hier, wegen dem er dann so gequält werden muss? Den Glauben, naja Irrglauben, hat doch eher sein Gegenüber, aber was hat das dann alles mit einem Märtyrium zu tun? Naja, vielleicht in irgendeinem metaphorischen Sinne, wenn man dann die Gewalt, die Marc hier angetan wird so nennen möchte, aber selbst das passiert erst in den letzten 20 Minuten. Die 65 Minuten davor wird nur rumgeeiert und rumgefaselt, aber es passiert ja nichts Substanzielles.

Die Stimmung ist zugegebenermaßen aber gut eingefangen, es schwebt so eine unheilvolle Wolke über dem Ganzen, man ahnt schon, es wird etwas Schlimmes passieren, kann das aber nicht so fassen. Auch die Bildsprache passt dazu, am Ende führt das Alles aber zu nichts. Der freundliche Alte wird über nacht zum Psycho-Opa, von da an passieren nur noch lauter komische Dinge, die oberflächlich betrachtet wenig Sinn ergeben. Ich räume aber ein, dass sich der tiefere Sinn von dem Ganzen mir möglicherweise nicht erschlossen hat und ich dem Film unrecht tue. Vielleicht.

Tatsächlich hat mich der Film nur genervt, gerade zum Ende hin wirds einfach nur noch schwachsinning, hinzu kommt eine enervierene Wackelkamera, schreiende Menschen, schreiende Schweine, ein Weihnachstbaum, viel Dunkelheit, finstere, bedeutungsschwangere Blicke, eklig ungepflegte Menschen in Nahaufnahme und sinnfreie Dialoge. Insofern hab ich da im Moment auch nicht viel Lust, mir den Quatsch ein zweites Mal anzusehen.

FAZIT: Ich kann da beim besten Willen wenig Künstlerisches, wenig Satirisches und naja, ein bisschen was Groteskes erkennen. Eine anfänglich stimmungsvoll aufgebaute, aber dennoch langweilige Atmosphäre läuft komplett ins Nichts, als zum Ende hin alles nur noch Abstruser und Irrer wird. Wirklich unterhaltsam war das Ganze zu keinem Zeitpunkt. Von mir keine Empfehlung.
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