In den vergangenen Jahren waren sehenswerte Western im Kino zwar zu finden, wenn auch eher seltener. Stattdessen entwickelte sich vor allem der Heimkino-Markt zu einer ziemlich lohnenden Anlaufstelle für frischen Genre-Nachschub. Neben Titeln wie „Bone Tomahawk“, „Brimstone“, „The Keeping Room“, „Das Duell“, „In A Valley Of Violence“ oder „Forsaken“ erschien 2019 auch „Never Grow Old“ direkt auf Blu-ray und DVD.
Der Film mit John Cusack („Maps To The Stars“) und Emile Hirsch („Once Upon A Time... In Hollywood“) ist ein Geheimtipp für alle Freunde des düsteren Western-Kinos. Falls ihr „Never Grow Old“ bisher verpasst habt, könnt ihr das heute, am 29. August, ab 22.25 Uhr bei 3Sat nachholen – ganz ohne Werbeunterbrechungen.
Darüber hinaus steht „Never Grow Old“ auch im Amazon-Prime-Video-Channel superfresh zur Verfügung. Wer bereits Prime-Mitglied ist, kann den Channel sieben Tage lang kostenlos testen. Im Anschluss wird eine monatliche Gebühr von 6,99 Euro fällig:
Darum geht’s in "Never Grow Old":
Mitte des 19. Jahrhundert, kurz nach dem Goldrausch: In der kleinen Stadt Garlow hat die Kirche das Sagen. Reverend Pike (Danny Webb) hat den amtierenden Sheriff (Tim Ahern) durch eine religiös geprägte Gesetzlichkeit praktisch entmachtet und verwandelt den Ort in ein Musterbeispiel für gottesfürchtiges Amerika: Alkohol, Gewalt und Prostitution sind hier tabu. Wer sich nicht daran hält, muss gehen. Das Ergebnis: Die Todesrate sinkt rapide. Eigentlich ein Fortschritt – doch für den aus Irland eingewanderten Bestatter Patrick (Emile Hirsch) ist das existenzbedrohend.
Patrick kam nach Amerika, um sich den Traum vom besseren Leben zu erfüllen, und trat dem Christentum bei, um nicht als Außenseiter gebrandmarkt zu werden. Doch trotz aller Anpassung reicht das Geld kaum zum Überleben. Als eines Tages drei Outlaws unter der Führung des skrupellosen Dutch Albert (John Cusack) in Garlow eintreffen, ändert sich alles. Bald fließt wieder reichlich Feuerwasser und die ersten Kugeln fordern Tote. Patrick muss sich entscheiden: Kann er das Morden einfach hinnehmen – oder ist Widerstand erforderlich?
Eine zerfledderte Flagge als Omen
Regisseur und Drehbuchautor Ivan Kavanagh („The Canal“) zielt mit „Never Grow Old“ eindeutig darauf ab, mit Gründungsmythos und Siedlerromantik abzurechnen. Schon die erste Einstellung macht unmissverständlich klar, wohin die Reise führt: Eine zerfledderte amerikanische Flagge flattert trostlos im Wind – das Sinnbild eines Traums, der sich in Nichts aufgelöst hat.
Statt eines heroischen Westerns inszeniert Kavanagh eine kompromisslose Gewaltstudie im historischen Gewand. Patrick wird unweigerlich zum Profiteur der Blutvergießens, gleichzeitig aber auch zu dessen Opfer. Je weiter der Film voranschreitet, desto stärker versinkt die Handlung im Schlamm und Dauerregen. Amerika ist nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern erweist sich als trügerisches Versprechen.
Stark ist auch das intensive Schauspiel seiner Hauptdarsteller. Der wie gewohnt tolle Emile Hirsch vermittelt die moralische Zerrissenheit seiner Figur eindringlich und nachvollziehbar. Doch auch John Cusack, der 2019 bereits tief im Direct-to-DVD-Segment festzustecken schien, überrascht als Dutch Albert mit einer eindrucksvollen Performance: Als verschlagener Manipulator weiß Dutch genau, dass Angst das wirksamste Werkzeug ist, um Menschen gefügig zu machen – und Cusack spielt dies mit einer so unberechenbaren Vehemenz, dass sein Charakter nur umso furchteinflößender wirkt.
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