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    Inglourious Basterds
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    10 Kritiken
    Kino:
    Anonymer User
    5,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Es war einmal, in einem von Nazis besetzten Frankreich: ein Trupp in Ungnade gefallener jüdischer US-Soldaten, genannt die Basterds, skalpiert sich durch die deutschen Besatzer. Währenddessen plant die Jüdin Shosanna ihre ganz persönliche Rache am diabolischen SS-Mann Hans Landa, der ihre Familie ermordet hat. Eine große Filmpremiere in ihrem Provinzkino, zu der sämtliche Oberhäupter des Nazi-Regimes erwartet werden, bietet ihr Gelegenheit zur Vergeltung. Doch auch die Basterds bekommen Wind von der Veranstaltung...

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    Quentin Tarantino hat sich seit 1992 und seinem Debüt „Reservoir Dogs“ ein kurioses filmisches Universum an völliger Subjektivität zusammengezimmert, hat so viele Konventionen über den Haufen geworfen, dass nach Werken wie „Pulp Fiction“ (1994) oder „Kill Bill Vol. 1 & 2“ (2003/04) kein Stein mehr auf dem anderen lag. Tarantinos Bedeutung und Wichtigkeit für das Medium Film, für das Erlebnis Kino ist dabei immer auch messbar an der Bedeutungs’losigkeit‘ vieler seiner im Akkord filmenden Kollegen. Solchen, die ihre Drehbücher anhand von Ratgebern verfassen und Worte wie ‚Dramaturgie‘ und ‚Charakterentwicklung‘ erst in Wörterbüchern nachschlagen oder googeln müssen, um jene Ratgeber überhaupt entschlüsseln zu können. Solchen, die ihre Kamera stets genau dort positionieren, wo es ihnen unzählige Filme vor ihnen als ‚richtig‘ erklärt haben, solchen, die die Trends nicht setzen, sondern sie kopieren und der Massenverträglichkeit wegen ausschlachten. Tarantino ist in diesen Punkten anders, ungezogen, könnte man sagen. Zwar in all seiner Zitierfreude und Ehrerweisung an von ihm geschätzte Werke viel weniger innovativ, als es oft den Anschein hat, denn schließlich kann kaum jemand ausnahmslos alles gesehen haben, an das er sich anlehnt und jeden Wink verstehen. Doch letztlich ist Tarantino immer aufregend und in verdienter Weise diskussionswürdig, ob nun für Hardcorefans, die selbst aus einer Fliege, die im Hintergrund einen Schiss setzt noch eine geniale Remineszenz herauszulesen wissen, oder für jene Dauerbeschuss-Kritiker, die in Tarantino unbedingt einen krankgeistigen Perversen sehen wollen und sich schulterklopfend dazu beglückwunschen, kein Fan von so etwas zu sein.

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    Tarantino macht indes unbeirrt weiter, sieht sich pro freiem Tag wohl mehr Filme an, als er selbst bisher gedreht hat und bringt nun nach jahrelanger Entwicklungs-, Schreib- und Umschreibphase die heiß ersehnte WWII-Schlachtplatte „Inglourious Basterds“ in die Kinos. Seine Version eines ‚men on a mission‘-Kriegsfilms in Anlehnung an US- und italienische Produktionen der 60er und 70er Jahre (wie „Das dreckige Dutzend“, 1967; oder der titelsgleiche „Inglorious Bastards“, 1978), gemischt mit Zutaten des Spaghetti-Westerns und deutscher Produktionen aus den 20er und 30er Jahren (wie etwa Fritz Langs Klassiker „Metropolis“, 1927), feierte in Cannes Premiere und wurde verhalten bis durchwachsen aufgenommen. Von massiven Kürzungen war im Anschluss die Rede, stattdessen ist die Kinoversion nun sogar um einige zusätzliche Minuten länger ausgefallen – und bietet wieder einmal allen Fraktionen reichlich Gesprächsstoff. Was nach allem Gebrüll über und von „Inglourious Basterds“ übrigbleibt ist in jedem Fall, so viel sei schon einmal verraten, ein sensationeller Film.

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    Titelgebung und Propagandamaßnahmen (oder auch schlicht Marketing) führen einigermaßen in die Irre, denn weder steht der Werbefrontmann Brad Pitt im Zentrum, noch seine Basterds insgesamt. Die Story ist vielmehr in fünf Kapitel unterteilt, von denen das zweite den Titel des Films trägt. Aber beginnen tut alles ganz anders. Im ersten Kapitel ‚Once upon a time... in Nazi occupied France‘, sucht SS-Standartenführer Hans Landa den Hof des Milchbauern Lapadite auf, um eine Formalität zu erledigen. Und nach wenigen Minuten und einigen Sätzen ist klar, wem „Inglourious Basterds“ gehört: Christoph Waltz. Eine bessere Artikulation und Verkörperung seiner geschliffenen Dialoge hat Tarantino bisher nie präsentieren können. In seiner schneidigen Wort- und Sprachgewandtheit liefert Waltz eine Performance, die den Atem stocken lässt. Landa ist dabei meilenweit davon entfernt, ein stumpfer Schlächter zu sein, mit ihm ist Tarantino in Sachen Charakterisierung und Psychologisierung ein unumstößliches Bravourstück gelungen. Waltz bereitet mit seiner Höflichkeit, die er nur um Nuancen hin zur Bedrohlichkeit verschieben muss, ein so greifbares Unbehagen, dass die eigentlich ruhige und nur aus dem Gespräch des SS-Mannes und des Bauern bestehende Szene enorme Spannung aufbaut, die sich in Landas volle Grausamkeit entlädt. Kaum etwas hat Tarantino bisher besser geschrieben und inszeniert, als dieses erste Kapitel.

