The Da Vinci Code - Sakrileg
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Anonymer User
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Veröffentlicht am 19. März 2010
Das Thema eines jeden Thrillers die Angst, und Ängste ändern sich.

Ende der Sechziger beschwor man die bösen Geister der Technik, in den Neunzigern wetterte man auf die Gespenster der Ökonomie...





Dass in diesen Romanverfilmungen Fiktion und "Wirklichkeit"  verknüpft werden ist blanker Unsinn, wohl eher ein schönes Beispiel paranoider Pseudowissenschaft. Man beruft sich hier auf falsche Quellen und irgnoriert sämtliche Fakten, die der hier verbreiteten Idee zuwiderlaufen würden.



Es ist doch so: Sobald ich mir aussuche, welche Fakten ich beachte und welche ich ignoriere, kann ich alles "erklären" oder "beweisen".



So ist es beispielsweise im Spätmittelalter und in der Frührenaissance üblich gewesen, Johannes den Jünger besonders kindlich-feminin darzustellen. Ein kleiner Blick in die Kunstgeschichte reicht aus um dutzende Werke dieser Art zu sehen. Den Grund findet man in der Bibel (vielleicht mal lesen!), die ja nun eine der wichtigsten Inspirationsquellen war. Dort steht sogar, dass Johannes der Jünger, den Jesus am meisten liebte! War Jesus schwul? Daraus ließe sich wieder eine noch neuere "These" schmieden. Oder verfügten etwa all die Künstler dieser Zeit über "Geheimwissen"? Mysteriös! In Browns populistischen pseudo-historischen Romanen tauchen solche Fakten natürlich nicht auf. Warum auch - die Kasse muss klingeln! Bravo. 





Noch ein Irrtum: Die Gralslegende ist erst im Mittelalter entstanden und der einzige Bezug zum biblischen Text ist der von Josef von Arimthäa der das Blut Jesu in einer Schale aufgefangen haben soll. Selbst wenn man die Schale mit dem Heiligen Gral gleichsetzt, hätte da Vinci keinen Grund gehabt, diese Schale beim letzten Abendmahl darzustellen, da sie zur Kreuzigung gehöre. Solch einen dumpfbackigen Fehler hätte sich solch ein brillanter Geist nicht erlaubt.



Noch ein Fehler: Die Göttlichkeit Jesu wird bereits im Neuen Testament mehrfach angesprochen und wurde nie in Frage gestellt. Das erste Konzil von Nicäa entschied nicht darüber, ob Jesus als Gott oder als Mensch anzusehen sei, sondern stellte fest, dass er mit Gott-Vater wesensgleich und nicht, nur „wesensähnlich“ sei. Die These, Jesus sei nur als Mensch anzusehen, stand nicht zur Debatte. Hier wird angegeben , die Abstimmung auf diesem Konzil sei äußerst knapp ausgefallen – in Wahrheit gab es nur drei Gegenstimmen zum Konzilsentscheid, während der Rest der anwesenden Bischöfe zustimmte.



Hätte jetzt noch einen Haufen solch Brownschen Unsinn aufzählen können - erspare es mir aber an dieser Stelle. Mehr dazu unter Sakrileg.





Ich habe nichts gegen Fiktionen, ganz im Gegenteil. Den Anschein zu erwecken, es handle sich um "fundiertes Wissen" ist Volksverdummung aller erster Güte. Viele Leser Leute glauben inzwischen, der Verfasser der Romanvorlage sei Historiker! Danke.





Vielleicht - und das hoffe ich - kommt ihr auch dahinter,  dass hier Geheimnisse offenbart werden, die keine sind.



Und die filmische Umsetzung ist 08/15.



Nun kann ich ich natürlich in die Bibliothek gehen, wenn ich Fakten will, das ist richtig. Es geht um die breite Masse und darum was sie glaubt. Es geht darum das Pseudowissenschaften immer populärer werden, weil sie einfacher sind und schnellere (aber falsche) "Erklärungen" liefern. Es geht darum, dass die Leichtgläubigkeit der breiten Masse durch solchen Unsinn gefördert wird.



Übrigens: Es gibt so viele geniale, fiktive Filme vor historischem Hintergrund. Gute Beispiele sind Master and Commander, Lawrence von Arabien, Barry Lyndon, Braveheart etc... Auch hier kann man nach historischen Fehlern suchen, wäre aber unsinnig weil hier keine dämlichen "Theorien" aufgestellt werden.





P.S. In einem Interview zu seinem Roman sagte Mr. Brown: „Ich begann als Skeptiker. Als ich mit den Recherchen für den Da Vinci Code begann, dachte ich, dass ich eine Menge von dieser Theorie über Maria Magdalena und das Heilige Blut und diese ganzen Sachen widerlegen würde. Aber ich wurde ein gläubiger Mensch.“







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