Der Untergang
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niman7
niman7

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4,5
Veröffentlicht am 19. Dezember 2016
Im Jahr 2004 brachten Autor und Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Oliver Hirschbiegel einen Film, über das wohl, aus deutscher Sicht, schwierigste Thema heraus.
Berlin, 20. April 1945: Der Krieg ist so gut wie verloren. Der "Russe" steht vor der Tür. Während draußen Millionen von Zivilisten tagtäglich um ihr Überleben kämpfen, versteckt sich Hitler im Bunker "Wolfsschanze". An eine Kapitulation ist gar nicht zu denken. Hitler glaubt fest an einen Sieg, währenddessen kehren ihm nach und nach immer mehr Offiziere den Rücken...während andere fest an ihn glauben...
Ohne Wenn und Aber, ist Hitler- und der damit verbundene zweite Weltkrieg, der 50 Millionen Menschen das Leben kostete, Deutschlands dunkelstes Kapitel. Eichinger und Hirschbiegel konzentrieren sich hierbei lediglich auf die letzten 12 Tage. Große Namen wie Goebels, Himmler, Speer, ect. tauchen immer wieder im Film auf- und das ohne jegliche Vorstellung. Ein großes Hintergrundwissen ist hier definitiv erforderlich. Um wenigstens ein wenig Ordnung und System ins Geschehen zu bringen, wird uns die "Handlung" aus Sicht der zurückhaltenden Sekretärin Traudl Junge (Alexandra Maria Lara) erzählt. Sie fungiert als Auge- das uns durch das Labyrinth im Führerbunker begleitet. Man könnte diese Vorgehensweise jetzt auch gerne kritisieren. Denn, man könnte meinen, bei einer Filmlänge von 2,5 Stunden, bleibt auch genügend Zeit um wichtige Persönlichkeiten oder Hintergrundinformationen zu erklären bzw. zu liefern. Ich dagegen befürworte diese Art. Denn somit kriegen wir die letzten Tage des NS Regimes in kompakten 2,5 Stunden erzählt. Dadurch fällt es mir schwer "Der Untergang" allgemein als Film anzusehen. Viel mehr wirkt es auf mich wie Dokumentation die man häufig auf diversen Kanälen sieht. Das ist aber auch gleichzeitig das bemerkenswerte an "Der Untergang". Er wirkt sehr detailtreu und äußerst realistisch. Man hat nie das Gefühl, als hätte das nie so gewesen sein können. Damit der Film aber auch so gut funktioniert, hat Hirschbiegel seinen Darstellern zu verdanken. Allen voran der Schweizer Bruno Ganz. Er sieht Hitler mit Perücke und Bärtchen nicht nur verdammt ähnlich aus, sondern imitiert ihn was Mimik und Gestik angeht 1:1! Die Darstellung des Massenmörders Hitler ist sowieso eine schwierige Angelegenheit. Oft wird er viel mehr parodiert als glaubhaft gespielt. Bruno Ganz schafft es definitiv ihn glaubhaft zu spielen. Und zwar so sehr, dass sich ein NPD Anhänger am Set geehrt fühlte seine Hand zu drücken! Mehr Worte braucht man da eigentlich nicht zu sagen, oder? Doch! Das schwierigste Thema hierbei ist jedoch, wie packt man diese äußerst komplexe Figur an? Ist es falsch ihn in ein positives Licht zu rücken? Zunächst empfand ich die Zeichnung als zu positiv. Ein Massenmörder der einen auf Vegetaria macht und kleine Kinder auf dem Schoss setzt? Beim zweiten Betrachten empfinde ich es als genau richtig. Denn wie eingangs erwähnt, konzentriert sich Hirschbiegel hier nur auf die letzten