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    Kapitel Zwei, ‚Inglourious Basterds‘, ist das brutalste des Films. Pitt schwört seine Truppe ein und diese kennt keine Gnade, skalpiert die feindlichen Soldaten, was in aller Deutlichkeit gezeigt wird, und verbreitet Angst und Schrecken unter den Nazis. Wie bei Tarantino üblich hält die Gewalt in diesem Abschnitt mit galligem Humor Händchen, dazu gesellt sich mit dem völlig überzogenen Auftritt von Martin Wuttke als Adolf Hitler ein beißender Schuss Satire. Als ob der Taten der Basterds zürnenden Derwisch zeigt er den Führer, dürfte damit wohl die umstrittenste Figur des Films werden, wenngleich dem Wahn(witz) des NS-Regimes ein anderer Zugang in die Parallelwelt von "Inglourious Basterds" möglicherweise gar nicht hätte gelingen können. Mit der Fiktion seiner Figuren legitimisiert Tarantino die Darstellung der realen Personen und geht mit diesem Ansatz vielleicht keinen zwangsläufig richtigen, aber einen möglichen Weg, um auch einer der größten Schattenseiten der Menschheitsgeschichte begegnen zu können.

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    Die Basterds kommen in Sachen Feinzeichnung gegen Landa zwar nicht an, der harte Haufen macht aber einfach Laune, allein Pitts Unterhaltungswert liegt weit oben, als Baseballschläger schwingender Bärenjude macht „Hostel“-Fragwürdigkeit Eli Roth ebenfalls Eindruck und selbst Til Schweiger, dem sogar ein schmucker Freeze Frame samt Namenseinblendung und kurzer Flashback gegönnt wird, passt mit grimmigem Gesicht. Die kernigen Dialoge zielen in eine ganz andere Richtung, als der hintergründige Beginn, halten das Niveau aber dennoch hoch und „Inglourious Basterds“ gelingt ein toller Einstieg, der bereits reichhaltiger und erlebenswerter ist, als der gesamte bisherige Blockbuster-Sommer 2009 zusammen.

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    Das dritte Kapitel nennt sich ‚German night in Paris‘ und macht einen Zeitsprung von drei Jahren. Shosanna, die einzige Überlebende des Bauernhof-Massakers, betreibt mittlerweile ein kleines Kino und lernt eines Abends den Deutschen Frederick Zoller kennen, der ihr charmant und leicht unbeholfen den Hof macht. Erst später erfährt Shosanna, dass Zoller ein Kriegsheld ist, der von einem Glockenturm aus in drei Tagen 300 amerikanische Soldaten getötet hat und nun von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels zum Star des Kinofilms Stolz der Nation gemacht wurde. Aus (unerwiederter) Zuneigung zu Shosanna kann Zoller Goebbels überreden, die Premiere des Films in ihrem Kino stattfinden zu lassen. Zuständig für die Sicherheit der Veranstaltung: Hans Landa. Die erste Hälfte dieses Kapitels büßt zunächst einiges an Tempo ein, das Gebalze des von Daniel Brühl gespielten Zoller ist lapidar, doch mit Landas Auftauchen ist sofort wieder Zug im Geschehen. Mélanie Laurents Spiel, sie beim Unterdrücken von Hass und Wut und Abscheu zu beobachten, setzt einen perfekten Kontrast zu Waltz‘ zuvorkommender Freundlichkeit.

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    ‚Operation Kino‘, das vierte Kapitel, mutet zunächst wie das unspektakulärste an. Der britische Geheimdienst hat von der Kinopremiere erfahren und entsendet Archie Hicox zu den Basterds, mit deren deutschen Mitgliedern er sich mit der Schauspielerin und Geheimagentin Bridget von Hammersmark treffen soll. Doch der für sicher gehaltene Treffpunkt in einer Kellerbar offenbart ein Problem, denn er ist voll von deutschen Soldaten, die ihren freien Abend genießen. Die Nazis und von Hammersmark spielen zunächst ein Spiel, bei dem es die Person zu erraten gilt, die einem auf einen Zettel geschrieben vorm Kopf klebt. Die Runde ist ausgelassen, einer der Soldaten feiert sein Vaterglück und alle sind begeistert von dem Filmstar in ihrer Mitte. Dann tauchen Hicox und die Basterds auf. Was Tarantino aus dieser Situation konstruiert, ist eine der großartigsten Sequenzen von „Inglorious Basterds“. Von Hammersmark und ihre drei Komplizen wollen gerade den Plan besprechen, als der von August Diehl gespielte SS-Sturmbannführer Hellstrom auftaucht, sich zu ihnen setzt und sich über Hicox seltsame Aussprache wundert. Als er vorschlägt, das Spiel der Soldaten aufzugreifen, leitet Tarantino damit einen Suspense-Moment erster Güte ein, bei dem Diehl und der von Michael Fassbender gespielte Hicox einander auszustechen versuchen, was mit einigen auf Hoden gerichtete Waffen und schließlich in einem radikalen Blutbad endet, welches sämtliche dramaturgischen Regeln austanzt.

