„When they catch you, they will kill you. But first they must catch you.“
Richard Adams´ erstes Buch, ist auch bis heute sein populärstes: „Watership Down“ von 1972. Wie auch viele andere sicherlich, lernte ich den Stoff über den Zeichentrickfilm kennen, der gerade mal sechs Jahre später heraus kam und mich teilweise traumatisierte. Es vergingen viele, viele Jahre, bis ich mich an den Stoff wieder heran wagte. Und als ich das Buch schließlich las, wurde mir bewusst, wie berührend und schön diese Geschichte von Hazel, Fiver und Bigwig eigentlich ist. Ich empfehle daher nicht nur das Buch, sondern auch die neuere Graphic Novel von 2023, welche in meinen Augen die wahrscheinlich beste und kraftvollste Adaption ist. Dennoch hinterließ vor allem dieser bekannte Zeichentrickfilm einen bleibenden Eindruck bei mir… In meiner Erinnerung lief der Film in meiner Kindheit (90er und frühe 2000er) im Fernsehen, und zwar nachmittags. Und die düsteren, brutaleren Momente haben mich nachhaltig geprägt. Regisseur Martin Rosen inszenierte hier wie auch Adams sein erstes eigenständiges Werk. „Watership Down“ war sein erster Film und leider auch nur einer von insgesamt dreien, obwohl er noch lebt (Stand 2026). Doch seine Inszenierung war der Vorlage nicht nur sehr treu, sondern auch erstaunlich gerecht. Wie viele frühere Zeichentrickfilme versuchten die Geschichten für Kinder und Familien attraktiv zu machen mit klassischen Gags und Sprüchen? Besonders Disney dürfte da jedem sehr präsent im Kopf sein. Rosen hingegen setzte die Geschichte der Kaninchen bei Watership Down mit erstaunlich viel Respekt und Poesie um. Auch die besondere Atmosphäre des Buches findet sich auch in dem Film wieder, was ich besonders schätze. Und wenn ich den Film als Ganzes betrachte und nicht nur die düsteren Momente (worauf das Werk leider zu oft reduziert wird), dann sehe ich eine wirklich berührende Adaption mit einigen Schwächen, aber vielen Stärken!
Hazel und sein Bruder Fiver wachsen in einer Kaninchen-Kollonie auf, doch sie fühlen sich dort nicht wirklich frei. Die dortige Wache, genannt die „Owsla“, ist sehr strikt mit ihren Regeln. Deswegen beschließen die beiden eines Nachts den Bau zu verlassen, mit ihnen ein paar andere Kaninchen, die ein neues Leben suchen. Doch der Weg in die Freiheit ist schwer und gefährlich, denn Kaninchen sind leichte Beute für alle möglichen Raubtiere, besonders für die Menschen…
Wenn wir über „Watership Down“ reden, dann fragen sich sicher viele: Ist der Film so brutal, wie alle sagen? Ist er was für meine Kinder? Nun, ein Film für Kinder ist das Ganze nicht so ganz, zumindest nicht allein. Offiziell ist das Werk ab 6 freigegeben, aber ich empfehle jedem Elternteil das Werk zusammen mit den Kleinen zu schauen. Es gibt ohne Zweifel einige sehr düstere Momente, wie die Erzählung von Holly als er auf Hazel & Co trifft oder auch das Ende mit General Woundwort. Dabei schätze ich jedoch, dass der Film nie etwas verharmlost. In der Geschichte geht es explizit darum, dass die gesamte Welt für ein Kaninchen bedrohlich ist und demnach lauert auch an jeder Ecke eine Gefahr. Und ja, das Thema Tod wird hier sehr poetisch und manchmal auch direkt behandelt. Aber… genau so etwas brauchen Kinder. Filme für Jüngere können und müssen auch düstere Elemente haben, denn diese können einen jungen Menschen auf eine gute Art prägen. So wird uns schon sehr früh eine realistisches, aber nicht gewaltverherrlichendes Bild der Realität gezeigt. Vor allem zeigt es einfach, dass jedes noch so kleine Leben wertvoll ist, eine Message, die zwar in Kinderfilmen immer wieder zu finden ist, aber nie in dem Umfang wie hier.
Doch schauen wir uns den Film als Ganzes an, denn in meinen Augen ist er eine wirklich starke und berührende Adaption von Adams´ Geschichte. Vor allem die Atmosphäre wurde unfassbar gut getroffen: Die Welt um Watership ist grün, wunderschön, aber auch bedrohlich. Das wird vor allem durch die beachtlichen Hintergründe vermittelt. Die Animationen sind zwar nicht immer auf Topniveau, orientieren sich aber auch immer wieder an etwas surrealeren Momenten. So färbt sich beispielsweise eine Wiese plötzlich rot oder Fiver folgt einem mysteriösen schwarzen Kaninchen. Und für einen Zeichentrickfilm von 1978 sieht das alles dennoch sehr schön aus. Viele feiern ja nach wie vor „Das letzte Einhorn“ von 1982, ebenfalls ein Zeichentrickfilm. Hier jedoch sind mir die Animationen viel zu abgehackt und simpel als dass ich mich auf die Story einlassen könnte.
Nicht nur optisch kann „Watership Down“ also überzeugen, auch die Geschichte an sich ist nach wie vor packend. Dass der Film die Story grundlegend einkürzen musste, ist klar, besonders bei einer Laufzeit von 102 Minuten. Alle großen Punkte von Hazels Reise werden abgehandelt, einige dafür jedoch recht kurz, wie etwa der dubiose Kaninchenbau, der von Menschen gesteuert wird oder auch die Zeit der Möwe Kehaar bei den Kaninchen. Kennt man das Buch, wünscht man sich hier und da schon etwas mehr Zeit mit den Figuren, aber insgesamt funktioniert es. Nur das Ende mit Hazel auf dem Bauernhof wurde quasi gar nicht gezeigt, weswegen hier eine filmische Logiklücke entsteht (wie konnte Hazel der Katze entkommen?).
Das sind für mich jedoch verschmerzbare Punkte, denn im Gegensatz zum Buch, kann der Film mit einer eindrucksvollen Optik und natürlich einem tollen Soundtrack aufwarten. Der Score wurde komponiert von Angela Morley, die Malcom Williamson im Laufe der Produktion ersetzte. Ikonisch ist aber vor allem der wunderschöne Song „Bright Eyes“ von Art Garfunkel, welcher in der wohl berührendsten Szene im Film zu hören ist, jedoch nicht in seiner klassischen Pop-Version in den End Credits, was mich überraschte. Dennoch ist die Kraft dieses Stückes wirklich phänomenal. Umso kurioser, dass Adams selbst den Song offenbar gehasst hat… Well, nobody´s perfect.
Fazit: „Watership Down“ ist eine gelungene, düstere, aber auch wundervolle Adaption des Buches. Ja, es fehlen hier und da einige wichtige Momente und wer die Geschichte deutlich intensiver erleben will, sollte das Buch und/oder die Graphic Novel lesen. Trotzdem ist dieser Zeichentrick-Klassiker eine starke Umsetzung, die mir zwar als Kind eine gewisse seelische Wunde zugefügt, aber mich auch vielleicht auch gerade deswegen in gewisser Weise geprägt hat.