Tage! Sein Aufstieg, der Holocaust, der Krieg- der die ganze Welt ins Verderben stürzte, spielt hier- man kann schon schlechten Gewissens sagen- keine Rolle! Und das ist auch gut so. Denn dadurch wirkt der Film viel authentischer und wir kriegen fantastische Bilder über das Verhalten jener Menschen! Es ist faszinierend zu beobachten, wie man reagiert. In einem Teil des Bunkers wird gefeiert- weil man sich längst aufgegeben hat, in dem anderen Teil fallen die Menschen durch Suizid wie die Fliegen. Hirschbiegel kommt aber doch nicht herum das Monster Hitler zu zeigen. Bei Besprechungen rastet er völlig aus, als ihn ein Offizier von Fahnenflucht deutscher Soldaten erzählt. Gesundheitlich stark angeschlagen, verliert er völlig den Sinn von Realität und bewegt Divisionen auf einer Karte (wie in einem Schachspiel), die es gar nicht mehr gibt. Auf die dringliche Bitte 3 Millionen Zivilisten zu evakuieren, lehnt er vehement ab. Mit der Begründung das deutsche Volk habe sich dafür entschieden und soll es nun auch ausfechten! Trotz solcher äußerst kranken Äußerungen, weichen etliche Menschen nicht von seiner Seite ab! Aber auch hier verzichtet Hirschbiegel auf ein Fingerzeig oder einer nötigen Erklärung für dieses Verhalten. Neben Bruno Ganz versammelt sich hier gefühlt die komplette deutsche Star Besetzung an Schauspielern. Selbst für die kleinste Rolle wurden große Namen besetzt. Auch große Synchronsprecher wie Martin Kessler (Nicolas Cage) oder Oliver Stritzel (Philipp Seymour Hoffman). Obwohl Bruno Ganz hier allen die Show stielt, kann Corinna Harfouch als Goebels Ehefrau Magda schwer beeindrucken. Bis in letzter Sekunder klammert sie sich fest an die Ideale des NS Regimes! Auch Ulrich Matthes als Propaganderminister Joseph Goebels weiß hier mit steinerner Miene zu überzeugen und lässt einen bei seinen Äußerungen immer wieder schockiert zurück. Juliana Köhler weiß auch als Hitlers Gemahlin Eva Braun zu überzeugen. Sie ist das komplette Gegenteil von Hitler selbst. Anti politisch, fröhlich und lebensbejahnt. Dennoch weicht auch sie niemals von seiner Seite! Unsere naive Sekretärin Alexandra Maria Lara weiß zwar zu überzeugen, kann dennoch nicht so ganz mit den anderen mithalten. Technisch weiß der Film ebenfalls zu überzeugen. Mit einer ruhigen Kamera führt uns Kameramann Rainer Klausmann durch den Bunker. Alles wirkt so echt. Die Kostüme stimmen (auch wenn die Abzeichen nicht immer richtig sind) und der Film braucht sich damit definitiv nicht vor großen ausländischen Produktionen über den zweiten Weltkrieg nicht zu verstecken. Es geht nur ganz selten nach draußen. Hier hat man auf künstliches Licht verzichtet und das erhöht ebenfalls die Authentizität. Die Musik ist sehr einprägsam. Die Geschütze und Zerstörungen wirken sehr echt und man kann nicht glauben, dass er nur 13 Mio € gekostet hat.
Was denn Film ein wenig ins negative Licht bewegt, ist die gewohnte, deutsche Dramatisierung. Beispielweise wenn ein Offizier (der viel zu jung aussieht) plötzlich schreit "ich will das von 1918 nicht noch einmal erleben!". Die Szenen außerhalb des Bunkers sind zwar wichtig und sehr gut in Szene gesetzt, aber ein 1-2 Blicke weniger hätten auch gereicht.
FAZIT: Die NS Zeit ist wohl Deutschlands ewiges Laster (was auch gut ist). Oliver Hirschbiegel und Bernd Eichinger konfrontieren das Land mit "ihrer" Vergangenheit und dem Monster, das man selbst erschaffen hat. Die Handlung konzentriert sich einzig und allein auf die letzten 12 Tage. Alles drumherum erfordert Hintergrundwissen. Sehr interessant, realistisch und erschreckend in Bild und Wort umgesetzt! Bruno Ganz hat sich hier (auch wenn mit einer negativen Rolle) verewigt.