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    Im fünften Kapitel, ‚Revenge of the giant Face‘, finden die Handlungsstränge um die Basterds und Shosanna zusammen. Hier zündet gleich zu Beginn der großartigste Gag des Films, wenn Aldo Raine und seine Männer sich als Italiner ausgeben, dem einwandtfrei auf Italienisch palierenden Landa vorgestellt werden und Pitt mit breitestem Südstaatenakzent nur einige Brocken zustande bringt. Der Schlussakt ist dann auch wahrlich der Höhepunkt von „Inglourious Basterds“. Wie Tarantino den Racheplot um Shosanna und jenen um den Auftrag der Basterds letztlich auflöst, wohin er seine Charaktere letztlich treibt, ist teils bitter, teils verblüffend und stellt die Historie endgültig auf den Kopf, wobei sich der Film ja ohnehin von Beginn an als pures ‚What if‘-Spektakel versteht und dementsprechend weit geht.

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    Fünf Kapitel, ein Film. "Inglourious Basterds" ist in jedem seiner Teile und als Gesamtstück ein Meisterwerk. So simpel die Story zunächst anmutet, so vielschichtig setzt Tarantino sie besonders über die Charaktere um, auf verwinkelte Erzählmanöver verzichtet er gänzlich und hat sie dank der ausgefeilten Leistungen seines Ensembles auch nicht nötig. Christoph Waltz ragt zwar heraus mit seiner aufsehenerregenden Performance, auf der Stufe unter ihm tummelt sich aber ebenfalls geballte Klasse, aus der nicht mal die zuvor als potenzielle Störfaktoren ausgemachten Schweiger und Diane Kruger herausfallen. Bei letzterer kann man sich zwar nicht ganz sicher sein, was da schauspielerisch tatsächlich gewollt oder einfach nur nicht besser gekonnt ist, aber wirklich schlecht spielt sie nicht. Handwerklich ist der Film in allen Bereichen bestens gelungen, sei es die Ausstattung, Robert Richardsons mal beinahe intime, dann wieder elegante und schwungvolle Kameraführung, oder die standesgemäß passgenaue Songauswahl. „Inglourious Basterds“ ist ein Kino-Größtereignis, dem man so viel mehr abgewinnen kann, als pures Entertainement, obwohl Tarantino ihn näher daran positioniert, als man hätte vermuten können. Keine Minute zu lang, keine Szene zu viel und insgesamt ein Film, der sich vor vielem verbeugt und der selbst am Ende die tiefste Verbeugung verdient.

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    komplette Review siehe http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=418824324&blogId=506501459
    Blinder
    Blinder

    User folgen 3 Follower Lies die 14 Kritiken

    1,5
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Der Film hält nicht, was es verspricht. Was sollte das für eine langweilige Angangsszene? Wenn man die Werbung sieht, denkt man, es erwartet einen ein Actiongeladener Film. Dabei gibt es vielleicht 3 oder vier Kampfszenen.

    Aber das schlimmste ist, was so ein Film aussagt: Man darf Menschen töten, die es verdienen. In diesem Film sind die Bösen die Guten. Wehmachtssoldaten waren nicht alle Nazis (Bin kein Deutscher sondern Türke). Warum wird dann ein deutscher Offizier der wegen Tapferkeitmedailler trägt brutal mit dem Baseballschläger getötet, nur weil er seine Kameraden nicht verrät?

    Ein ganz gefährlicher Film. Jemand der so einen Film sieht könnte daraus vielleicht lernen, das die Bombardierungen von Afghanistan und Irak gerechtfertigt sind, weil die Menschen Terroristen sind und den Tot verdienen.



    Tarantino verliert den Boden unter den Füßen.
    Chris D. Troublegum
    Chris D. Troublegum

    User folgen 5 Follower Lies die 45 Kritiken

    5,0
    Veröffentlicht am 21. Januar 2020
    Sich ein Filmgenre herauszupicken, dieses aufzubrechen und sich darin ein gemütliches Plätzchen zu suchen, von dem aus man etwas Neues, Innovatives erschafft – das ist Quentin Tarantinos Berufung. Egal ob „Rerservoir Dogs“, „Kill Bill“ oder sein ultimatives Meisterwerk „Pulp Fiction“: den geläufigen Hollywood-Regularien hat sich das ewige enfant terrible der amerikanischen Filmbranche noch nie unterworfen. Daher brodelte die Gerüchteküche, als der Kultregisseur, der sich einst seine Brötchen hinter der Theke eines Videoladens verdiente, seinen neuen Film „Inglourious Basterds“ (der Schreibfehler ist übrigens beabsichtigt!) nach der Festivalpremiere von Cannes einem Neuschnitt unterzog. Hatte Tarantino da etwa auf Drängen seines Produzenten Harvey Weinstein die fertige Fassung aus marketing-technischen Gründen um einige Minuten gekürzt? Derlei Spekulationen waren jedoch rasch verflogen, als das Multitalent öffentlich bekundete, lediglich ein Feintuning aus eigener Initiative vorgenommen zu haben. Und tatsächlich ist die überarbeitete Kinoversion der „unrühmlichen Mistkerle“ sogar minimal länger als der Cannes-Cut. Der Film selbst, von einigen Juroren etwas primitiv als „jüdische Rachefantasie“ bezeichnet, ist eine hinreißend absurde, verdammt unterhaltsame Farce, in der sich Tarantino die Freiheit nimmt, die historischen Begebenheiten um den Zweiten Weltkrieg nach Belieben umzuschreiben. Brillanter Nonsense als zeremonielle Metapher auf die Macht des Kinos.

