Diese Sci-Fi-Thrillerserie des "Dark Knight"-Machers war ihrer Zeit voraus – jetzt ist sie endlich bei Netflix
Björn Becher
Björn Becher
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Begonnen mit den Stunts von Buster Keaton über die Akrobatik bei Jackie Chan hin zur Brachialgewalt in „The Raid“: Björn Becher liebt Actionfilme.

Fünf Staffeln Spannung, eine allwissende KI und moralische Grauzonen: Schon bei der Erstausstrahlung begeisterte eine Sci-Fi-Serie des Autors von „The Dark Knight“. Jetzt gibt's sie neu bei Netflix, wo sie 2026 aktueller denn je wirkt.

Als Bruder und Mitstreiter von Christopher Nolan wurde Jonathan Nolan bekannt, war an Titeln wie „Memento“, „Prestige – Die Meister der Magie“, „Interstellar“ und natürlich der „Dark Knight“-Trilogie beteiligt. Längst geht er eigene Wege und steckt hinter der Erfolgsserie „Westworld“, produziert zudem für Amazon Prime Video „Fallout“. Seine erste eigene Serie war allerdings „Person Of Interest“, die von 2011 bis 2016 mit über 100 Episoden Hochspannung bot.

Heute ist die Serie sogar aktueller den je – und das passt es perfekt, dass ihr ab sofort alle Episoden von „Person of Interest“ auf Netflix streamen könnt.

Worum geht es in "Person Of Interest"?

Nach den Anschlägen vom 11. September hat der mittlerweile zurückgezogen lebende Milliardär Harold Finch („Lost“-Star Michael Emerson) für die Regierung eine Überwachungs-KI namens „The Machine“ entwickelt. Sie spioniert rund um die Uhr die gesamte Bevölkerung aus, hat Zugriff auf das Internet, alle Telefongespräche und Überwachungskameras. Mit der Hilfe dieser Daten sagt sie Verbrechen voraus. Eigentlich ging es nur darum, große terroristische Anschläge zu stoppen. Durch eine Hintertür kann die KI aber an den offiziellen Kanälen vorbei auch jedes andere Verbrechen prophezeien.

Um drohende Taten zu verhindern, engagiert Finch den totgeglaubten Ex-CIA-Agenten John Reese (Jim Caviezel). Der bekommt nun von der KI immer wieder eine Sozialversicherungsnummer mitgeteilt – keine weiteren Hintergründe. Ob die Person bald ein Verbrechen begehen wird oder selbst zum Opfer wird, weiß Reese nicht. Er weiß nur, dass er etwas Schreckliches verhindern muss, das bald passieren wird. Doch damit gerät das ungleiche Duo zwischen die Fronten von Staat, Geheimdiensten und konkurrierenden Algorithmen – und muss dabei mit einer Maschine arbeiten, die nach und nach auch selbst immer eigenmächtiger agiert.

Das macht "Person Of Interest" so gut

„Person Of Interest“ beginnt wie ein klassischer Fall-der-Woche-Krimi. Zuerst geht es auch vor allem nur darum, immer wieder ein neues Verbrechen zu stoppen. Doch dahinter entwickelt sich zunehmend eine komplexe und spannende Sci-Fi-Verschwörungsgeschichte. Dabei nutzt Macher Jonathan Nolan seine Serie, um große Fragen zu verhandeln: Wer kontrolliert die Technologie? Wie viel Überwachung ist zu rechtfertigen? Und was passiert, wenn künstliche Intelligenz beginnt, eigene Entscheidungen zu treffen?

Spätestens mit der dritten Staffel wandelt sich „Person Of Interest“ vom reinen Thriller-Drama zu einer so dichten wie bisweilen düsteren Tech-Dystopie – mit moralischer Ambivalenz, überraschenden Figurenentwicklungen und einem für das klassische sogenannte Network-TV vor der Streaming-Ära ungewöhnlich dominant werdenden durchgehenden Erzählstrang.

Darum ist die Serie heute noch einmal relevanter

Bisweilen schießt „Person Of Interest“ merklich über das Ziel hinaus und glorifiziert die Überwachungstechnik, doch gerade heute lohnt die Serie noch mal einen zweiten Blick. Lange bevor KI-Debatten, algorithmische Kontrolle und allgegenwärtige Datensammlung zum Alltag wurden, setzte sich diese Serie schon intensiver mit diesem Thema auseinander. Viel in „Person Of Interest“ wirkte damals wie reine Science-Fiction und ist heute voll aktuell. Einiges fühlt sich fast prophetisch an. Die Idee einer KI, die Verhaltensmuster analysiert, Entscheidungen trifft und potenziell Machtstrukturen verschiebt, ist schließlich längst keine ferne Zukunftsvision mehr.

Erst einmal ist „Person Of Interest“ für sich eine spannende Serie, die es wie einige der besten Network-TV-Thrillers-Hits (ein Beispiel ist hier „The Blacklist“) schafft, Episodenfälle und durchgehende Handlung zu verbinden. Durch ständige Wendungen ist die Serie fesselnd und man bekommt immer Lust auf die nächste Episode. Doch weil das Thema heute noch mal ein ganz anderes Gewicht hat, bekommt „Person Of Interest“ eine zusätzliche Ebene, die sie über bloße Spannung hinaushebt.

Natürlich gibt es „Person Of Interest“ bei Netflix sowohl in der Originalfassung als auch mit deutscher Synchronisation. Warum das bei neuen Serien aktuell nicht so selbstverständlich ist, verraten wir euch im folgenden Artikel:

Nach Streit zwischen Netflix und Synchronbranche: Bei erster Serie fehlt noch die deutsche Fassung
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