Fundamentalontologe
Fundamentalontologe

8 Follower 29 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
Was es hier an dem Film zu mäkeln gibt ist schlicht und ergreifend absolut lächerlich. Alle Schauspieler sind durch die Bank weg in Perfektion für ihre Rollen gecastet worden. Wer hätte Adolf Hitler besser und überzeugender spielen können als Bruno Ganz? Niemand! Auch wenn es noch irgendetwas und sei es nur das kleinste Fitzelchen an der Ganz-als-Hitler-Performance auszusetzen gibt, so bleibt es die beste und optimalste aller Hitler-Performances und eine grandiose Leistung! Wer rigoros an dieser Rollenperformance etwas zu kritisieren hat, der hat keine Ahnung von Schauspielerei und auch nicht davon, wie Hitler in seinen letzten Tagen war: Der Film ist nämlich sehr (!) originalgetreu nach dem astreinen Buch von Joachim Fest verfilmt worden... Er entspricht so ziemlich den historisch gesicherten Wissens und der Tatsachen, auch wenn der Herr Professor in Wirklichkeit nicht ganz so ein moralischer Held war, wie es im Film dargestellt wird. Aus dramaturgischen Gründen muss natürlich immer etwas von den Originalien abgewichen werden... aber das sind nur winzige Änderungen, die nicht großartig stören und dem historischen Filmerlebnis keinen Abbruch tun. Der Hitler ist perfekt gespielt, da gibt es nun wirklich nichts dran auszusetzen: Von der Menschlichkeit bis hin zu den Wutausbrüchen und dem ganzen ausgebrochenen Wahnsinn legt Bruno Ganz eine facettenreiche Charakterstudie hin, die natürlich kontroversiert wurde, da Hitler nun mal als Diktator, Massenmörder und grausamer Dämon galt, der 6 Millionen Juden auf dem Gewissen hat sowie weitere Millionen Menschen, die im zweiten Weltkrieg gefallen sind. Er war einer der großen Demagogen neben Mao ZeDong und Stalin. Aber er war eben auch ein Mensch und er besaß auch die Normalität eines normalen Menschen und das wird hier gut portraitiert. Die Nebenrollen sind alle lupenrein gecastet und besetzt: Von dem Goebbels-Darsteller, über Traudl Junge, Professor Schenk, Fahnenflüchtigem Fegelein (mit die beste Performance von Thomas Kretschman als besoffenem und verhurten SS Adjutanten von Himmler!), dem Hitler Leibwächter Otto Günsche, SS-Chef Himmler (sogar Hermann Göring taucht kurz auf!), General Weidling (brillant gespielt!!! - obwohl sein Herzinfarkt nach der Ansprache durch die Lautsprecher auch historisch nicht stimmt, aber eben dramaturgisch passt), SS-Brigadeführer und Generalmajor Wilhelm Mohnke (der sehr tapfer war) und alle anderen, da stimmt schauspielerisch einfach alles und da wurde auch alles aus dem Hut hervorgezaubert, was im deutschen Kino steckt! Die Vergangenheit auf so beeindruckende Weise bewältigen zu wollen, das hätte doch mal in Hollywood den Oskar verdient gehabt! Aber nein, das können die Amerikaner als Kriegsgewinner natürlich nicht tun, dabei ist die Atmosphäre so beklemmend, so mitreißend, das man sich richtig in die damalige Zeit nach Berlin zurück versetzt fühlt, Mitgefühl entwickelt und einfach in diesen Film hinabtauchen kann und sich mitreißen lassen kann... dafür sorgen die bedrohliche Musik, die tolle Bildqualität, die ausgefeilten und messerscharfen Dialoge, die angespannte Stimmung in Hitlers Bunker und der charismatische Professor Schenk. Die Verzweiflung von allen ist regelrecht zu spüren und liegt in der Luft. Außer Goebbels und Hitler haben alle Angst, aber die beiden sind so versteift auf den Nationalsozialismus und haben solche ellenlangen Scheuklappen, das Goebbels es sogar zulässt das seine Frau die gesamte Familie ermordert, bevor er sie erschießt und dann sich selbst und Hitler die Politik der verbrannten Erde auf das deutsche Volk anwenden will und es als das rassisch schlechtere bezeichnet, weil es den größenwahnsinnigen 2-Fronten-Krieg verloren hat! Das ist alles so unglaublich, aber tatsächlich passiert. Das muss man sich mal klarmachen! Wieso sollte man solche bahnbrechenden historischen Geschehnisse nicht auf die Leinwand bannen? Nochmal richtig punkten kann der Film schließlich am Ende beim quasi-Showdown, wo die Russen einmarschieren und den Platz leer räumen und die Deutschen keinen Widerstand leisten. Die Szene, wo Traudl Junge durch die rote Armee Hand in Hand mit dem blonden deutschen Jüngling läuft ist derartig packend inszeniert.. das ist schon wahre Kunst. Der besoffene SS-Mann Fritz