    Ganz in der Tradition tragikomischer Bühnenstücke entfaltet sich die Handlung des Films in fünf Akten respektive Kapiteln:

    Kapitel Eins – Es war einmal... im von Nazis besetzten Frankreich: Ein Auftrag führt den eloquenten, aber sadistischen Nazi-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz) zu der Farm des einheimischen Molkereibauern Perrier LaPedite (Denis Menochet), der im Verdacht steht, eine untergetauchte jüdische Familie im Keller seines Hauses zu verstecken. Bei einem Glas Milch und einer Pfeife kommen die beiden ins Gespräch. Landa redet eine Weile sanftmütig auf den Bauern ein, bis er seine Maske schließlich fallen lässt und die unter dem Holzfußboden kauernden Juden ohne mit der Wimper zu zucken von seinen uniformierten SS-Schergen exekutieren lässt. Eine junge Frau namens Shosanna kann dem Mordanschlag knapp entrinnen und flieht in die Felder. Kapitel Zwei – Inglourious Basterds: Eine Spezialeinheit von jüdischstämmigen GIs, die „Basterds“, unter der Führung von Lieutenant Aldo „dem Apachen“ Raine (Brad Pitt) ist hinter die feindlichen Linien vorgedrungen. Raine fordert seine Mannen in einer Ansprache dazu auf, dass jeder von ihnen ihm hundert Naziskalps als Trophäen bringen soll. Ein Teil der deutschen Soldaten wird derweil vom gefürchteten „Bärenjude“ Sgt. Donny Donowitz (Eli Roth) mit dem Baseballschläger zu Klump gehauen. Wer von den Nazis sich kooperativ zeigt, kommt zwar mit dem Leben, nicht aber ohne ein in die Stirn geritztes Hakenkreuz davon.

    Kapitel Drei – Deutsche Nacht in Paris: Die Jüdin Shosanna (Mélanie Laurent), mittlerweile eine erwachsene Dame, betreibt inzwischen ein Lichtspielhaus im Zentrum von Paris. Als der deutsche Kriegsheld und Kinostar Fredrick Zoller (Daniel Brühl) den Propagandaminister Joseph Goebbels (Sylvester Groth) dazu überredet, die Uraufführung seines neuen Films „Stolz der Nation“ ausgerechnet in ebenjenes Lichtspielhaus zu verlegen, ist für Shosanna endlich eine Gelegenheit in Sicht, sich an den Mördern ihrer Familie zu rächen. Kapitel Vier – Operation Kino: Das Filmsternchen Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) soll den deutschsprachigen Basterds Hugo Stiglitz (Til Schweiger) und Cpl. Wilhelm Wicki (Gedeon Burkhard) dabei helfen, sich in die geplante Premiere zu schmuggeln. Leider kommt alles anders als gedacht, als ein harmloses Kneipenspiel, bei dem jeder Beteiligte den Namen einer berühmten Persönlichkeit erraten muss, der auf einem an ihre Stirn gehafteten Klebezettel steht, in eine tödliche Orgie ausartet. Kapitel Fünf – Die Rache des Riesengesichts: Etliche Rollen von hoch brennbarem 35mm-Nitratfilm, die Shosanna während der Filmvorführung entzünden will, sollen das gesamte Hitler-Regime in ein Häuflein Asche verwandeln. Die Falle ist gespannt...

    Etwa zehn Jahre soll das Manuskript zu der irrwitzigen Weltkriegsfabel in Tarantinos Schreibtischschublade verstaubt sein. Da die umfangreiche Erzählung nach Aussage des Regie-Wunderknaben nämlich genügend Stoff für eine zwölfteilige Miniserie bereitgehalten hätte, musste zunächst ein Weg gefunden werden, wie man das Ganze auf einen zweieinhalbstündigen Kinofilm straffen kann. Erst im vergangenen Jahr könnte der Startschuss für die Dreharbeiten des 70 Millionen Dollar teuren Streifens gegeben werden, die unter anderem in den Babelsberger Studios zu Berlin und im sächsischen Görlitz über die Bühne gingen. Auch wenn für den Film inoffiziell Robert Aldrichs „Das dreckige Dutzend“ Pate gestanden haben muss, basiert „Inglourious Basterds“ lose auf Enzo G. Castellaris italienischem Trashreigen „Ein Haufen verwegener Hunde“ (1978), dessen Hauptakteure Cheech Marin und Fred Williamson von Tarantino später für seinen Gangster- und Vampirreißer „From Dusk Till Dawn“ verpflichtet wurden. Folgerichtig saugt „Inglourious Basterds“ den Geist alter Spaghettiwestern in sich auf – von den sarkastischen Onelinern zwischen den von brachialer Soundkullisse erfüllten Feuergefechten bis hin zum pompös-orchestralen Score von Urgestein Ennio Morricone, der bereits für über 500 Filme den Taktstock geschwungen hat.

