Seelenlose Musical-Verfilmung (mit grauenvoller deutscher Synchronisation)!
„Das Phantom der Oper“ ist eins der berühmtesten Musicals aller Zeiten, nicht zuletzt aufgrund der Musik von Andrew Lloyd Webber. Der Stoff wurde vor allem auf großen Bühnen aufgeführt, doch 2004 wagte sich Joel Schumacher an eine Verfilmung des Musicals. Pläne für eine Verfilmung gab es jedoch schon in den 90ern, wurden aber immer wieder nach hinten verschoben. Lloyd Webber hatte durch Warner Bros. aber die komplette Kontrolle bekommen und der suchte sich nun aus allen Regisseur*innen unbedingt Schumacher aus. Der hatte mit seinen beiden „Batman“-Filmen (die Fortsetzungen zu Tim Burtons tollen ersten Teilen) seiner Karriere nahezu das Rückgrat gebrochen. Dennoch konnte er einige gute Filme wie „Nicht Auflegen!“ drehen. Doch mit dem Musical-Stoff war er offenbar überfordert, denn das Endergebnis wurde ein seelenloses Hollywood-Werk mit viel Glitzer und Glamour und wenig Liebe.
Die Story spielt 1870 in Paris: Am großen Opernhaus passieren seltsame Dinge während den Vorstellungen. Ein Geist, so scheint es, schleicht sich immer wieder unter die Menschen und richtet Chaos an, das bald schon in Mord endet. Doch das Ziel des Phantoms scheint die hübsche Darstellerin Christine zu sein…
Der Film wurde tatsächlich für drei Oscars nominiert: Bestes Szenenbild, beste Kamera und bester Original Song, der für die End Credits geschrieben wurde. Die Trophäe für das beste Szenenbild wäre sogar gar nicht unverdient gewesen, immerhin sind die Sets und die Kostüme vermutlich das Beste am ganzen, bunten Spektakel.
Die Musik selbst ist opulent und natürlich legendär. Die Instrumentierung ist toll, nur leider ist die deutsche Synchronisation der Songs (und auch der wenigen Dialoge) wirklich furchtbar in meinen Augen und Ohren. Es ist natürlich sinnvoll, dass man hier deutsche Musicaldarsteller für die Stimmen genommen hat, doch keiner der Sprecher singt (oder spricht) wirklich gut. Ja, singen können sie alle, aber sie treffen nur Noten und wollen schön klingen. Die gesungene Synchronisation passt überhaupt nicht zum Spiel der Darsteller*innen im Film und ist leblos und einfach schrecklich. Auch wenn einige Kritiker den Gesang der (Original-)Schauspieler zerrissen haben, so ist das Ganze im Englischen deutlich angenehmer zu ertragen. Und obwohl einige Schauspieler*innen (darunter Gerard Butler) vorher kaum gesanglichen Hintergrund hatten, so liefern sie doch eine gute Leistung ab!
Schauspielerisch können sie jedoch nicht viel zeigen, außer puren Kitsch und albernen dramatischen Posen. Das liegt aber nicht an den Spieler*innen , sondern an der Story und dem schlechten Drehbuch. Ich hatte zwar meine erste Berührung mit dem Stoff hier und ja, der Film ist keine gute Umsetzung der Geschichte, aber dennoch ist die Grundstory schon etwas albern und verlangt viel vom Zuschauer. Die Ähnlichkeit zu Werken wie „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Die Schöne und das Biest“ (ebenfalls aus der französischen Literatur) sind sehr stark und wurden in den genannten Werken deutlich besser umgesetzt. Dennoch bin ich mir sicher, dass der Roman von Gaston Leroux (er schrieb das Buch 1911) die Geschichte viel besser erzählt, auch ohne Songs. Aber ich bin eben auch kein Freund von diesen aufpolierten Broadway-Musicals…
Was mich (unabhängig von dem Roman oder dem Original-Musical) extrem gestört hat, ist Christine, die einfach nur herum steht und sich von zwei Männern umgarnen lässt, ohne dabei etwas zu machen. Ihr Job ist es hübsch auszusehen und zu singen, während das Phantom und Raoul sich um sie bekriegen. Das mag vielleicht zu der Zeit des Romans noch romantisch gewesen sein, aber in 2004 war es schon längst ein ausgelutschtes Klischee. Und auch wenn Baz Luhrmans Adaption von „Romeo & Julia“ (mit Leonardo DiCaprio) alles andere als perfekt ist, so hatte er zumindest versucht der Geschichte etwas Frisches und Modernes zu geben. „Das Phantom der Oper“ jedoch ist eins zu eins (so scheint es zumindest) verfilmt worden, jedoch ohne Seele und Charme. Die Figuren haben keine Chemie, die Logik in dieser Welt ist nahezu nicht existent (wie kann ein Mörder, der sich in dem Theater versteckt, nicht von der Polizei gefasst werden?), ich konnte selten verstehen, warum jetzt dies und jenes passiert und das Schlimmste: Ich habe zu keiner Sekunde etwas gefühlt!
Fazit: Die 2004-Verfilmung von „Das Phantom der Oper“ mag manchen Musical-Fan begeistern, mich aber hat dieser überproduzierte Gesangstumult vor allem gelangweilt! Der Film ist schick anzusehen und die Musik ist toll, aber sicherlich ist der Streifen hier kein Vergleich zum Musical, welches auf einer Bühne mit deutlich mehr Hingabe performed wird!