„Oi! Ten thousand years will give you such a crick in the neck.“
Nach dem Mega-Erfolg „Arielle, die Meerjungfrau“ von 1989, war dem Großkonzern Disney klar, dass das Musical-Genre genau das war, was die Leute wieder sehen wollten. Und genau dieser Mix aus Musical und klassischen Zeichentrick-Märchen spielte viel Geld ein. Das Ganze gipfelte zuerst 1991 mit „Die Schöne und das Biest“, einem der besten Renaissance-Filme von Disney. Ein Jahr später folgte dann der nächste große Hit: „Aladdin“, basierend auf dem gleichnamigen Märchen aus „Tausendundeine Nacht“. Unter der Regie von Ron Clements und John Musker (beide hatten schon „Arielle“ gedreht) entstand nicht nur der erfolgreichste Film des Jahres, es gab auch vier Oscarnominierungen (darunter zwei Trophäen für die Musik) und natürlich einen ikonischen Zeichentrickfilm, der unter anderem mit Robin Williams´ Performance im Original als Dschinni zu einem Publikumsliebling wurde. Mittlerweile sind die Jahrzehnte ins Land gegangen, es gab ein grauenvolles Live Action-Remake von 2019 und der Film hat über 30 Jahre auf dem Buckel. Wie hat sich dieser Zeichentrick-Klassiker gehalten? Ich persönlich bin mit dem Film als Kind nicht aufgewachsen, habe ihn aber als Erwachsener bereits viele Male gesehen und verbinde zumindest ein wenig Nostalgie mit dem Ganzen, da ich die Serie damals gesehen habe. Aber auch ohne all das, ist „Aladdin“ immer noch ein sehr unterhaltsames Abenteuer für Groß und Klein.
Der junge Dieb Aladdin muss jeden Tag sein Überleben in Agrabah sichern, in dem er stiehlt. Eines Tages lernt er aber die junge und rebellische Prinzessin Jasmin kennen, die genug vom großen Palast hat. Als er dann noch an eine geheime Wunderlampe gerät, verändert sich sein Leben abrupt…
Ich liebe es, wie dieser Film, im Gegensatz zu „Die Schöne und das Biest“, kein tiefgründiges Werk sein will, sondern einfach ein unterhaltsames und rasantes Abenteuer erzählen möchte. Dabei ist das Script auch heute noch in manchen Momenten sehr progressiv, in anderen dafür weniger. Doch die Figuren sind allesamt charmant und liebevoll, selbst Dschafar als Bösewicht ist witzig, wenn er Aladdins falschen Namen, Prinz Ali, nicht richtig aussprechen kann. Auch Aladdin und Jasmin sind ein gutes und interessantes Liebespaar, das wunderbar die steifen Klischees früherer Liebespärchen aufbricht. Ich finde es zwar schade, dass Aladdin Jasmin mehrmals anlügt und dafür nur wenig Kritik erfährt, aber ansonsten sind beide sehr charmant. Auch Jasmins Rolle als „Trophäe“, was sie selbst im Film kritisiert, wird leider kaum behandelt… Wer deutlich progressivere Filme für Kinder möchte, sollte sowieso zu den Ghibli-Animes aus der Zeit greifen.
Das Highlight ist aber natürlich der Dschinni, der mit seinen flotten Film- und Fernsehen-Referenzen damals das Publikum begeistert hat. Man merkt dem Film dadurch sein Entstehungsjahr sehr gut, immerhin sind die Szenen vom Dschinni voll mit 90er-Gags, die viele heute sicherlich nicht mehr kennen. Aber dennoch funktioniert das Ganze wunderbar und gibt nicht nur der Figur, sondern auch dem Film einen lockeren Touch mit einem Hauch Las Vegas-Vibe, der erstaunlich gut in die Geschichte passt.
Der Voice Cast wurde vor allem durch Robin Williams aufgewertet, aber auch die deutsche Synchronisation ist in meinen Augen fantastisch. Gerade Peer Augustinski, der damals der Stammsprecher von Williams war, gab dem Dschinni in Deutschland eine ganz eigene Note. Für mich ist dies eine seiner besten Synchronrollen überhaupt und zaubert mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht. Zudem kann er wunderbar singen.
Damit kommen wir zur Musik, denn die gewann zwei Oscars. Alan Menken heimste hier seine nächsten Trophäen nach „Die Schöne und das Biest“ ein (und es sollten in den späteren Jahren noch mehr Auszeichnungen für „Pocahontas“ folgen). Zwar finde ich, dass „Nur n´kleiner Freundschaftsdienst“ der beste Song des Films ist, aber immerhin gewann „Ein Traum wird wahr“, sowie auch Menkens Score für den Film. Und das zurecht, denn die Musik ist energetisch, abenteuerlich und stellenweise wunderbar jazzig. Aber auch der arabisch, orientalische Flair kommt gut zur Geltung und gibt den Bildern die nötige Atmosphäre.
Auch die Animationen sind natürlich erste Sahne. Die alten Disney-Zeichentrickfilme hatten eine wunderbare Energie und einen Ausdruck, den man heute beim Mäusekonzern nur noch selten sieht. Nur die 3D-Animationen sind aus heutiger Sicht nicht gut gealtert, geben dem Ganzen aber einen gewissen Charme. Ansonsten sind vor allem die kräftigen Farben ein Genuss und machen „Aladdin“ zu einem optischen Leckerbissen, der auch noch in 50 Jahren gut aussehen wird.
Fazit: „Aladdin“ ist von seiner Story her vielleicht nicht der anspruchsvollste Disney-Film, aber durch den Dschinni und die fantastische Musik ein wirklich unterhaltsames Abenteuer für jede Altersklasse!