    Mit diebischer Freude lässt Tarantino die Erwartungen der Fans einmal mehr ins Leere laufen. „Inglourious Basterds“ weigert sich strikt, sich in irgend eine spezielle Schublade stecken zu lassen. Obwohl der Film sich offensichtlich am staubtrockenen, lakonischen Charme schmutziger Eurowestern orientiert, laufen die messerscharfen Dialoge – jeder einzelne ein Highlight für sich – diesem Ansatz konsequent zuwider. Dabei ist der von einer kontinuierlichen (An-)Spannung durchzogene Prolog, in dem Judenschlächter Landa rund zwanzig Minuten zweideutig um den heißen Brei herum redet und mit dem bemitleidenswerten Bauern verbalen Pingpong spielt, das Eintrittsgeld schon ganz allein wert. Tarantino zelebriert solche Szenen bis zum Exzess, kostet sich bis ins kleinst Detail genussvoll aus und zieht auf tollkühne Weise alle Register seiner grenzenlosen Fantasie. Die von maßgeschneiderten Sommerblockbustern verwöhnten Mainstream-Aficionados werden ob solcher vereinnahmender Eigenwilligkeiten – wie schon bei „Death Proof“ - zwar verschreckt die Stirn runzeln, doch kann man Tarantino nur schwer Selbstverliebtheit unterstellen, solange das Zusehen derartiges Vergnügen bereitet wie hier. Urkomisch die Szene, in der sich Raine und Donowitz im Foyer des Kinos als Südländer ausgeben und mit behelfsmäßigen Brocken Italienisch über Wasser halten, bevor sie mit dieser Lüge eine böse Bruchlandung erfahren.

    Auch die täuschend authentisch wirkende Kriegsfilmverkleidung nutzt Tarantino lediglich als Plateau, um seine unbändige Liebe zum Kino abermals hinreichend zu demonstrieren. Dass Adolf Hitler und seine Gefolgsleute wie Göring, Goebbels & Co. Hier ausgerechnet durch leicht entflammbares Zelluloid zu Tode kommen, spricht Bände. Tarantino ist ein hoffnungsloser Filmverrückter, dem das Kino seit Kindertagen in den Adern fließt. Daher sei ihm natürlich auch die Lizenz für die eine oder andere Abänderung in den fest verbindlichen Geschichtsbüchern erteilt. Mit Selbstreferenzen und Querverweisen hält der Meister indes auch in seinem neuesten Streich nicht hinterm Berg: Brad Pitts Figur Aldo Raine nimmt etwa unmittelbar Bezug auf Aldo Ray, den Star zahlloser billiger B-Movie-Schinken der 50er Jahre. Der von „Hostel“-Regisseur Eli Roth verkörperte „Bärenjude“ Sgt. Donowitz ist ein Namensvetter des Filmproduzenten Lee Donowitz aus „True Romance“. Der Name des Rekruten Wilhelm Wicki ist eine Anspielung auf Bernhard Wicki, den deutschen Nachkriegsregisseur und -schauspieler. Dazu übernimmt Tarantino ein Musikstück aus „Kill Bill“ und kopiert offenbar ganze Kamerafahrten und -einstellungen seines zweiteiligen Racheepos`, inklusive eines Schwenks aus der Adlerperspektive über die Flure von Shosannas Kino, der jenem über das Interieur des japanischen Teehauses ähnelt, in dem Uma Thurman die „Verrückten 88“ mit ihrem Samuraischwert zum Todesballett bittet. Einen besonderen Platz räumt Tarantino darüber hinaus dem deutschen Kino der 30er und 40er Jahre ein. Huldigungen einstiger UFA-Größen wie Emil Jannings, Georg Wilhelm Pabst und Leni Riefenstahl, auf die Tarantino große Stücke setzt, ziehen sich durch den gesamten Film.

    Dass das querdenkenden Mastermind aus der Stadt Knoxville im Bundesstaat Tennessee in den gut siebzehn Jahren seiner Regisseurslaufbahn schon einigen in der Versenkung verschwundenen Stars zu Sensations-Comebacks verholfen hat, ist bekannt. Sei es nun John Travolta („Pulp Fiction“), Kurt Russell („Death Proof“) oder auch Blaxploitation-Heroine Pam Grier („Jackie Brown“). Dass ein Til Schweiger trotz angestrengter Gehversuche in Hollywood nie richtig dort Fuß fassen konnte, daran wird sich wohl auch durch „Inglourious Basterds“ nicht viel ändern, auch wenn der gebürtige Freiburger als Nazijäger mit unruhigem Finger am Pistolenabzug wunderbar gegen den Strich besetzt ist. Brad Pitt schafft mit dem verwegenen Anführer der „Basterds“ einen weiteren ikonografischen Charakter und kann in Sachen Coolness an goldene „Fight Club“-Zeiten anknüpfen, wobei die Rolle des Aldo Raine die des demoralisierenden Seifenverkäufers Tyler Durden zumindest in Schrägheit und Wortwitz noch übertrifft. Die herablassenden „Kosenamen“, die sich Lt. Raine für die verhassten Nazifeinde ausdenkt, sind herrlich originell. Und auch die restlich deutsche Schauspielgarde gibt sich keine Blöße und ist neben den an vorderster Front auftrumpfenden Herren Brühl, Diehl und Burkhard bis in die Statistenrollen hinein prominent besetzt. Die vielerorts gescholtene Diane Kruger muss im direkten Vergleich mit ihren deutschen (und internationalen) Kolleg(inn)en zwar etwas zurückstecken, ist aber beiweitem nicht so schlecht, wie es in der Fachpresse zu lesen war.

