Es ist Zeit für einen zünftigen Filmabend mit krachender, abgedrehter Unterhaltung. Aber was soll über den Bildschirm flackern und aus den Boxen röhren, während die Chips knacken, die eiskalten Getränke prickeln und sich das filmbegeisterte, neugierige Publikum auf dem Sofa vor Staunen kringelt:
Sci-Fi-Kult über eine sympathisch-wacklig getrickste Alien-Invasion? Blutig-matschiger Horror über eine absurd verlaufende Zombie-Apokalypse? Oder temporeich verwirrende Punk-Action über eine Garage-Rock-Band, einen passionierten Fan, einen raffgierigen, Rockmusik hassenden Clubbesitzer und irgendwelche mit Militärwaffen ausgetragene Kleinkriege?
Nun, weshalb sollte man sich entscheiden, wenn man auch alle Drei zusammen haben kann?! Die Sci-Fi-Horror-Rock'n'Roll-Komödie „Wild Zero“ von 1999 hat Zombies, Aliens, Gangster, die sich selbst spielende Rocktruppe Guitar Wolf, zunehmend absurdere Waffen und ganz viel Geschrei – darunter ein Lebensmotto, das sich einige Leute gefälligst hinter die Löffel schreiben sollten!
Und wenn ihr die vor Ideen geradewegs platzende, liebenswürdig-kultige Sause aus dem japanischen Kinountergrund jetzt (wieder) sehen wollt: „Wild Zero“ ist bei Amazon Prime Video als VOD erhältlich!
Gut zu wissen: Falls ihr Sooner als Prime Video Channel* abonniert habt, könnt ihr den temporeichen, durchgeknallten Kultfilm sogar ohne weitere Zusatzkosten streamen.
Darum geht es in "Wild Zero"
Als Rockmusik-Superfan Ace (Masashi Endō) ein Konzert seiner Lieblingsband Guitar Wolf besucht, erwartet ihn ein einschneidendes Erlebnis: Nach der fetzigen, dröhnenden Show platzt er in einen Streit zwischen dem Band-Frontmann und dem dubiosen Clubbesitzer Captain (Makoto Inamiya) herein und rettet so dem ebenso coolen wie idealistischen und lautstarken Musiker das Leben.
Zur Belohnung wird Ace zum Guitar-Wolf-Blutsbruder gemacht und erhält eine magische Pfeife, die er benutzen soll, wann immer er sich in Not befindet. Parallel dazu greifen, weitestgehend unbemerkt, Außerirdische die Erde an und lösen eine Zombie-Apokalypse aus. Ace derweil macht sich nach seiner außergewöhnlichen Begegnung mit Guitar Wolf auf den Weg zu einem weiteren Konzert und vereitelt an einer Tankstelle (erneut durch reinen Dusel) die Ermordung Unschuldiger.
Dabei lernt er die schüchterne Tobio (Kwancharu Shitichai) kennen und lieben – wird aber auch mit der Zombiegefahr konfrontiert, während Guitar Wolf einem brandgefährlichen Duo auf den Leim zu gehen droht. Nicht auszudenken, sollte Guitar Wolf wider Willen in einen Bandenkrieg gezerrt werden!
Doch Geldgier, Blutlust, Alien-Invasion und Zombie-Terror hin oder her: Mit der Power vorantreibender Musik und der Macht solcher Werte wie Toleranz und Empathie wird alles Übel ja wohl verjagt, oder? Und zur Not tun es auch ein paar Superkräfte, schnelle Schüsse, starke Schläge und scharfe Schwerter...
Tempo, Einfallsreichtum und Unverblümtheit
Regisseur Tetsuro Takeuchi und Drehbuchautor Satoshi Takagi haben die Schwerpunkte richtig gesetzt: Im Gegensatz zu vielen anderen Low-Budget-Obskuritäten aus der Nische hält sich „Wild Zero“ gar nicht mit der Illusion auf, seinem Cast lebensechtes Schauspiel zu entlocken und die verlockend-wirre Grundidee dramatisch-glaubhaft in einer kohärenten Filmlogik zu verankern.
„Wild Zero“ brettert mit mitreißend-hartem Punk (geschrieben und performt von Guitar Wolf) vorwärts und suhlt sich darin, wie sprunghaft die Bösen agieren (denn nur wer gut ist, bleibt seinen Idealen treu) und wie rasant angespannte Situationen eskalieren. All das ist frei von aufgesetzt-ironischem Augenzwinkern, sondern wird dem Publikum mit ansteckender Freude am kreativen Wahnsinn um die Ohren gehauen:
Wer Rockmusik verachtet, scheut in der Welt von „Wild Zero“ halt nicht vor abrupter Waffengewalt zurück, und die Bindung zwischen einer Band und einem Fan, der auch die Werte hinter toller Musik feiert, ist übernatürlich! Dadurch, wie sehr sich Masashi Endō in der Rolle des schleichend seiner Rocker-Rolle gerecht werdenden Hänflings verliert, und mit welch übertrieben-gestikulierender Inbrunst Guitar-Wolf-Frontmann Guitar Wolf seine aus Schlagsätzen bestehenden Zeilen brüllt, hat das enormen Charme...
Wilde Effekte, treibender Rock und ein gütiges Herz (umgeben von Explosionen)
...und dann kommen noch die vielen Liter an Kunstblut und grellem Glibber hinzu! Was genau die Motivation der Aliens ist, wie die Zombie-Seuche eigentlich funktioniert und ähnliche Hintergründe: Pah, wer will sich mit sowas herumschlagen?! Statt damit Erzähltempo zu verlieren, bleibt „Wild Zero“ lieber an der Lederkluft seiner rockenden Hauptfiguren und an Tobios goldigem Geschmolle haften – und wenn diese Leute ratlos sind, bleiben auch wir ratlos, während Zombieköpfe zerplatzen und das potentielle Zombiefutter panisch schreit.
Da der Kampf gegen die Zombies und die für sie verantwortlichen Aliens (und total un-Rock'n'Roll-mäßige, materialistisch veranlagte Fieslinge) konstant abwechslungsreich bleibt, weshalb mit steigender Frequenz neue Wunderwaffen und Superkräfte aus dem Nichts gezaubert werden, wird das innerhalb der weniger als 100 Minuten Laufzeit auch nie alt. Zumal das ganze Gematsche, Geballer und Gebrüll durch einen anderen Konflikt unterbrochen wird:
Ace hadert kurzzeitig zwischen einem engstirnigen Weltbild und seiner authentischen, Freiheit liebenden Rockeridentität, weshalb seine Beziehung zu Tobio in Gefahr schwebt. Doch glücklicherweise erscheint ihm in der Minute der Spießigkeit Guitar Wolf, der Ace in einer inhaltlich bedeutungsvoll-ehrlichen, in ihrer Direktheit wundervoll-amüsanten Art die Kernbotschaft seiner Rock-Ideologie entgegen brüllt: Liebe kennt keine Ethnien, Nationalitäten oder Gender!
Mehr muss Guitar Wolf seinem Fan Ace nicht mitteilen – und auch „Wild Zero“ hat abseits dieses saucool-authentischen Aufschreis keinen Zeigefinger nötig: Wozu predigen oder mit der intoleranten Gegenseite debattieren, wenn man auch mit gewaltigem Spaß in den Backen vorleben kann, dass Nächstenliebe genauso Punk-Rock ist wie stylisch-selbstbewusster, auffällig-absurder Widerstand gegen das Böse – das bezwungen wird mit zahlreichen Explosionen und viel Gekröse?
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