Heiß, heißer, „Marokko“: Innerhalb von rund 90 Minuten beschwört dieser Klassiker die brütende Hitze seines Schauplatzes hervor. Und er heizt seinem Publikum ein, indem er mittels lasziv-suggestiver Bilder eine Geschichte lodernder Leidenschaften erzählt.
Dieses in Deutschland zeitweilig als „Herzen in Flammen“ bekannte Geknister landete auf der ewigen Bestenliste eines Regiemeisters und rettete ein Hollywood-Studio. Trotzdem ist der Klassiker hierzulande aktuell auf keinem Streamingdienst zu finden. Aber: Am 11. April 2025 feiert „Marokko“ seine lang und heiß erwartete Blu-ray-Premiere im deutschen Heimkino!
Darum geht es in "Marokko"
Die desillusionierte Sängerin Amy Jolly (Marlene Dietrich) hat die Überfahrt nach Marokko hinter sich gebracht. Während ihrer Anreise hat sie die Aufmerksamkeit des wohlhabenden Geschäftsmanns La Bessière (Adolphe Menjou) auf sich gezogen, der ihr Unterstützung anbietet und romantisches Interesse signalisiert. Amy zeigt ihm jedoch die kalte Schulter.
Sie wird daraufhin zum Vorzeigetalent eines Nachtclubs. Zugleich bandelt sie mit dem Fremdenlegionär Tom Brown (Gary Cooper) an, dem der Ruf eines Schürzenjägers anhaftet. Toms Frauengeschichten bringen ihm alsbald Ärger mit seinem Vorgesetzten ein. La Bessière bietet Hilfe an, die Situation zu entschärfen – sorgt so jedoch dafür, dass es ordentlich knistert...
Lebhaft, leidenschaftlich, lustvoll
Als Filme das Sprechen lernten, verlernten sie zunächst, frei zu laufen: Die Anfänge der Tonfilmrevolution fielen gemeinhin steif aus – vornehmlich aufgrund der Einschränkungen, die das frühe Tonfilmequipment mit sich brachte, teils aufgrund verschobener Prioritäten. Regisseur Josef von Sternberg kämpfte jedoch dagegen an, und „Marokko“ ist ein besonders lebhafter Meisterstreich, in dem die Kamera ein Gefühl für flirrende Hitze, flatternde Herzen und unstete Beziehungen erzeugt.
Das ist dem Sachverstand des Regisseurs und seiner Crew zu verdanken, sowie darauf zurückzuführen, dass sich von Sternberg nicht vom Trend zur Schwafeligkeit mitreißen ließ: „Marokko“ enthält mehrere Passagen, in der allein die Bildkomposition sowie die Mimik und Körpersprache des Casts glühendes Begehren, unter den Nägeln brennendes Unbehagen und schwellende Zweifel zum Ausdruck bringen.
Wenn Amy, Tom und La Bessière was zu sagen haben, trägt es zur schwülen Ausstrahlung von „Marokko“ bei. Denn die Eifersüchteleien und romantischen Abwägungen dieser Dreiecksgeschichte werden prickelnd unterfüttert: Die Figuren sind sich (in variierender Intensität) dessen bewusst, dass ihr Dasein performativ ist und sie ein Wesen darbieten müssen, um obenauf zu bleiben.
Zugleich wird in „Marokko“ ganz natürlich mit Gendernormen, den Erwartungen eines vermeintlich angemessenen Verhaltens und dem Genuss am Bruch mit ihnen gespielt. Die denkwürdigsten Passagen drehen sich um Amys Bühnenpersona, die lasziv singend dazu einlädt, von ihren Äpfeln zu kosten, die mit völliger Selbstverständlichkeit eine andere Frau küsst, und der es gelingt, Zylinder und Smoking zum Ausdruck ihrer Weiblichkeit zu stilisieren.
Aber auch via Tom spielen von Sternberg und Drehbuchautor Jules Furthman mit Genderkonventionen – so steckt sich der Legionär verknallt ein Blümchen hinters Ohr und kritzelt mit Lippenstift Botschaften auf einen Spiegel. Alles, ohne so seine Männlichkeit zu reduzieren: Viel mehr werden derartige Passagen als Bereicherung der Persönlichkeit erzählt. Bloß konsequent, dass „Marokko“ zu einem flammenden Meilenstein queerer Ästhetik aufgestiegen ist.
Von Kurosawa geliebt
Generell eroberte „Marokko“ die Filmwelt im Sturm. Das feurige Drama errang Oscar-Nominierungen in den Sparten „Beste Regie“, „Beste Hauptdarstellerin“, „Beste Kamera“ sowie „Beste Ausstattung“. Auch kommerziell war es ein massiver Erfolg: Wie von Sternberg in seiner Autobiografie „Fun In A Chinese Laundry“ verriet, dankte ihm Produzent Adolph Zukor für den Hit, da er Paramount Pictures „vor dem Bankrott gerettet hat“.
Zu den zahllosen „Marokko“-Fans zählte der japanische Meisterregisseur Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“), der ihn in die Liste seiner 100 Lieblingsfilme aufnahm. Und das American Film Institute inkludierte das unvergessliche Dietrich-Vehikel in sein Ranking der 100 besten Liebesgeschichten.
Weiter wurde der Kassenschlager zum oft referenzierten Bestandteil der Popkultur. Beispielsweise wurde in „Buffy – Im Bann der Dämonen“ auf ihn angespielt, und Amys Modesinn wurde in der Thriller-Satire „Nur ein kleiner Gefallen“ aufgegriffen. Außerdem zollte „La La Land“-Regisseur Damien Chazelle in seinem entfesselten Opus „Babylon – Rausch der Ekstase“ dem Klassiker Tribut – inklusive Hommage auf Amys gleichgeschlechtlichen Kuss.
„Marokko“ ist übrigens nicht der einzige Hollywoodklassiker, der den April nutzt, um sein überfälliges, deutsches Blu-ray-Debüt zu absolvieren. Ein dramatisch-bissiger, extrem humorvoller Romantikklassiker mit absoluten Schauspiellegenden kam zum Beispiel kürzlich in HD auf Disc heraus. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Heimkino-Tipp:
Hollywood in Perfektion: Endlich feiert dieser Klassiker seine Premiere auf Blu-ray!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.