    Als echte Entdeckung erweist sich Mélanie Laurent, die sich als neue Muse Tarantinos problemlos ins Rampenlicht katapultieren dürfte. Mit eng anliegendem roten Kleid, mondänem Gesichtsschleier und Zigarettenspitze wirkt der französische Shootingstar nicht nur äußerlich wie eine femme fatale der „Schwarzen Serie“, im furiosen Schlussakt, einer Art Mexican Standoff im Dritten Reich, macht sie diesem Titel auch inhaltlich alle Ehre. Und Tarantino, der Madame Laurent mit der Kamera regelrecht umschmiegt, belegt mal wieder eindrucksvoll sein Händchen für absolute Idealbesetzungen. Getoppt wird das alles noch vom Österreicher Christoph Waltz, vor dessen Leistung man sich eigentlich nur ehrfurchtsvoll verneigen kann. Waltz bewegt sich als intellektueller, welt- und wortgewandter SS-Vollstrecker Hans Landa mit Bravour auf der Schnittstelle zwischen gefasstem, überlegtem (Kriegs-)Taktiker mit hoher Menschenkenntnis und brutalem, größenwahnsinnigem Soziopathen, der so ganz anders ist als man sich einen herkömmlichen Nazi vorstellt. Landa verhöhnt das diktatorische Regime, er steht sozusagen über ihm. Er ist ein abgehobener Machtfetischist, der seinen niederträchtigen Job als Mittel zum Zweck missbraucht, um sich selbst zu inszenieren, in den Mittelpunkt zu rücken. Waltz, der als verdienten Lohn für sein schauspielerisches Husarenstück bereits den Darstellerpreis in Cannes bekam, ist, wenn es so etwas wie Gerechtigkeit auf dieser Welt gibt, auch ein heißer Kandidat für die kommende Oscar-Verleihung.

    Summa summarum: „Inglourious Basterds“ ist ein definitives Muss im Kinojahr 2009! Die grandiose, ungezügelte, vor durchgeknallten Ideen und Finessen überschäumende Weltkriegsmär mit einem Schuss Italowestern nimmt weder auf die Erwartungshaltung der breiten Masse noch auf historisch belegte Fakten Rücksicht – und macht gerade deshalb enormen Spaß. Trotz mancher klitzekleiner „Flüchtigkeitsfehler“ bei der Homogenisierung der einzelnen Episoden, die dem Meister aufgrund seines begeisternden Wagemutes aber blind verziehen werden, ist der neue Tarantino ein erfrischender Geistesblitz mit einem Hauch von Genialität. Popkultur meets World War II, Pulp noir und Spaghettitrash – das mundet!
    soulface
    soulface

    User folgen 6 Follower Lies die 67 Kritiken

    5,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Ich gehöre zu den wenigen Leuten hier auf diesen Planeten die absolut KEIN tarentino Fan sind, aber dieser Film haute mich echt um..Von der ersten bis zur letzten Minute spannend mit genialer musik untermalt..traumhafte Kameraführung mit der excellenten darstellung der Deutschsprachigen darsteller..EIN WAHNSINN!! ALLEINE DIE SZENE WO HITLER UND SEINE MÖRDERHUNDE MASSAKRIERT WERDEN::SCHON ALLEIN WEGEN DIESER SZENE LOHNT ES SICH DIESEN FANTASTISCHEN FILM SICH ANZUSEHEN!! PRÄDIKAT: WERTVOLL.
    Jimmy v
    Jimmy v

    User folgen 281 Follower Lies die 506 Kritiken

    4,5
    Veröffentlicht am 27. Februar 2012
    Die in der Redaktionskritik vorgestellte These Tarantino könne grandiose Einzelszenen erschaffen, doch ließe seine Story hapern, kann man eigentlich als Faustregel fürs Schauen seiner Filme verwenden. Ausgerechnet bei Inglourious Basterds weicht sie etwas auf, wie ich gestern, nach meinem zweiten Schauen des Filmes überhaupt, feststellen konnte. Ich finde, dass der Film damit anders als z.B. Pulp Fiction mit den großen Szenen als Baustein gut zum Finale in Paris übergehen kann und sich so Zeit für alle Figuren nimmt. Ein bisschen schade ist es da nur um Michael Fassbender, der irgendwie schnell wieder weg vom Fenster ist. Der Rest ist aber genial, eben gerade Christoph Waltz. Dazu muss man nicht mehr viel sagen.
    Wenn hier jedenfalls Leute sagen der Film würde nicht geschaut werden, wenn nicht Tarantino draufstünde, so stimmt das durchaus. Hier geht es um die Zelebrierung von Kino, dabei in der Vermischung von mehreren Stilen. Das harmoniert, wird aber von den meisten wohl kaum so deutlich gesehen werden. Für mich aber ist Basterds neben Jackie Brown eigentlich einer meiner liebsten Tarantinos, gerade weil er so hemmungslos sein Setting angeht und konsequent damit tut, was er will.
    rock_soul
    rock_soul

