Die starbesetzte Literaturadaption „Weiße Nächte“ entstand 1957 unter der Inszenierung von „Tod in Venedig“- und „Der Leopard“-Genie Luchino Visconti. Warum es fast 70 Jahre dauerte, bis der Film hierzulande erstmals im deutschen Free-TV gezeigt wird, ist nicht klar – vielleicht gab es rechtliche Probleme oder der Titel wurde schlicht vergessen. Umso schöner, dass es am späten Abend nun endlich so weit ist.
„Weiße Nächte“ läuft am heutigen 14. Januar 2026 um 23.05 Uhr auf arte. Eine Wiederholung folgt in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar um 0.55 Uhr. Zudem steht der Film bereits jetzt und auch noch in den nächsten Wochen als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung.
Zwei großartige Stars
Das romantische Drama „Weiße Nächte“ basiert auf der gleichnamigen Novelle von Fjodor Dostojewski („Schuld und Sühne“). Für seinen Film verlegten Visconti und seine angestammte Drehbuchautorin Suso Cecchi D’Amico („Es begann in Neapel“) die Handlung aus St. Petersburg im Jahre 1850 ins toskanische Livorno der 1950er. Der Titel bezieht sich darauf, dass St. Petersburg so weit nördlich liegt, dass es in Sommernächten nie wirklich dunkel wird. Der Film wandelt diese Bedeutung insofern ab, als in der letzten Nacht der Handlung die Straßen der Stadt von einer Schneeschicht bedeckt sind.
Der visuellen Umsetzung des Films haftet eine gewisse Künstlichkeit an – was von Visconti durchaus gewollt war. Die Traumhaftigkeit und der fast theatralisch anmutende Wechsel zwischen einer leichten Liebesgeschichte und einem Trauerspiel sollten so optisch unterstützt werden. Um diesen Effekt zu erreichen, drehte der Regisseur seinen Film komplett vor aufwändigen, extra errichteten Kulissen auf den riesigen Soundstages der legendären Cinecittà-Studios in Rom. Diese Vorgehensweise war damals neu für Visconti, der bis dahin als Neorealist und für seine Arbeit an Originalschauplätzen bekannt war. Neben zahlreichen anderen Preisen gewann das Werk bei den renommierten Filmfestspielen von Venedig den Silbernen Löwen für die beste Regiearbeit.
Doch nicht nur die Optik und die Inszenierung von „Weiße Nächte“ sind bemerkenswert. Auch Oscargewinner Nino Rotas („Der Pate II“) emotionale Filmmusik ist ein Genuss. Zudem sind die schauspielerischen Leistungen der beiden Stars bis heute absolut sehenswert. Die romantische Chemie von Marcello Mastroianni („Achteinhalb“) und Maria Schell („Die Brüder Karamasow“) miteinander ist unbestreitbar. Als dritte Hauptfigur kommt noch der enigmatisch auftretende Jean Marais („Fantomas“) hinzu. Da der Film hierzulande derzeit nicht fürs Heimkino oder als Video-on-Demand zu haben ist, solltet ihr die seltene Möglichkeit, ihn anzuschauen, wirklich nutzen.
Das ist die Story von "Weiße Nächte"
Mario (Marcello Mastroianni) ist ein nachdenklicher Träumer. Als er eines Nachts auf der Straße die bezaubernd attraktive, aber offenbar verzweifelte Natalia (Maria Schell) trifft, verliebt er sich auf der Stelle in sie. Ihr Verhalten ist voller Gegensätze – was ihn noch mehr an ihr fasziniert als ihre Schönheit. Im einen Moment sprudelt sie über vor Lebensfreude, im nächsten ist sie zu Tode betrübt. Als Grund für Natalias Gemütsschwankungen stellt sich ihr Verlobter (Jean Marais) heraus, der sie vor einem Jahr zurückgelassen hat.
Seitdem steht die junge Frau allabendlich an einer bestimmten Brücke in der Stadt und hält nach ihrem Geliebten Ausschau. Da ihre Gedanken allein um ihn kreisen, sieht Natalia in Mario zunächst nur einen engen Freund, dem sie ihr Herz ausschütten kann. Mit der Zeit schwindet allerdings ihre Hoffnung auf eine Rückkehr ihres Angebeteten, und sie beginnt – erst noch zaghaft, dann mit Leidenschaft –, Marios Gefühle für sie zu erwidern. Doch ausgerechnet da tritt der Verflossene unerwartet wieder in ihr Leben…
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