ist auch einfach nur zum Brüllen komisch und zeigt die Komik der Nazi-Führerriege, wie sie da am Ende des Krieges besoffen und handlungsunfähig... sozusagen auf den eigenen Tod wartend im Bunker hockte und nichts mehr gegen den Untergang tun konnte. Dieses ganze Spektakel, auch mit der Hin- und Hergerissenheit der Protagonisten (z.B. bezüglich Adolf Hitlers Führungsqualitäten und Entscheidungen), die aufkeimende Verzweiflung, die Härte mit der sich die SS Männer und Wehrmachtsgeneräle liquidierten (im Hintergrund stand der absolut mächtige und feste Glaube an den Führer, an das nationalsozialistische und rassistische Deutschland und der Glaube an den Endsieg!), die Kälte, mit der Frau Goebbels ihre Kinder tötet und die Tragödie und den kleinen deutschen Jungen Hans (nebenbei noch die detailiert erzählte Geschichte rund um Professor Schenk), all diese Sachen machen den Film einfach nur absolut phänomenal. Wie man sieht, hat er alles was ein guter Film braucht: Unterschiedliche Charaktere, die für die Charaktervielfältigkeit schon gut skizziert und gezeichnet werden, historisches Wissen auf dem er basiert, gute Effekte, sehr gute Schauspielleistungen, eine packende Handlung an einem fesselnden Ort, Ereignisreichhaltigkeit, Spannungsaufbau so gut es bei Historienfilmen eben geht (bei denen eh immer schon viel vorhersehbar ist!) und eine berührende Dramaturgie zu einer sensiblen und spezifisch deutschen Thematik! Was will man denn nur mehr von dem Film erwarten? Er ist schlichtweg einer der größten deutschen Filme schlechthin! Bei dem brisanten Stoff und der gelungenen Inszenierung und Verfilmung davon... das sprengt jeden Rahmen und toppt Werner Herzog, Rainer Werner-Fassbinder und Wim Wenders Filme allemal, auch wenn die Thematiken und Macharten nicht so sehr zu vergleichen sind, aber diesen Film muss man einfach gesehen haben! Der ist quasi schon ein Teil der Allgemeinbildung und dürfte und sollte auch niemandem mehr aus dem Gedächtnis gehen, so wichtig wie er ist...
omaha83
omaha83

79 Follower 202 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 25. Februar 2010
ein wichtiger film der einfach nur zeigt wie die letzten tage des 3. reiches in berlin, speziel im führerbunker ausgesehen haben könnten......ein stark aufspielender cast und erschütternde bilder.....bruno ganz passt einfach genial
Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 18. März 2010
Oliver Hirschbiegels Film "Der Untergang" schildert in spannender, fesselnder Weise die letzten zwölf Tage des deutschen Reiches sowie das Ende des zwiten Weltkrieges. Hitlers Wahnsinn, der verzweifelte Überlebenskampf der Berliner Zivilbevölkerung, die vielen, beklemmenden Stunden im Führerbunker. Und letztlich kann man nur eines sagen: Dieser Film ist ein Meisterwerk, wohl einer der besten, deutschen Filme aller Zeiten! Das liegt zum einen wohl an der authentischen Machart des Films, d.h, dass er zwar zu 80 Prozent aus Szenen besteht, die sich im Führerbunker abspielen, aber immer wieder kleinere Szenen eingeblendet werden, die die Grausamkeit dieses Macht-Regimes in aller Ausführlichkeit und Authentizität beschreiben, aus der Sicht eines kleinen Jungen, der zwei Panzer abgeschossen hat und der nicht auf seinen Vater hören und endlich nach Hause flüchten will.

Zum anderen liegt es aber an der fundamentalen, großartigen Besetzung. Wohl die besten deutschen Schauspieler überzeugen hier ultimativ, allen voran Bruno Ganz, der Adolf Hitler so authentisch und lebensecht zeigt, wie selten ein Schauspieler zuvor (auch wenn es natürlich sehr mutig ist, Adolf Hitler als einen Menschen zu spielen, der zwar vom Wahnsinn geprägt ist, aber trotzdem noch in der Lage ist, zu lieben oder Gefühle zu hegen, seinem Hund und seiner Frau gegenüber), sowie Corinna Harfouch, die Magda Goebbels, die Frau des Propagandaminister Goebbels, der überzeugend von Ulrich Matthes gespielt wird,spielt. Ihre Szene, in der sie ihre eigenen Kinder umbringt, ist wohl das emotionale Epi-Zentrum dieses Films. Mit unglaublicher Härte und Kälte brilliert sie und macht sich damit im deutschen Film unsterblich. Aber auch Juliane Köhler (Eva Braun), Heino Ferch (Albert Speer), Ulrich Noethen (Heinrich Himmler) und Thomas Kretschmann (Herrmann Fegelein) überzeugen in ihren Rollen. Einer der besten Filme überhaupt!
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