Streaming-Tipp: Dieser kultige Gangster-Film ist die wohl wildeste Antwort auf “Pulp Fiction”
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Was passiert, wenn Tarantino auf skandinavischen schwarzen Humor trifft, könnt ihr im Kult-Film „In China essen sie Hunde" sehen. Unser Streaming-Tipp.

Lang vorbei ist die Zeit, in der ein Gangster einfach nur ein Gangster, ein Mafioso, ein eiskalter Killer sein konnte – von Francis Ford Coppola wurde er zum komplexen Patriarchen psychologisiert, von Martin Scorsese ins Blutige stilisiert, um von Quentin Tarantino letztlich komplett dekonstruiert zu werden. Mit „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction" revolutionierte er den Gangsterfilm, verschob das Morden auf die Ebene des Banalen und vermischte es mit popkulturellen Referenzen, einer guten Portion Slapstick und einem Soundtrack, der die Laune hebt.

Da werden epische Dialoge über Burger, Fußmassagen und Madonna-Songs gehalten, als wäre Leute umbringen das Nebensächlichste der Welt. Killer, ein Job wie jeder andere, bei dem auch mal was daneben gehen kann – und so scheitern Tarantinos cool inszenierte Figuren an der Souveränität ihrer Vorbilder: Ihnen passieren Missgeschicke, die anderen das Leben kosten, sie stolpern von einer Katastrophe in die nächste und überhaupt – Eskalation ist Programm.

Pulp Fiction" beeinflusste die Filmwelt und vor allem das Gangster-Genre nachhaltig. Ohne Tarantino kein „Snatch", kein „Bube, Dame, König, grAs", kein „Go!". Eine der schrägsten, blutigsten und auch lustigsten Antworten auf „Pulp Fiction" kam jedoch aus Dänemark: Lasse Spang OlsensIn China essen sie Hunde" könnt ihr im Netzkino-Channel auf Amazon Prime Video streamen. Das Probeabo ist für sieben Tage kostenlos und kann jederzeit gekündigt werden – danach zahlt ihr 3,99 Euro im Monat.

Von der Bank zum Ballern

Gerade noch von seiner Freundin Hanne (Trine Dyrholm) als Versager und Langweiler bezeichnet, findet sich Arvid (Dejan Čukić) an seinem Arbeitsplatz in der Bank mitten in einem Überfall wieder. Kurz entschlossen überwältigt er den Räuber (Peter Gantzler) mit einem Squashschläger und wird dafür als Held gefeiert. Schon bald bereut er sein Eingreifen zutiefst, denn wie sich herausstellen soll, verpatzte er damit dem Räuber und seiner Frau Astrid (Line Kruse) die Chance auf eine künstliche Befruchtung und ihr großes Babyglück.

Von schlechtem Gewissen geplagt, sucht er seinen kriminellen Bruder Harald (Kim Bodnia) auf, mit einer simplen, aber auch dummen Idee: Gemeinsam machen sie sich daran, einen Geldtransporter zu überfallen. Was folgt, ist eine blutige Verkettung von Umständen und eine Reihe von Eskalationen, die alle Beteiligten geradewegs ins Chaos führen …

Jede Menge Leichen und schwarzer Humor

Die Parallelen zu Tarantino sind deutlich spürbar: Der Plot dreht und wendet sich, die Protagonisten finden sich in immer absurderen Situationen wieder, das Blut spritzt, der Bodycount steigt. Was Marvin in „Pulp Fiction" war, ist hier der arme Vuk (Brian Patterson), der mit allem dran glauben muss, was sein Körper zu bieten hat. Blutig und geschunden muss er dafür herhalten, um alle Komik, alles Unerwartete aus der Situation herauszuholen – was auch gelingt, wenn man es denn überzogen, roh und gewaltvoll mag.

Bisweilen funktioniert natürlich nicht mehr alles, was Ende der 90er noch als Humor durchging. Witze über Homosexualität, Geschlechterrollen und Herkunft würden so heute nicht mehr geschrieben werden und hinterlassen gelegentlich einen faden Beigeschmack. Über den man aber, glücklicherweise, recht schnell wieder hinwegkommt, wenn man diesen Trotteln von Wannabes beim Gangstern zuschaut und dabei beobachtet, wie sie Dinge immer nur noch schlimmer machen und sich selbst ins Aus katapultieren.

Und sowieso ist hier eigentlich gar nichts ernst gemeint oder ernst zu nehmen. Das wird in all der Absurdität und Ironie immer dann besonders deutlich, wenn die Figuren ihre völlig irrsinnigen Handlungen mit beinahe feierlichem Ernst verfolgen – spätestens, wenn Arvid bei der Frage nach seiner Ex trocken antwortet, sie befinde sich „im Gang… und in der Küche”, allerspätestens jedoch beim Finale, das endet, wie ein schlechter Witz: Treffen sich zwei Leute in einer Bar...

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