Vor 20 Jahren hat sich Disney redlich bemüht, die Big-Budget-Landschaft abwechslungsreicher zu gestalten: Unter anderem brachte das Haus der Maus mit „The Alamo“ einen ambitionierten Kriegswestern, mit „King Arthur“ einen blutig-rauen Ritterfilm und mit „Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm“ eine so temporeiche wie behutsame Modernisierung klassischer Wüsten-Epen auf die Leinwand.
Leider ließ sich das Publikum nicht auf diese aufwändigen Genre-Übungen ein, weshalb sie seither ein Dasein als Geheimtipps führen. Schließlich kann man Fans dieser Filmgattungen nicht allzu oft kaum gesehene, bombastische Genre-Vertreter empfehlen, in denen gegenwärtige Hollywood-Stars auftreten. Neugierig geworden? Das mit Viggo Mortensen auftrumpfende Western-Abenteuer „Hidalgo“ könnt ihr via Amazon Prime Video als VOD abrufen:
"Hidalgo": Ein Ausdauer-Rennen wird zum Wüsten-Epos alter Schule
1890: Der Ex-Kurierreiter Frank T. Hopkins (Viggo Mortensen) ist seit dem Massaker am Wounded Knee alkoholabhängig. Als Teil der Wild-West-Show von Buffalo Bill (J. K. Simmons) muss er das ihn seelisch peinigende Ereignis jedoch als triumphalen Wendepunkt der US-Historie darstellen. Wenigstens wird Frank dabei als Ausdauerreiter auf Weltniveau zelebriert. Dieser Ruf dringt sogar bis nach Arabien durch: Die Gesandtschaft des Scheichs Riyadh (Omar Sharif) lädt Hopkins zu einem Rennen ein, das sich 3.000 Meilen durch die Wüste zieht.
Er ist der erste Amerikaner, dem diese sportliche Ehre zuteilwird. Er willigt ein und muss sich daher nicht nur gewaltiger Hitze und massiven Sandstürmen stellen, sondern auch unerbittlichen Konkurrenten. Aber auch seine eigenen Schwächen machen ihm auf dem Rücken seines treuen Pferdes Hidalgo schwer zu schaffen...
Filmfans, die gerne Genre-Haarspaltereien betreiben, werden vielleicht Anstoß daran nehmen, dass viele Portale „Hidalgo“ als Western titulieren – und auch die Überschrift dieses Artikels den Genrebegriff verwendet. Klar: Wenn man ausschließlich Filme, die im Wilden Westen der USA spielen, als Western betrachtet, hat es „Hidalgo“ tatsächlich schwer.
Jedoch erzählt „Hidalgo“ von einem seelisch wie körperlich geschwächten Wild-West-Haudegen, der sich noch einmal in den Sattel schwingt und über seine mentalen sowie physischen Grenzen hinausreitet. Und im Laufe dieser Geschichte verschränkt „Young Guns“-Drehbuchautor John Fusco eben archetypische Western-Elemente mit Aspekten, wie wir sie eher von klassischen Hollywood-Epen in der Tradition von „Lawrence von Arabien“ erwarten.
Daher ist „Hidalgo“ trotz der Behauptung, auf wahren Ereignissen zu basieren, vornehmlich eine adrenalinhaltige sowie schmachtende Western- und Abenteuer-Fantasie, die sich aus der Faszination und Bedrohung einer endlos scheinenden Wüste ebenso nährt wie aus der schroffen Romantik reitender Rüpel mit gutem Herzen. Eben diesen Tonfall lässt „Rocketeer“-Regisseur Joe Johnston mühelos, spannend und kurzweilig aufleben.
Die starken Landschaftsaufnahmen des Kameramanns Shelly Johnson und die edel-verwegen-nostalgischen Klänge des „Tribute von Panem“-Komponisten James Newton Howard tun ihr Übriges. Und Mortensens rauer Charme als sich durchbeißender Held mit Schwächen und gutmütigem Gemüt lässt sich kaum bestreiten!
So setzt sich ein Film zusammen, der klar aus diesem Jahrhundert ist, aber eine im Cowboy-Gewand verkleidete Wüsten-Swashbuckler-Seele in sich trägt, die an Douglas Fairbanks und Errol Flynn denken lässt. Ein moderner Klassiker kommt dabei zwar nicht ganz zustande, wohl aber ein Film, dem man sehr leicht Sympathie schenken kann.
Und wenn ihr Lust auf einen weiteren Film habt, der sich aus ungewöhnlicher Richtung dem Western-Genre nähert, dann werft doch auch ein Auge auf unseren folgenden Tipp:
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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.