Aus heutiger Sicht wirkt es geradezu selbstmörderisch, wie stark sich dieser Film auf die Kraft seiner Bilder verlässt. Denn in den ersten zwanzig Minuten geschieht scheinbar nichts, was massive Auswirkungen auf spätere Ereignisse hätte. Doch es funktioniert. Die zu jedem Zeitpunkt des dreieinhalb Stunden langen Director's Cut exzellente Kameraarbeit, sowie die ausgeklügelten Choreografien vieler Szenen und eine schier endlose Zahl von Komparsen (in einem Zeitalter vor digitalen Effekten) dürften jeden Filmliebhaber erstaunt zurücklassen. Schon hier deutet sich an, dass Cimino mit diesem Film womöglich den einzigen Western geschaffen hat, der es ansatzweise mit Sergio Leones Amerika-Trilogie aufnehmen kann.
Und auch später ist es vor allem die penible Rekonstruktion des schon gar nicht mehr so wilden Westens, die viel zur Faszination des Gezeigten beiträgt. Die überfüllten Straßen und Züge der aufkeimenden Umschlagplätze, im Kontrast dazu das leere Land und aus dem Boden gestampfte Ortschaften - das alles könnte die vielleicht am authentischsten gelungene Zeichnung jener Epoche sein, die es je auf eine Rolle Film geschafft hat.
Ähnliches gilt für die Handlung. Nachdem sie erst einmal begonnen hat, erfahren wir von einem bekannten Problem: Reiche Großgrundbeseitzer regieren das Land und lassen es sich nicht nehmen, mit der Billigung von Präsident und Gouverneur ihre ganz eigenen Ansichten von Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen. Im Anbetracht diverser Klüngel zwischen Industrie und Machtelite heutiger Staaten ein geradezu zeitloses Thema. Da ist es erfreulich, dass sich Cimino trotzdem nicht in moralischen Thesen ergeht oder die Liebschaft zwischen Averill und Bordellchefin Ella (Isabelle Huppert) in den Vordergrund stellt.
Der den Geschehnissen zugrunde liegende "Johnson County War" fand nämlich tatsächlich statt und wurde im Nachinein vielfältig gedeutet. Kein Wunder, dass der für die Einwanderer kämpfende Marshal Averill dem Film den Stempel "unpatriotisch" einbrachte, denn schließlich schießen hier Amerikaner auf Amerikaner. Und keiner bekommt melodramatische Zeitlupen spendiert. Die Einwanderungsthematik und der damit verbundene Rassismus sind in Donald Trumps USA nachwievor ein heißes Eisen und längst keine Neuigkeit mehr, also dürfte es manchem sicher recht gewesen sein, dass der Film nach der Pleite an den Kinokassen trotz einer zuschauerfreundlicheren zweiten Schnittfassung erst einmal in der Versenkung verschwand.