"Der Film gewann einen Preis, aber ich nicht": Michael Caine hat fast 50 Jahre lang das wichtigste Festival der Welt boykottiert – weil er beleidigt war
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Im Jahr 1966 war Michael Caine zum ersten Mal bei den Filmfestspielen von Cannes zu Gast – und danach fünf Jahrzehnte lang nicht mehr. Der Grund: Er war beleidigt, dass seine schauspielerische Leistung nicht mit einem Preis gewürdigt wurde!

Am 20. September 1946 starteten die allerersten Filmfestspiele von Cannes – und auch fast 80 Jahre später handelt es sich bei dem alljährlich an der Côte d’Azur stattfindenden Festival um das wahrscheinlich wichtigste Ereignis seiner Art. Jahr für Jahr feiern in Cannes viele der wichtigsten Filme der Saison ihre Weltpremiere – in der bis dato letzten Ausgabe etwa die Oscar-Hits „Anora“, „Emilia Pérez“ und „The Substance“.

Und weil dem Kino wohl nirgends sonst so viel ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt wird, reißen sich Regisseur*innen und Verleiher regelmäßig um einen der heiß begehrten Plätze im Offiziellen Wettbewerb, an dessen Ende einer der renommiertesten Filmpreise der Welt vergeben wird: die Goldene Palme.

Auf dem roten Teppich tummeln sich dementsprechend die Mega-Stars. Doch einer gehörte ganze 50 Jahre lang nicht dazu: der zweifache Oscar-Preisträger („Hannah und ihre Schwestern“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) und Christopher-Nolan-Stammdarsteller Michael Caine!

Darum hat Michael Caine die Filmfestspiele von Cannes fast 50 Jahre lang boykottiert

Und das nicht etwa, weil er zur Persona Non Grata erklärt worden wäre – nein, der heute 92-Jährige ist dem altehrwürdigen Festival vor malerischer Mittelmeerkulisse freiwillig so lange fern geblieben. Grund dafür war, dass sich Caine von der (jährlich wechselnden) Jury übergangen fühlte, als im Jahr 1966 sein Durchbruchsfilm „Der Verführer läßt schön grüßen“ (bekannter unter seinem Originaltitel „Alfie“) im Wettbewerb gezeigt wurde.

Denn die Jury (in jenem Jahr unter dem Vorsitz von Sophia Loren) prämierte den von James-Bond-Regisseur Lewis Gilbert (u.a. „Man lebt nur zweimal“) inszenierten Komödien-Klassiker zwar mit einem Sonderpreis. Caine selbst ging aber leer aus, während der Schwede Per Oscarsson („Hunger“) als Bester Schauspieler ausgezeichnet wurde.

Das hat Caine ganze fünf Jahrzehnte lang nicht überwunden, wie er in einem Interview zugegeben hat (via Far Out Magazine): „Ich war hier mit einem Film namens ‚Alfie‘. Er gewann einen Preis, aber ich nicht. Also kam ich nie wieder. Ich trete keine so lange Reise für gar nichts an.“

Zahlreiche Filme mit Caine wurden in den darauffolgenden Jahren an der Croisette uraufgeführt (darunter „Ipcress - streng geheim“ und „Mona Lisa“), doch bei keiner der Premieren war Caine persönlich anwesend. Erst 49 Jahre später ließ sich der Brite, der vor rund anderthalb Jahren seinen Schauspiel-Ruhestand ankündigte, dazu überreden, wieder nach Cannes zu reisen: Anlässlich der Premiere von Paolo Sorrentinos Tragikomödie „Ewige Jugend(2015) schritt Caine gemeinsam mit seinem Co-Star Harvey Keitel über den roten Teppich. Ob er wütend darüber war, dass der Film am Ende keinen einzigen Preis eingesackt hat, ist nicht überliefert...

Mit Denzel Washington neigt übrigens noch eine weitere Hollywood-Größe dazu, nachtragend zu sein. Der „Gladiator 2“-Star nimmt nämlich seit mittlerweile 26 Jahren keinen Gebrauch mehr von seinem Stimmrecht als Academy-Mitglied. Was dahintersteckt, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

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