    User folgen 9 Follower Lies die 125 Kritiken

    3,5
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    kein typischer tarantino, gute stellen aber teils zu lang
    Kino:
    Anonymer User
    4,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    "Inglourious Basterds" ist ein wirklich starker und wieder einmal typischer Tarantino-Film geworden. Mit einer genialen Story und den üblichen inszenatorischen Fertigkeiten schafft es Tarantino problemlos den Zuschauer an den Film zu binden. Trotz einiger brutalen Szenen legt er dennoch viel Wert auf die Story und seine Figuren. Nach etwas gemächlichem Beginn nimmt der Film richtig an Fahrt auf und hat einige überraschende Wendungen parat. Schauspielerisch ist der Film ebenfalls auf hohem Niveau und so kann nicht nur Brad Pitt sondern vor allem auch der deutsche Schauspieler Christoph Walzt überzeugen, der eine sensationelle Leistung abliefert.

    Fazit: "Inglourious Basterds" ist ein typischer Tarantino-Film geworden, der alles hält was er verspricht: eine brillante Geschichte, tolle Charaktere und gekonnte Schnitte. Für einen unterhaltsamen Filmabend somit nur wärmstens zu empfehlen!
    Flibbo
    Flibbo

    User folgen 6 Follower Lies die 64 Kritiken

    4,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    Quentin Tarantino, der Autorenfilmer, der die abgenutzte Bezeichnung „Kultregisseur“ verdammt nochmal verdient, hat wieder zugeschlangen. Und –getreten und gewürgt und vieles mehr. Mit „Inglourious Basterds“ begab er sich erstmals in die Weltkrieg-Thematik und damit in für ihn sehr ungewöhnliches Metier, hatten seine bisherigen Regiearbeiten „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, „Jackie Brown“, „Kill Bill“ 1+2 und „Death Proof“ doch eher ein 60er- oder 70er-Jahre-Flair. Wenn Tarantino einen im Dritten Reich angesiedelten Film macht, weiß man natürlich, dass historische wie politische Korrektheit Tarantinos Liebe für Trash, B-Movies und vielfältige Zitate zum Opfer fallen. Und genau das ist es eben wieder, was den Reiz des Films ausmacht.



    Ist das Setting noch so tarantino-untypisch (diesmal fehlt auch die bislang immer verwendete Einstellung aus dem Inneren eines Kofferraumes) – die charakteristische Handschrift des Regisseurs macht sich immer wieder klar bemerkbar, sei es in Form von Schrifteinblendungen, gewissen Kameraeinstellungen, Schnitten, der Konzentration auf Aspekte, die andere Regisseure außer Acht lassen würden oder natürlich der Musikauswahl. Manche dieser Komponenten lassen letztendlich selbst in diesem Film das erwähnte 60er/70er-Jahre-Flair aufblitzen, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass Tarantino einst darüber nachdachte, die Geschichte als (Italo-) Western zu inszenieren. Der vertraut wirkende und vielseitige Soundtrack wirkt in dem nicht so vertraut wirkenden Setting etwas unstimmig. Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, hätte er diese musikalische Varianz nicht beabsichtigt.



    Inszenatorische Stilmittel hin oder her, „Inglourious Basterds“ konzentriert sich auf seine Charaktere. Ein großes Kapitel. Für jene, die sowohl Hollywood- als auch Berlinale-Liebhaber sind, ist der Cast von „Inglourious Basterds“ ein wahrgewordener Traum, sofern man überhaupt auf die Idee hätte kommen können, diesen Traum zu träumen. Da stehen Brad Pitt und Til Schweiger Seite an Seite, da kommt ein Daniel Brühl genau wie ein Mike Myers um die Ecke gestiefelt, und alle sind sie gut aufgelegt. Eli Roth betreibt in seiner Nebenrolle ein klein wenig Overacting, doch es war ohnehin nur die Freundschaft mit Tarantino, die dem Regisseur von „Hostel“ seinen amüsanten Part einbrachte. Die mit Abstand beste Leistung liefert wider Erwarten nicht Pitt sondern der Österreicher Christoph Waltz, der als SS-Judenjäger eine interessante, urkomische und schlichtweg fesselnde Figur abgibt. Über die Liste der Schauspieler ließe sich noch so einiges bemerken; jedenfalls ist es eine Freude, in so einem Film so viel deutsche Prominenz zu sehen. Zum Thema bleibt noch zu erwähnen, dass Mélanie Laurent das unterschwellige Duell der schönen Blondinen gegen Diane Kruger haushoch gewinnt. Außerdem werden Adolf Hitler und Joseph Goebbels überzeugender verkörpert, als man es wahrscheinlich erwartet, nur natürlich nicht ohne einen gewissen Humor.



