TV-Premiere: Dieser Sci-Fi-Thriller vom "Alita"-Macher wandelt auf den Spuren von "Inception"
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Der Sci-Fi-Mystery-Thriller „Hypnotic“ weckt Erinnerungen an Christopher Nolans stylischen Blockbuster „Inception“, ging im Kino jedoch völlig unter. Heute läuft der Robert-Rodriguez-Film ohne Werbeunterbrechungen im Free-TV!

Robert Rodriguez machte sich erst mit blutigen Kult-Hits wie „Desperado“ und „From Dusk Till Dawn“ einen Namen, dann inszenierte er auch zahlreiche Familienfilme. In jüngerer Vergangenheit mischte der Filmemacher sein Schaffen sogar richtig wild durch: Innerhalb weniger Jahre lieferte er ein Reboot seines „Spy Kids“-Franchises, den Billie-Eilish-Konzertfilm „Happier Than Ever“, „Star Wars“-Serienfolgen und den von James Cameron produzierten Sci-Fi-Film „Alita: Battle Angel“ ab.

Was kaum wer mitbekam: 2023 startete mit „Hypnotic“ zudem ein neuer Thriller des geschäftigen Texaners im Kino, der allerlei Anleihen bei Erfolgsregisseur Christopher Nolan hat. Falls ihr ihn nachholen möchtet: „Hypnotic“ läuft heute, am 29. September 2025, ab 22.15 Uhr als Free-TV-Premiere im ZDF und ist im Anschluss daran bis zum 29. Oktober 2025 im ZDF-Streamingportal zu finden!

Darum geht es in "Hypnotic"

Seit seine Tochter entführt wurde, ist Detective Danny Rourke (Ben Affleck) von Trauer zerfressen. Als er einer Reihe sonderbarer Banküberfälle nachgeht, glaubt er allerdings, neue Hinweise über ihren Verbleib zu entdecken. Also geht er der Sache verbissen nach, obwohl sich seine Wege dadurch mit einem gefährlichen Gangster (William Fichtner) kreuzen.

Unerwartete Hilfe findet Danny in der geheimnisvollen Diana Cruz (Alice Braga), die glaubt, dass es Menschen gibt, die so gut in Hypnose sind, dass sie praktisch die Realität ihrer Opfer auf den Kopf stellen. Zunächst hält Danny dies für Humbug, aber dann werden die Indizien immer erdrückender...

Ist dies das Autokino-"Inception"?

Sich vor den Augen des Helden verschiebende Straßenzüge und eine verschachtelte, von Fragen durchzogene Story: „Das erinnert dann durchaus an die großgedachten cineastischen Rätsel eines Christopher Nolan (speziell 'The Prestige' und 'Inception')“, urteilte FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen in seiner „Hypnotic“-Kritik.

Allerdings schafft Rodriguez nicht nur weniger massiv ausstaffierte Bildwelten als Nolan, auch die Story ist nicht derart weitreichend gedacht. Daher mutet „Hypnotic“ letztlich wie ein Nolan-Imitat an, das wie gemacht ist für das Auto- oder Bahnhofskino. Solch eine kernige Rotzigkeit sind Rodriguez' Fans ja durchaus von ihm gewohnt – wenngleich dieser Sci-Fi-Thriller nicht vollauf in die typische Rodriguez-Kerbe schlägt.

Beispielsweise beschränken sich die Cameos seiner üblichen Weggefährt*innen auf ein Minimum (nicht einmal „Machete“-Star Danny Trejo gibt sich die Ehre), und auch die schmissigen Dialoge seiner Erfolgsfilme bleiben weitestgehend aus. Letzteres wirkt sich zeitweilig auch auf die Performances aus, die durchaus vitaler sein könnten.

Der große Twist und das Rewatch-Potential

An dieser Stelle folgen keine konkreten Spoiler für „Hypnotic“, allerdings sei auf eines der Highlights des Sci-Fi-Thrillers verwiesen: Nach dem ersten großen Twist werden die Stimmung und der Look der 65-Millionen-Dollar-Produktion neu ausgerichtet – mit interessanten Auswirkungen.

Christoph Petersen fasste das, was folgt, treffend als „eine Mischung aus 'The Cabin In The Woods', 'One Cut Of The Dead', 'X-Men' und Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen einer 'Joko und Klaas'-Show“ zusammen – und der Verfasser dieses Artikels muss gestehen, bei den entsprechenden Passagen im Kino diebisch gegrinst zu haben.

Und obwohl auch ich den Kinosaal nach „Hypnotic“ letztlich eher ernüchtert verlassen habe, wagte ich einen Rewatch, um einer Theorie nachzugehen, die sich seither verfestigte, und die ich kryptisch an euch weitergebe: Es ist möglich, „Hypnotic“ als eine zwar gegen Ende narrativ unentschlossene, allerdings kreative und schonungslose Rodriguez-Selbstkritik aufzufassen!

Falls ihr mit dem Schaffen des Regisseurs, der einst für mit einfachen, haptischen Mitteln verwirklichte Filme gefeiert wurde und zuletzt oftmals auf günstige Digitaltricks und viel Greenscreen zurückgriff, vertraut seid, solltet ihr euch „Hypnotic“ unter diesem Gesichtspunkt anschauen. Vielleicht steckt hinter Dannys Suche nach seiner Tochter Rodriguez' unterbewusste Suche nach seinem alten Filmemacher-Ich?

Genauso gut könnte es aber sein, dass ich seit meinem Kinobesuch krampfhaft nach Gründen suche, die in „Hypnotic“ investierte Lebenszeit schönzureden. Entscheidet im Zweifel einfach für euch selbst, ob man bei diesem Autokino-„Inception“ tiefer graben oder nur Tortilla-Chips knuspernd dem Abspann entgegen fiebern kann. Eine Frage, die sich mitunter auch bei folgendem Film stellt:

Dies ist eine überarbeitete Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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