Tja, über Kunst kann man bekanntlich vortrefflich streiten, und gerade bei kontroverser Kunst geht es da oft hoch her. Unser aller Freund Alejandro Jodorowksy ist ganz sicher einer dieser Künstler, die man wohl entweder verehren oder hassen kann, viel Raum zwischen diesen Extremen ist nicht. Und was soll man nun mit so einem Film wie “Santa Sangre” anfangen, wenn man zur zweiten Gruppe gehört? Wahrscheinlich eben nicht besonders viel...
Ich wollte ihm aber eine Chance geben und ich wollte ihn auch gut finden... Nur leider kann ich das nicht. Das ist alles einfach zu furchtbar! Allen voran ist die ständige (!) Musikuntermalung, es gibt nur wenige Sekunden in dem Film, die nicht mit irgendeiner grauenhaften Musik unterlegt sind. Okay, auch über Musik kann man wohl streiten, aber selbst wenn ich diese schlimme Mariachi-Musik aushalten könnte, so ist es vor allem diese grausame Leierkasten-Zirkus-Musik, die bei mir instant Kopfschmerzen verursacht. Aber insgesamt finde ich die Musik viel zu exploitativ eingesetzt und auch schlichtweg nur nervig. Dadurch wird so manche Szenerie und manche Atmosphäre gnadenlos erstickt, zumal die Musik auch immer sehr lautstark ertönt und wenig subtil eingesetzt wird. Das macht am Ende den ganzen Film kaputt und führt bei mir zu einem massiven Down-Grading.
Aber auch ansonsten hat der Film eigentlich wenig zu bieten. Okay, die Bildsprache ist voll von Mystizismen, Rätseln, Metaphern und Allegorien, das kann man natürlich cool finden und sich einen Spaß mit dem Enträtseln und Deuten machen, für mich war das aber auch wieder – ähnlich wie mit der Musik – einfach viel zu viel des Guten. Das ist alles viel zu überdreht und doch aufgesetzt, viel zu bunt und doch eintönig, viel zu wild und doch lahm. Die lächerlichen Splatter-Effekte sind zwar schön handgemacht, aber so mies in der Ausführung, dass sie eigentlich eher komisch als erschreckend oder bedrohlich wirken. Und überhaupt ist doch der ganze Plot – wenn man ihn denn mal nüchtern betrachtet – doch auch ziemlich bekloppt... Nicht, dass ich etwas gegen bekloppte Stories hätte, aber es muss sich schon auch irgendwie mit dem Rest des Films zusammenpassen, aber hier bei “Santa Sangre” ist irgendwie alles schlecht, was schlecht sein kann.
Dennoch kann ich unter diesem ganzen Mist durchaus das Kunstwerk erkennen, dass jemand anderes, der nicht so sehr von der Musik abgestoßen wird und auch eher Zugang zu der seltsamen Bildsprache hat, sieht. Sicherlich ist Jodorowsky ein großer Visionär und auch ein wahrer Künstler (ich hatte ja so gerne seine Interpretation von “Dune” gesehen!), aber mich hat der Film einfach nicht erreicht – weder auf der emotionalen noch auf der künstlerischen Ebene. Sorry an alle “Santa Sangre”-Fans.