    Was Dialoge betrifft, kann „Inglourious Basterds“ nicht so auffällig glänzen wie Tarantinos frühere Werke. Doch dafür, dass sich der Film auf historische Begebenheiten und eine Erzählung in fünf Akten stützt, statt aus verschachtelten Episoden mit abgedrehten Charakter-Schöpfungen zu bestehen, sind genug zitier-würdige Zeilen dabei. Von vielen Seiten könnten zudem ein paar Längen im Film bemängelt werden. Das kommt natürlich vor, bei über 150 Minuten Laufzeit. Doch es sei gesagt, dass die ruhigsten Momente im Film meist von subtiler Spannung durchzogen sind, speziell wenn Christoph Waltz‘ Figur anwesend ist.



    Eine Geschichte, die herrlich konsequent und schrill, wenn auch gar nicht mal so trashig ist, wie man es im Vorfeld annimmt, und mithilfe vieler Anspielungen und Zitate etwas ganz Eigenes und Eigenwilliges, lustiges, heftiges und spannendes kreiert, das ist „Inglourious Basterds“. Mit dem sogenannten Originalfilm „Inglorious Bastards“ von 1978 hat das Ganze übrigens überhaupt nichts gemein, bis auf eine lose Inspiration durch die Grundgeschichte. Quentin Tarantinos siebte Regiearbeit, die über viele Jahre hinweg entwickelt und schließlich in Windeseile abgedreht wurde, schafft es in ihrer facettenreichen Unterhaltung nicht durchgehend zu bannen und reißt mit dem Ende niemanden vom Hocker, ist unterm Strich aber stark geworden, womit sie sich in die Reihe der bisher immer mehr als überdurchschnittlichen Werke des Ausnahmeregisseurs eingliedert.
    Horror-Fan
    Horror-Fan

    User folgen 6 Follower Lies die 47 Kritiken

    4,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    In jedem Tarantino fallen einem die speziellen, interessanten Charaktere auf. Bei Inglourious Basterds beschränkt sich dies allerdings auf einen einzigen Protagonisten: Oberst Landa. Oberst Landa ist wohl eine der schleimigsten Ratten, die ich je in einem Film gesehen habe. Christoph Waltz liefert hier eine Meisterleistung ab. Alle anderen Charaktere hingegen bleiben realtiv blass, es fällt schwer Sympathien für sie aufzubauen. Storytechnisch ist der Film natürlich nicht das gelbe vom Ei. Dies würde aber nicht weiter stören, wäre Inglourious Basterds nicht zusätzlich von einigen Längen durchzogen. Der Film ist zwar ganz ordentlich, aber meilenweit von Tarantinos besten Werken entfernt.
    Im grossen und ganzen könnte man sagen, die Szenen mit Landa waren gut, die anderen hingegen weniger.
    krätze
    krätze

    User folgen 5 Follower Lies die 49 Kritiken

    4,0
    Veröffentlicht am 25. Februar 2010
    jaja, über geschmack lässt sich nicht streiten!!!



    ABER über gute filme auch nicht, denn mit geschmack haben gute filme überhaupt nichts zu tun.



    filmemachen ist handwerk und handwerk kann man objektiv bewerten.



    zum besseren verständnis:

    man sagt seinem handwerker tapeziere diese wand mit grüner tapete. nach vollendeter arbeit ist die tapete allerdings gelb.



    der besitzer der wand findet das natürlich gar nicht gut, weil er was ganz anderes erwartet hat und gelb so überhaupt nicht sein geschmack ist. allerdings sitzt die tapete perfekt an der wand, fest verklebt und die bahnen stoßen schön bündig aneinander.



    ALSO:



    gute handwerksarbeit, aber es trifft leider nicht seinen geschmack!



    meine kleines beispiel soll sagen:



    der eine mag grün, der andere gelb. da hat jeder seinen geschmack!

    der eine mag dialoge, der andere action ohne pause!



    die handwerkliche ausführung (drehbuch, kamera, leistung der schauspieler, usw.) hat muss objektiv bewertet werden. erwartungshaltung und persönliche vorlieben hab da überhaupt nichts verloren!



    man kann doch nicht sagen "inglourious basterds" sei schlecht, weil die dialoge zu lang wären und zu wenig passieren würde!!!



    kriegsfilme sind nicht mein bevorzugtes genre, aber diesen wollte ich sehen.

    tarantino und nazis. war doch sehr neugierig! :-)



    und ich fand ihn gut. hervorragende dialoge. größtenteils erstklassige schauspielerische leistungen, "atmosphärisch" und ein paar richtige kracher.



    was mich kurzzeitig ins grübeln gebracht hat, waren die jüdischen basterds selbst! man kennt juden in kriegsfilmen nur als opfer (was sie leider auch waren) und dann setzt einem tarantino in einem kriegsfilm plötzlich brutale nazi mordendene juden vor die nase, die sich genauso verhalten, reden und geben wie ürsprünglich die nazis ihnen gegenüber!!!

    HERRLICH!!

    das musste ich erst auf die reihe kriegen so ungewohnt ist das!



    FAZIT: guter film, de viele schlecht finden werdne, weil sie was anderes erwartet haben













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