„Sommerhäuser“ war vor achteinhalb Jahren für viele Filmbegeisterte eine erfreuliche Überraschung. Die Handlung um eine Großfamilie, die 1976 die Sommerferien im Haus der soeben verstorbenen Urgroßmutter verbringt und dabei alte Wunden aufreißen lässt, war inhaltlich zwar alles andere als ungewöhnlich und eigentlich passierte nicht viel. Aber die Art und Weise, auf die Regisseurin Sonja Kröner ihre Geschichte erzählte, war nicht nur von Nostalgie geprägt, sondern auch von einer unterschwelligen, beklemmenden Spannung: Eine Wespenplage breitet sich aus und in den Nachrichten wird immer wieder von einem verschwundenen Mädchen berichtet, was irgendwann für mehr als bloß Gesprächsstoff sorgt.
Starke vier Sterne vergab FILMSTARTS damals für den Film, der beim Filmfest München den Förderpreis „Neues Deutsches Kino“ in den Bereichen Regie und Produktion sowie beim Bayerischen Filmpreis die Auszeichnung für das beste Drehbuch gewann. Obwohl er in den Kinos mit niedriger Kopienzahl lief und so lediglich rund 7.000 Zuschauerinnen und Zuschauer erreichte, wurde Sonja Kröner aufgrund der Qualität ihres Werks in der Presse schnell als neue Regiehoffnung bezeichnet.
Dann bekam die 1979 geborene Münchenerin aber ihr zweites Kind und setzte erst einmal einige Jahre aus. In denen blieb sie allerdings nicht untätig, vielmehr bereitete sie ihren zweiten Film vor: „Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer“ startet am 24. April in den Kinos. Thematisch bewegt sich dieser allerdings in eine ganz andere Richtung als „Sommerhäuser“.
Darum geht es in "Pferd am Stiel"
Wer beim Titel einen klassischen Mädchen- und Pferdefilm nach Schema F vermutet, liegt falsch. Denn zwar spielen Mädchen und Pferde hier die Hauptrollen, aber ganz anders, als man es aus den „Ostwind“-, „Bibi und Tina-“ oder „Wendy“-Reihen kennt. Die 13-jährige Sarah (Manon Debaille) und ihre beste Freundin Dilek (Chiara Kitsopoulou) betreiben mehr schlecht als recht einen YouTube-Kanal und suchen nach einem neuen Trend-Thema, durch das sie endlich ein paar Follower generieren können.
Bei ihrer Recherche entdeckt Sarah die in Finnland erfundene Trendsportart Hobby Horsing. Dabei klemmt man sich ein altmodisches, idealerweise aber selbst gebasteltes Steckenpferd zwischen die Beine und absolviert damit einen Parcours. Als sie Dilek von ihrer Idee erzählt, ist diese alles andere als begeistert: Das Ganze klingt für sie völlig bescheuert und sie befürchtet, zum Gespött der Klasse zu werden. Und tatsächlich: bei einem „Proberitt“, auf den sie sich trotz aller Bedenken einlässt, werden die Mädchen von einigen Mitschülern gefilmt, das Video wird geteilt und ins Netz gestellt und alle machen sich über sie lustig.
Daraufhin kündigt Dilek Sarah die Freundschaft und schließt sich den klassisch coolen Mädels der Klasse an. Sarah ist traurig, lässt sich aber nicht entmutigen. In einem Reitstall freundet sie sich mit Beatrice (Aurelia Ott) an, die sich mit realen Pferden auskennt. Auch Beatrice ist zunächst skeptisch, doch irgendetwas an Sarahs Begeisterung ist ansteckend und auch die Aussicht, sich gegen ihre verbissen ehrgeizige Mutter (Valerie Neuhaus) zu behaupten, ist verlockend. Beatrice wird zu Sarahs Trainerin und das professionelle Steckenpferdreiten entpuppt sich als gar nicht so einfaches Unterfangen, dessen Bewegungen und Techniken erst einmal verinnerlicht werden wollen. Und am Horizont wartet eine mögliche Teilnahme an der Meisterschaft in Finnland…
Qualität dank "Der besondere Kinderfilm"
Das Drehbuch verfasste Gerlind Becker, die zuvor lediglich jeweils drei Folgen der TV-Reihen „Inga Lindström“ und „Neuer Wind im Alten“ schrieb. „Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer“ entstammt übrigens der Förderinitiative „Der besondere Kinderfilm“, der wir schon so gelungene Werke wie „Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“, „Nachtwald“ und zuletzt „Der letzte Walsänger“ zu verdanken haben – weit weg vom zwar erfolgreichen, aber meist ziemlich öden Einheitsbrei à la „Die Schule der magischen Tiere“ und Konsorten. Ob Regisseurin Sonja Krömer ihr Comeback mit „Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer“ geglückt ist, könnt ihr auch schon hier in unserer Kritik nachlesen.
Ein weiterer Film, an dem Kinder und Jugendliche ihren Spaß haben dürften, dann allerdings im Fantasygerne, startet eine Woche nach „Pferd am Stiel“ in den Kinos:
Deutscher Trailer zum Fantasy-Abenteuer "Der Wunderweltenbaum" - mit "Spider-Man" Andrew Garfield & "Bridgerton"-Star Nicola Coughlan*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.