Trotz Marvel-Star und Bestseller-Vorlage: Dieser eiskalte Thriller zerstörte beinahe die Karriere seines Regisseurs
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Mit „So finster die Nacht“ und „Dame, König, As, Spion“ konnte Tomas Alfredson zwei Hits vorweisen, die sowohl an der Kinokasse als auch bei der Kritik großen Anklang fanden. Der Nachfolger legte allerdings eine gigantische Bruchlandung hin...

Tomas Alfredson musste lange auf seinen Durchbruch warten: Begonnen hat der Regisseur seine Karriere bereits Mitte der 90er Jahre, doch außerhalb seiner schwedischen Heimat schlug keines seiner Projekte ein. Weder der Kinderfilm „Bert – Die letzte Jungfrau“ (basierend auf der TV-Serie „Bert“, bei der Alfredson ebenfalls Regie geführt hat) noch die Workplace-Komödie „Office Hours“ (die es immerhin bei Netflix zu streamen gibt) erzielten größere Aufmerksamkeit.

Das änderte sich schlagartig, als sich Alfredson im Jahr 2008 des Vampirfilm-Genres annahm: Seine Coming-of-Age-Horror-Romanze „So finster die Nacht“ erhielt überschwängliche Kritiken, lief weltweit erfolgreich in den Kinos und bekam nur zwei Jahre später ein solides US-Remake von „The Batman“-Macher Matt Reeves. Vor allem aber hatte Alfredson nun die Möglichkeit, auch außerhalb Schwedens zu drehen und mit namhaften internationalen Stars zusammenzuarbeiten.

Das erste Ergebnis dieses Karrieresprungs kam 2011 unter dem Titel „Dame, König, As, Spion“ in die Kinos. Der mit u.a. Gary Oldman, John Hurt, Colin Firth und Tom Hardy besetzte und auf einem Roman von John Le Carré basierende Agentenfilm war ebenfalls ein Box-Office-Erfolg, und nicht nur wir von FILMSTARTS waren mit einer Bewertung von 4 von 5 Sternen voll des Lobes.

Bei seiner zweiten britischen Produktion entschied sich Alfredson erneut für eine Realverfilmung: Diesmal widmete er sich einem Krimi von Bestseller-Autor Jo Nesbø, wobei er damit in große Fußstapfen trat – ursprünglich sollte niemand Geringeres als Regie-Legende Martin Scorsese die filmische Umsetzung von „Schneemann“ verantworten.

Eigentlich sprachen alle Zeichen für den nächsten Hit: Die Buchvorlage war ein absoluter Verkaufsschlager sowohl in den USA als auch in Europa, und für die Rolle des im Mittelpunkt stehenden Detektivs Harry Hole, der nach einem Serienmörder fahndet, konnte Alfredson „X-Men“-Star Michael Fassbender gewinnen. Doch es kam anders...

"Schneemann" war ein Flop – bei der Kritik und an der Kinokasse

Schlechte Kritik können verschmerzbar sein, wenn der betroffene Film auf breite und positive Publikumsresonanz stößt; von einem Kassen-Flop wiederum kann man sich leichter erholen, wenn man von der Fachpresse überschwänglich gelobt wird und vielleicht ein paar Preise erhält. „Schneemann“ allerdings legte gleich in beiden Disziplinen eine absolute Bruchlandung hin: Bei einem Budget von 35 Millionen US-Dollar spielte er gerade mal rund 43 Millionen am Box Office ein – viel zu wenig, um lukrativ zu sein. Und auch von den Kritiker*innen wurde er fast durchweg in der Luft zerrissen:

Die US-amerikanische Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes zählt lediglich 7 (!) Prozent an überwiegend positiven Besprechungen, während das Publikum mit 19 Prozent Zustimmung nur unmaßgeblich gnädiger ist. Mit 2,5 von 5 Sternen war die offizielle FILMSTARTS-Kritik noch vergleichsweise milde: Darin wird „Schneemann“ als „hübsch anzuschauendes Hochglanzkino“ bezeichnet, „dessen optische Reize und verschnörkelte Erzählweise nicht darüber hinwegtäuschen, dass [der Film] letztlich nicht mehr ist als ein formelhaft-durchkalkulierter Reißer mit einer fehlbesetzten Hauptfigur.“

Kein Total-Verriss – aber immer noch ziemlich wenig für eine hochkarätig besetzte Bestseller-Verfilmung von einem angesagten Regisseur! Auch Alfredson war übrigens nicht zufrieden mit dem Film, und er hat auch eine Erklärung für den Misserfolg. Das hat er im Gespräch mit dem norwegischen Fernsehsender NRK verraten:

„Unsere Drehzeit in Norwegen war viel zu kurz“, so der 59-Jährige. „Und wir konnten nicht die ganze Geschichte verfilmen. Als wir mit dem Schnitt begannen, stellten wir fest, dass viele Dinge fehlten. Es ist, als würde man ein großes Puzzle zusammensetzen und es fehlen ein paar Teile, sodass man nicht das ganze Bild sieht.“

Woran es auch immer gelegen haben mag, dass „Schneemann“ in nahezu jeder Hinsicht versagte: Dieser Fall illustriert gut, wie erbarmungslos das Filmgeschäft sein kann – denn die große internationale Karriere von Alfredson liegt seitdem brach.

Mit der Gaunerkomödie „Die Jönsson Bande“ (2020) realisierte er seinen nächsten Film wieder in Schweden, doch nicht nur dort lief er völlig unter dem Radar. Zwischenzeitlich war Alfredson für eine zweite Leinwand-Adaption des Mark-McShane-Romans „Seance On A Wet Afternoon“ mit Rachel Weisz („Die Mumie“) im Gespräch, doch die letzten Informationen zu diesem Projekt stammen aus dem Jahr 2021 – ob es in dieser Form jemals umgesetzt wird, ist aktuell fraglich...

Ein Fantasy-Flop aus den 80er Jahren hat übrigens ein ganzes Studio auf dem Gewissen. Um welchen Film es sich handelt, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Ein ähnlicher Artikel ist auf unserer französischen Schwesternseite AlloCiné erschienen.

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